Filmplakate von Hans Hillmann in Essen

Extrem reduziert zeigt Hans Hillmann ein Schlüsselbild: Plakat zu „Panzerkreuzer Potemkin“.

Von Ralf Stiftel ESSEN - Der erste Blick zeigt dem Auge zwei wuchtige, abgerundete schwarze Balken, die schräg von oben in Rechteck ragen. Dann schaut man tiefer, liest den Filmtitel: „Panzerkreuzer Potemkin“. Und das Motiv erschließt sich sofort: Keine geometrische Spielerei, hier sehen wir die mächtigen Geschützrohre des Kriegsschiffes, das Sergej Eisensteins Filmklassiker den Titel gab.

So funktioniert im Idealfall die Filmplakatkunst von Hans Hillmann. Er sucht ein Motiv, einen Moment, eine Szene, die ins Zentrum des Werks führt. Die bringt er extrem reduziert ins Bild. Und im Idealfall gibt es im Kopf des Betrachters ein Wechselspiel zwischen Text und Bild. Das Plakat zündet sozusagen zweimal, wie ein Rätsel, das beim Anschauen entschlüsselt wird. So ist auch der Titel der Ausstellung im Essener Museum Folkwang zu verstehen: „Der Titel wird im Bild fortgesetzt“.

Hans Hillmann, 1925 in Schlesien geboren, studierte nach dem Krieg in Kassel bei Hans Leistikow. Dort kam er mit den gestalterischen Prinzipien der 1920er Jahre in Berührung. So gelang es ihm, sich von den Moden der Nachkriegsgrafik frei zu halten. Sein erstes Plakat entstand in einem Wettbewerb, den es gewann. In Göttingen hatte 1953 Walter Kirchner die „Neue Filmkunst Walter Kirchner“ gestartet, einen Verleih, der anspruchsvolle internationale Filme auf den deutschen Markt bringen wollte. Er sprach Professor Leistikow an, der seine Studenten Entwürfe machen ließ. Hillmann gewann. Für Nicole Védrès’ dokumentarischen Essay fand er als Motiv das Profil eines Gesichts, gebildet aus einem Filmstreifen. Es überzeugte so sehr, dass es 1956 zum Logo des Verleihs wurde.

130 Filmplakate schuf Hillmann bis 1975, rund 100 davon zeigt die Ausstellung des Deutschen Plakat Museums. Es besitzt zahlreiche Arbeiten des Künstlers, die er dem Haus schenkte. Die Schau vermittelt auf hohem Niveau Grafikgeschichte und erzählt von der Entwicklung des Arthouse-Kinos in Deutschland. Weil Hillmann kostengünstig arbeiten musste, konnte er anfangs keine Fotos einsetzen. Er machte aus der Not eine Tugend und schuf griffige Motive für die Filme der Nouvelle Vague, für Streifen aus Asien und Lateinamerika. Für Luis Buñuels „Das verbrecherische Leben des Archibaldo de la Cruz“ schuf er eine Realcollage. Zunächst zeichnete er die Halspartie einer Frau. Dann schnitt er Löcher ins Papier, steckte die Finger seiner Hand durch und fotografierte das Ergebnis – die wirkliche Hand würgt die gezeichnete Frau.

Prunkstück der Schau ist ein großformatiges, farbiges Plakat zu Akira Kurosawas „Die sieben Samurai“. Extrem reduziert zeigt Hillmann farbige Silhouetten von Schwertkämpfern und Reitern, in wenigen klaren Grundfarben sind die Figuren voneinander abgehoben. Und man sieht förmlich das Schlachtgetümmel.

Humor hatte Hillmann auch. Zu Marcel Carnés Krimikomödie „Drôle de Drame“ sehen wir Kakteen in einem Blumentopf – ein Kaktus hat ein Gesicht und trägt einen Hut.

Bis 1.9., di – so 10 – 18, fr bis 22.30 Uhr, Tel. 0201/ 88 45 444, www.museum-folkwang.de,

Katalog, Steidl Verlag, Göttingen, 20 Euro

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare