Frank Behnke inszeniert „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ in Münster

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Eine schwierige Beziehung: Szene aus „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ in Münster mit Sandra Bezler und Joachim Foerster, im Hintergrund Wilhelm Schlotterer.

MÜNSTER - Prachtvoll erstreckt sich das Panorama auf die Prärie, der blaue Himmel, die weißen Wolken, der gelbe Boden. Der Besucher im Großen Haus des Theaters Münster meint, jeden der 28 000 Morgen Land zu sehen, die Tennessee Williams dem Patriarchen Big Daddy Pollitt zuschreibt. Am Anfang stecken die Männer der Familie in Südstaatenuniformen und die Frauen in ausladenden Reifkleidern.

Regisseur Frank Behnke und Ausstatter Martin Miotk tragen dick auf in der Inszenierung von Williams‘ Drama „Die Katze auf dem heißen Blechdach“. Das Kammerspiel, das die meisten wohl in der entschärften Hollywoodversion mit Elizabeth Taylor und Paul Newman in Erinnerung haben, bekommt hier zuweilen epische Weiten. Selbst der Chor der Enkel darf hier besonders nerven mit seinen Geburtstagsständchen und trägt zum Lohn blonde Perücken, die selbst die Haupteszier des US-Präsidenten ausstechen. Später hebt sich die Bühne, es wird ein Feuerwerk gezündet. Und am Anfang steht die Gesellschaft auf einer Tribüne und schaut einem einsamen Sportler zu, der sich im Flutlicht mit einer Art pantomimischem Universalsport abhetzt, ein bisschen Tennis mag dabeisein, etwas Baseball, es gibt Sprünge und Stürze.

Ach ja, Brick, der unglückliche Sohn des Hauses, hat sich beim nächtlichen Hürdenlauf den Knöchel gebrochen. Damit das Publikum das auch versteht, muss man ihm vorher etwas zeigen. Williams‘ Stück verschachtelt Beziehungskonflikte. Da ist die unglückliche Ehe von Brick mit Margaret. Sie widert ihn geradezu an, so dass er in den Suff flüchtet. Sie will einfach eine gute Ehe führen, vor allem will sie ein Kind von ihm. Warum liebt er sie nicht? Ist er vielleicht schwul? Der Tod seines besten Freundes Skipper steht zwischen Brick und Margaret. Außerdem geht es um ein Erbe. Big Daddy feiert seinen 65. Geburtstag, ohne zu wissen, dass es wohl sein letzter sein wird, weil er an Krebs erkrankt ist. Man hat ihm gerade weisgemacht, dass er nur an harmlosen Darmkrämpfen leide. Bricks Bruder, seine fruchtbare Frau samt fünf Kindern schleimen sich nach Kräften ein. Die fromme Lüge setzt bei Big Daddy noch einmal Lebenslust frei. Auch seine Beziehung zu Big Mama ist alles andere als harmonisch.

In Münster sieht man wenig von Williams‘ psychologischer Menschenzeichnung. Dass Margaret Brick begehrt, machen Sandra Bezler und Joachim Foerster kaum deutlich. Sie müsste doch Nähe suchen, aber auf der weiten Bühne halten beide fein Abstand. Während sie ihn aus der Ferne umwirbt und als Gipfel der Anmache mal die Jacke ablegt, humpelt er an Krücken durch einen Slalom aus leeren Schnapsflaschen. Und Margaret, immerhin die Titelheldin des Stücks und die Sympathieträgerin, bleibt in ihren Motiven so blass.

Wilhelm Schlotterer als Big Daddy scheint vor jedem cholerischen Ausbruch erst innerlich Anlauf zu nehmen. Seine Aussprache mit Brick entfaltet noch am ehesten so etwas wie psychologische Spannung, hier arbeitet die Regie die Ähnlichkeit der beiden Charaktere heraus, und hier reden zwei nicht nebeneinander her, sondern miteinander. Doch Big Daddys Rolle ist zugleich die am meisten von der Regie überfrachtete: Im dritten Akt taucht er in den Keller ab und setzt sich eine Pappkrone auf, als wären wir bei König Lear, um später mit einem Ventilator aufzutauchen, mit dem er erst den Vertrag der Erbschleicher wegpustet, dann den Rock der doch eigentlich ungeliebten Big Mama (Carola von Seckendorff) lüftet, als wäre sie Marilyn Monroe. Das weitere Personal wird geführt wie in einer Fernseh-Sitcom, Tür auf, Pfarrer rein, der seine Neugier mit der Frage nach der „Herrentoilette“ tarnt, kurzer Lacher. Der scharwenzelnde Doktor, der mehr damit beschäftigt ist, die auf die Schultern gelegte Jacke zu halten als eine Diagnose zu stellen.

Was das Stück heute noch zu sagen hätte, erfährt man in Münster nicht. Diese Inszenierung hängt zu sehr an Effekten und Oberflächenreizen.

20., 22., 20.9., 1., 3., 6., 8., 13.10., 26.11.;

Tel. 0251/ 5909 100,

www.theater-muenster.com

Quelle: wa.de

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