Galerie Kley in Hamm zeigt Heinz Trökes

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Abstrakt und doch vertraut: Das Aquarell „Revier“ (1953) von Heinz Trökes ist in Hamm zu sehen. 

Von Ralf Stiftel Hamm - Wie eine Industriearchitektur spannen sich die schwarzen Faserstift-Linien über das Blatt „Revier“. Das Aquarell schuf Heinz Trökes 1953. Damals war der in Hamborn geborene Maler seiner Heimat nah, hatte er doch eine Ausstellung im Wuppertaler Von-der-Heydt-Museum. Und obwohl das Bild eigentlich eine abstrakte Komposition darstellt, wirkt es doch wie eine Ruhrgebiets-Vedute.

Zu sehen ist das Werk in der Hammer Galerie Kley. Sie widmet Trökes die Ausstellung „Möglichkeiten auf Blau“, die erstmals einen Überblick über die Aquarelle des Künstlers bietet.

Die Schau ist eine Übernahme aus dem Lindenau-Museum in Altenburg. Mit Leihgaben vor allem aus dem Trökes-Nachlass sind rund 50 Werke zu sehen, die zwischen 1951 und 1992 entstanden. Es ist eine Würdigung zum Geburtstag, am 15. August wäre der Künstler 100 Jahre alt geworden. Kley hat seit den Anfängen der Galerie 1971 immer wieder Trökes gezeigt – dies ist die zehnte Einzelschau. Man hat alle Werkphasen im Blick, und das bietet Überraschungen.

Trökes war zunächst Schüler der Bauhaus-Meister Johannes Itten und Georg Muche. Nach 1945 schuf er Bilder, die in die Nachkriegsabstraktion passten, die den Arbeiten von Fritz Winter, Willi Baumeister, Ernst Wilhelm Nay verwandt waren. Blätter wie „Möglichkeiten auf Blau“ und „Les Taches“ (beide 1951) zeigen aber auch Einflüsse von modernen Klassikern wie Kandinsky, Klee und Wols, den der reiselustige Trökes in Paris kennengelernt hatte.

Es ist faszinierend, wie der Künstler im Abstand einiger Jahre sich immer wieder neu erfand – und dabei die Ausdrucksmöglichkeiten des Aquarells immer wieder neu erprobte. In den frühen Blättern ist die Bildoberfläche oft geschlossen wie bei einem Ölbild. In den zwölf Aquarellen für Woldemar Klein aber spielt er mit Farbverläufen, lässt zum Beispiel nass in nass Blau- und Violetttöne ineinander übergehen, arbeitet mit der Transparenz stark verdünnter Farbe. Und in „Monsun“ (1959) erkennt man eine massive Regenfront, die über ein Wandstück hereinbricht. Hier brachte er wohl Erfahrungen einer dreimonatigen Ceylon-Reise ein.

1966 gibt es einen erneuten Wandel. Nun malt Trökes figürlich, mit einer ausgeprägten Ornamentik, die an Motive ethnischer Kunst angelehnt sind, und mit kräftig deckenden, leuchtenden Farben. Blätter wie „Held“ (1966) oder „Traumbild“ (1968) erinnern an Werke der Pop-Art. Wenige Jahre später kehrt die Abstraktion zurück, die Farben werden wieder flüssiger, leichter, transparenter, selbst wenn Braun- und Grüntöne dominieren. Bei „Innen und außen“ (1974) zum Beispiel ließ Trökes Partien am Bildrand unbemalt. Assoziationen an eine Landschaft ergeben sich schon aus der Farbigkeit, aber im Grunde spielt er wieder mit Helldunkel, mit Verdichtung und Auflösung.

Ganz anders in seinen Grisaillen, Tuscheblättern, die 1976/77 entstanden, und in denen Trökes gegenständlich malt, in „Feierabend“ etwa eine Fabrik, eine Blumenwiese, Bäume und ein Paar. Die kleinen, späten Blätter hingegen widmen sich mit der Farbe selbst, spinnen heiter Gebilde wie „Farbvernetzung“ und „Farbphantasie“.

Eröffnung Sonntag, 11 Uhr, bis 3.11., mo - fr 10 – 17, sa 10 – 14, so 10.30 – 12.30 Uhr, Tel. 02381/ 950 40 40, www.galerie-kley.de, Katalog 14,50 Euro

Quelle: wa.de

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