Fotos von Edward Steichen im Museum Folkwang Essen

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Ein Bild für einen Star: Edward Steichen porträtierte den Schauspieler Chester Morris 1931. ▪

Von Ralf Stiftel ▪ ESSEN–Scharf mustert Chester Morris sein Gegenüber. Die Lippen presst er zusammen, das Haar glänzt, der Anzug sitzt perfekt. In der Rechten hält er eine Pfeife. Weil das Licht von unten und vorn auf ihn fällt, liegt eine Schattenlinie über seinem Gesicht. Edward Steichen hat den Hollywood-Schauspieler 1931 für das Magazin „Vanity Fair“ porträtiert, und er inszenierte sein Foto wie eine Filmszene. Solche Dramatisierungen bei Studio-Aufnahmen erforschte er, machte sie zum Stilmittel.

Steichen, geboren 1879 in Luxemburg, gestorben 1973 in den USA, ist heute vor allem bekannt wegen der grandiosen Fotoausstellung „Familiy Of Man“, die er 1955 zusammenstellte, durch 38 Länder schickte und die seit 1995 dauerhaft auf dem Schloss von Clervaux in Luxemburg zu sehen ist. Er selbst aber war, bevor er Kurator für Fotografie am New Yorker Museum of Modern Art war, ein erfolgreicher Fotograf vor allem für die Zeitschriften Vanity Fair und Vogue. Nach seinem Tod erfüllte seine Witwe seinen Wunsch und verteilte seinen Nachlass auf internationale Museen. In Deutschland wurde das Museum Folkwang bedacht: 1979 erhielt das Essener Institut eine Werkgruppe von 65 Fotos. In der Ausstellung „Celebrity Design“ werden sie erstmals alle gezeigt, ergänzt um weitere Fotos der Epoche von Künstlern wie Cecil Beaton, Germaine Krull und Nicholas Muray.

Steichen hatte sich lange parallel als Fotograf und Maler versucht. 1923 brauchte er nach seiner Scheidung Geld. Da traf es sich, dass im Verlagshaus Condé Nast die Stelle des Cheffotografen vakant war. Steichen bewarb sich mit einem Artikel aus Vanity Fair, in dem er als Meister der amerikanischen Fotografie gepriesen wurde. Er hatte Erfolg. Und er entwickelte ein neues Genre mit, die kommerzielle Fotografie. Steichens Porträt von Chester Morris zeigt prägnant die Grundzüge seines Stils: eine technisch perfekte, sorgsam inszenierte Studiofotografie.

Die Porträtierten gehörten oft nicht zu den ganz Großen, sind heute oft nur Spezialisten vertraut. Aber wie Steichen den Schauspieler Fred Keating mit einer gläsernen Uhr auftreten lässt, mit kunstvollem Schattenspiel auf neutral grauem Hintergrund, das löst im Kopf des Betrachters gleich die Geschichtenmaschine aus. Nüchterner sind Steichens Porträts des Gouverneurs und späteren US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt (1929), den er im Halbprofil am Schreibtisch aufnimmt, wobei er das Licht diskret einsetzt, um den Kopf des Politikers zu modellieren. Den britischen Abgeordneten und späteren Premier Winston Churchill zeigt er frontal, und lässt den Anzug des kräftigen Mannes fast mit dem Hintergrund verschmelzen. Der energische Gesichtsausdruck und die in die Hüfte gestemmte Rechte sind als helle Flecken akzentuiert, fast wie bei einem Barockgemälde. Als Visionär inszeniert der Fotograf den Architekten Frank Lloyd Wright um 1932 vor hellem Hintergrund. Dass Steichen auch versierter Bild-Erzähler war, zeigen seine Werbe-Motive zum Beispiel für das Foto-Unternehmen Kodak: Ein Reisender sieht an der Hotelrezeption das Bild von daheim an, junge Leute haben mit Fotos Gesprächsstoff auf einer Party, in einem Café zeigt ein Mann einem Geschäftsfreund eine Familienaufnahme.

Der spannende Querschnitt durch die US-Fotografie der 1920er und 1930er Jahre wird abgerundet durch einige Zeitschriftenbände.

Bis 16.1.2011, di – so 10 – 18, fr bis 22.30 Uhr,

Tel.0201/ 88 45 000,

http://www.museum-folkwang.de

Katalog, Steidl Verlag, Göttingen, 28 Euro

Quelle: wa.de

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