Flogging Molly in der Live Music Hall Köln

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Inbrünstig: Der Ire David King ist der Frontman der Band Flogging Molly.

Köln - Die kalifornische Band Flogging Molly, die sich dem Celtic Punk verschrieben hat, demonstriert zu Beginn ihres Konzerts in der ausverkauften Kölner Live Music Hall handwerkliche Fingerfertigkeiten: Blechflöte, Fiedel, Akkordeon, Banjo. Ganz so wie es sich für die irische Volksmusik gehört, finden sich die traditionellen Instrumente eingebettet in rauen Rock ‘n’ Roll auch bei den Punks aus Los Angeles wieder.

Frontmann Dave King ist ein waschechter Irland-Export. Der aus Dublin stammende Sänger und Gitarrist erfüllt mit seinem roten Bart, der Brille und dem Karohemd nicht gerade das Image eines harten Rockmusikers. Stattdessen könnte der 53-jährige optisch gesehen im Theater durchaus einen Leprechaun spielen, den in der irischen Mythologie beheimateten Kobold mit Goldkessel am Ende des Regenbogens.

Optisch, wohlgemerkt. Denn anstatt griesgrämig zu sein – eine Charaktereigenschaft, die dem Leprechaun nachgesagt wird – ähnelt King auf der Bühne eher dem Grimmschen Rumpelstilzchen. Unermüdlich ackert der Musiker über die Bühne, manchmal im Entengang, manchmal dirigierend und hin und wieder auch als Animateur, der die Leute anfeuert. Gleichzeitig schimpft und flucht er, reißt danach Witze und thematisiert das Klima in der Halle. Während es draußen nieselt und frisch ist, herrschen in der Live Music Hall tropische Zustände. „Heute verliere ich mein Twelve-Pack“, ruft King. „Vielleicht seht ihr mich heute mit Six-Pack.“ Dann wirft er ein Dunkelbier im Weißblechgewand in die Menge. „Teilt es Euch!“

Seit Wochen sind die Tickets für den Auftritt vergriffen. Es ist das einzige Club-Konzert in Deutschland in diesem Sommer. Sonst ist das Septett ausschließlich auf Festivals zu sehen.

Das muss man auskosten. Wäre mehr Platz da, die Leute würden sich in den Armen liegen und wilde Volkstänze aufführen. Und auch die Band hat Gefallen am Konzert im intimen, feucht-warmen Rahmen: „Oh, ihr schönen Menschen“, säuselt Dave King immer wieder. Dann bedankt er sich überschwänglich für den Enthusiasmus, der ihm und seinen Kollegen entgegengebracht wird.

Nach der Tour wolle man sich ins Studio zurückziehen und rar machen, um an einer neuen Platte zu arbeiten, verkündet King zwischendurch. Vier Jahre ist es mittlerweile her, dass Album Nummer acht, „Speed of Darkness“, erschienen ist. Neues Material gibt es in Köln schon zu hören: den Song „The Guns of Jericho“ zum Beispiel mit feinem Geige-Spiel von Kings Frau Bridget Regan, der – zumindest in der ersten Song-Hälfte – gut in die Wild-West-Zeit gepasst hätte.

Besonders vom Publikum gefeiert werden in Köln aber die älteren Nummern, mit denen sich die Band seit 1997 einen treuen Stamm an Fans geschaffen hat. „Whistles the Wind“ ist eine melancholische Schunkel-Hymne für die späte Stunde im Pub. „Drunken Lullabies“, das Dave King dem irischen Volk widmet, trumpft mit einem Banjo im High-Speed-Modus auf. „Life in a Tenement Square“ beginnt mit Akustikgitarre und wiegt die Fußmüden in falscher Sicherheit, ehe es nach einer halben Minute durchaus fetzig zur Sache geht. Und die wunderschöne Ballade „If I Ever Leave This World Alive“ sorgt schließlich für Gänsehaut, wenn alle aus vollen Kehlen mitsingen.

Quelle: wa.de

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