Frank Beermann startet Beethoven-Zyklus beim Klasssiksommer in Hamm

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Frank Beermann dirigiert die Robert-Schumann-Philharmonie beim Klassiksommer in Hamm. ▪

Von Edda Breski ▪ HAMM–Ein Alleinstellungsmerkmal für ein Festival zu finden, ist keine ganz leichte Aufgabe. Der Klassiksommer in Hamm hat einen Wechsel hinter sich, ein neues Profil muss etabliert werden. Das Festival hat am Wochenende mit einer Aufführung der Beethoven-Sinfonien begonnen. Der Zyklus, der binnen acht Tagen vollendet wird, ersetzt als Schwerpunkt der Veranstaltungsreihe den Fokus Spätromantik/konzertante Oper, mit der man sich in den vergangenen Jahren profilierte. Die Mittel für die Opernaufführung, die 50 000 Euro im Jahr betrugen, sind eingespart worden. Der programmatische Ersatz stieß am Samstag und Sonntag schon einmal auf großes Publikumsinteresse.

Mit der fünften und sechsten Sinfonie haben die Robert-Schumann-Philharmonie aus Chemnitz und der seit 12 Jahren bewährte Klassiksommer-Dirigent Frank Beermann am Samstag in der Hammer Alfred-Fischer-Halle den Zyklus gestartet. Beermann, der sich als Spezialist für Spätromantiker wie Mahler, Strauss und Wagner profiliert hat, setzt in seinen Interpretationen auf einen üppigen, satten Klang. Sein Beethoven wirkte zunächst verhaltener.

Der Beethovenreigen begann mit der Pastorale. Beermann bemühte sich von Beginn an, sich dem ländlichen Idyll der Sechsten ein wenig zu entziehen und ließ sie verhalten spielen. Er setzte auf deutlich herausgearbeiteten Puls statt weite Klangbögen. Es ergab sich ein differenziertes, zu Anfang in den Tutti leicht breiiges Klangbild; diese Schwäche, die vor allem mit den akustischen Problemen der Fischer-Halle zu tun hatte, bekam Beermann aber sehr schnell in den Griff. Seine Interpretation blieb stets ausgewogen, mit gediegenen Tempi und sorgfältig herausgearbeiteter Struktur. Der Ländler klang eher fröhlich als derb, im „Gewitter” bekam der Mittelteil ein deutliches Ritardando. Das Oboensolo, mit dem der Dankchoral beginnt, wirkte so isolierter, der ganze Finalsatz erschien verinnerlichter. Ganz ähnlich ließ Beermann das Oboensolo im Kopfsatz der Fünften für sich stehen, als Ruhepunkt in der Bewegung.

Die Fünfte mit dem berühmten Eingangsthema begann knapp und bündig, diese Sachlichkeit dominierte den gesamten ersten Satz. Im zweiten Satz wird das „per aspera ad astra”-Motiv der Sinfonie en miniature durchgeführt. Bei Beermann wurde er zum Vorgriff auf die Auflösung im vierten Satz. Das Thema des zweiten Satzes stellte er fast beschwingt vor, das Nebenthema wirkte dann idyllisch, wobei man sich fragen darf, ob das einmal tatsächlich so optimistisch gemeint war. Im Allegretto entwickelte sich aus der betonten Rhythmik die Wiederaufnahme des Eingangsmotiv, das klagend wiederholt wurde und über das Crescendo in die Fanfare des vierten Satzes mündete. Das war wunderschön her-ausgearbeitet und endete mit einem allgemeinen Auftrumpfen.

Noch am Wochenende spielte die Robert-Schumann-Philharmonie die vierte und siebte Sinfonie in einem Konzert.

Am Samstag, 7. Juli, wird, ebenfalls in der Alfred-Fischer-Halle die Neunte Beethovens gespielt. Das Schlusskonzert des Zyklus soll am 8. Juli stattfinden. Das Festival geht bis 2. September.

http://www.klassiksommer.de

Quelle: wa.de

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