Punks meets Irish Folk

Flogging Molly lassen ihre Fans in Köln tanzen

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[Update 14.09 Uhr] Köln - „Danke, Schatzi!“ ruft ein euphorischer Dave King, Frontmann der US-amerikanischen Folk-Punk-Band Flogging Molly den Zuhörern im Kölner Palladium zu. Schon seit vielen Jahren komme das Septett nach Deutschland und nirgendwo sei die Stimmung vergleichbar.

Kings Laune ist ansteckend – genauso wie die Musik zum Tanzen animiert. An diesem Abend steht niemand ruhig da. Mit ihrem punkigen Sound, durchzogen von Versatzstücken irischer Volksmusik, sorgt die Band aus Los Angeles bis in die hintersten Reihen der alten Mülheimer Industriehalle für ausgelassene Laune. „Wir alle sind bloß Tänzer auf der Tanzfläche des Teufels“, singt Dave King passenderweise in „Devil's Dance Floor“.

Mit auf der Bühne: Banjo, Fidel, Flöte und Akkordeon. Für den Insel-Pub ist die Musik allerdings nur bedingt gemacht. Ob der energiegeladenen Spielweise würden da die Tischgarnituren zerschmettert und die Bierkrüge fliegen. In Köln werden nur Plastikbecher ausgegeben. Gut so, denn wenn Songs wie „Drunken Lullabies“, „Swagger“ und „The Seven Deadly Sins“ angespielt werden, dann fliegen diese massenweise durch die Luft.

Konzert von Flogging Molly im Kölner Palladium

Das aktuelle Album der Band heißt „Life Is Good“. King hat es sich zur Aufgabe gemacht, seine zuversichtliche und hoffnungsvolle Einstellung zum Dasein in die Welt hinauszutragen. Positiv zu sein, sei die richtige Einstellung, ruft er voller Überzeugung und kündigt den Song „Float“ an, gerichtet an alle Pessimisten, Selbstzerstörer und Pechvögel. „Versenke nicht das Boot, das du brauchst, das du gebaut hast, um dich über Wasser zu halten“, heißt es darin. „Atmet, träumt, fühlt!“, fordert der gebürtige Ire auf. Und natürlich: „Sauft!“

Wo wir beim Thema Klischees sind. Das vom trinkfesten Kelten wäre abgehakt. Kommt noch das vom typisch rothaarigen Iren. Häkchen dran: Wenn Dave King mit gleichfarbigem Schopf und Bart, die Gitarre umgeschnallt, die Bühne auf und ab stapft und feiste Grimassen zieht, dann hat das – zugegeben - schon etwas Koboldhaftes. Im positiven Sinn natürlich, wir erinnern uns: Der 57-Jährige hat den Frohsinn für sich gepachtet. „Oh, all die schönen Menschen. Das schaue sich mal einer ein“, schwärmt er beim Blick ins Publikum.

Dort entdeckt er auch Ute und Wolfgang, zwei alte Freunde aus Deutschland. Und überhaupt: Nach all den Jahren – die Band hat sich 1997 gegründet – seien die Musiker und auch ihr Publikum noch immer die besten Kumpels, befindet er. Er erntet den erwartet johlenden Applaus. Passend dazu hat die Band mit „If I Ever Leave This World Alive“ natürlich einen Song im Köcher, das wahrscheinlich beste Stück, das Dave King in seinem Leben geschrieben hat, das auch weit über die Grenzen des Genres zu Bekanntheit gelangt ist und das zum Mitgrölen einlädt.

Richtig gefühlvoll wird es bei diesem Konzert auch: Seinem Sohn und seinem verstorbenem Vater widmet King „A Spoken Wheel“. Für seine Mutter, die vor drei Jahren starb, singt er „Life Is Good“. „Tut mir einen Gefallen, bevor ich gehe“, habe sie kurz vor ihrem Tod gesagt: „Bitte, habt Spaß!“ Und das sei das Beste, das man tun könne, erklärt der Sänger. Wen wundert es da noch, dass nach dem letzten Song Monty Pythons „Always Look on the Bright Side of Life“ aus den Boxen schallt und das Publikum mit breitem Lächeln aus der Halle und auf die Straßen strömt.

Quelle: wa.de

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