Filmmuseum Düsseldorf zeigt Science-Fiction-Städte

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Modell des Raumschiff Enterprise, zu sehen in Düsseldorf.

Von Achim Lettmann -  DÜSSELDORF Durch ein schmales Fenster ist zu sehen, wie der Replikant befragt wird. Das Verhör stellt eine Szene aus dem Film „Blade Runner“ nach. „Was machen Sie mit einer Schildkröte, die auf dem Rücken liegt?“ Ein Replikant, ein künstlicher Mensch, wird über diese Frage stolpern. Er hat Bildungslücken, kann so entlarvt werden.

Die Einbauten aus Ridley Scotts Film von 1982 führen zum zweiten Teil der Ausstellung „Visionen und Alpträume – Die Stadt der Zukunft im Film“. Die düstere Stimmung des „Blade Runners“, der für das Zukunftsbild der Stadt eine kriegerische und menschenverachtende Gleichung im Kino gesetzt hat, wird tatsächlich im Düsseldorfer NRW-Forum spürbar. Ein ganzer Straßenzug ist nachgebildet. Gleißendes Licht nimmt den Besucher ins Visier. Eine Kontrollmaschine wie aus „Blade Runner“ steht in der Fluchtlinie zur Straße. Ob sie Bilder aufnimmt, Bewegungen scannt oder gleich schießt, alles ist der Science-Fiction-Erfindung anzusehen.

Das NRW-Filmmuseum ist anlässlich des Kunstfestes Quadriennale („Über das Morgen hinaus“) mit dieser Präsentation aus dem Stammhaus an der Schulstraße ausgezogen. In zwei Teilen wird nun im NRW-Forum, Ehrenhof 2, dargelegt, welche Stadtbilder das Kino entworfen und entwickelt hat.

Aus Sicht des deutschen Kinos hat die gigantische Produktion „Metropolis“ (1927) einen besonderen Stellenwert. So ziehen einen die Wolkenkratzer aus Fritz Langs Urfassung des Science-Fiction-Films in den ersten Teil der Ausstellung – kurz ins Halbdunkel. Die Kuratoren Bernd Desinger und Matthias Knop ließen das Gebäude-Gebirge aus „Metropolis“ nachbauen, größer als in den Ufa-Studios seiner Zeit. Vorbild war New York, über das der studierte Architekt Fritz Lang sagte, Straßen seien gleich „Schächte voll Licht“ und „ein Bekenntnis zum frohen Leben“.

Mit der Versöhnung der Zweiklassengesellschaft in Ober- und Unterwelt deutet der Film „Metropolis“ den Fortschrittsoptimismus seiner Zeit an, der sich bis in die 1950er Jahre im Kino hielt. Beispielsweise idealisierte der sowjetische Film „Aelita“ (1924) die Stadt der Zukunft und bot dazu expressionistische Gebäude. Einige Filmsequenzen sind aus „Die kosmische Reise“ (1936) in Düsseldorf zu sehen. Der sowjetische Film von Wassili Schurawljow erzählt amüsant, wie der Mond zum Sozialismus bekehrt wird.

„Metropolis“ entwickelte einige Grundtypen für den Sci-Fi-Film wie Massenszenen. Fritz Lang war seit dem Zweiteiler „Die Nibelungen“ (1924) eine Spezialist für solche Massenbilder. Auch entwickelte Lang den robotischen Menschen, der ein Eigenleben führt oder von bösen Mächten programmiert wird. Zu den vielen filmtechnischen Neuerungen in „Metropolis“ zählte die Dreifachbelichtung.

Das Bildtelefon aus „Metropolis“ ist nachgebaut und in der Ausstellung zu sehen. Solche technische Visionen inspirierten die Nachwelt. Und Düsseldorf bringt Beispiele dafür, dass sich Produzenten aus der Wirtschaft von Filmvorbildern leiten ließen. Zum Beispiel hat die US-Firma Motorola in den 90er Jahren ein Klapp-Handy entwickelt, weil den Ingenieuren der „Communicator“ aus „Star Trek“ (1966–2005) so gut gefiel. Auch die Monitore in den Straßenbahnen aus „Total Recall“ (1990, mit Arnold Schwarzenegger) finden sich heute in unseren öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Ausstellung gibt Bildbeispiele. Anfassen darf man diese Erfindungen nicht.

Der Filmemacher wird in Düsseldorf als Entwickler neuer Welten verstanden. Bis in die 80er Jahre wurden ganze Studiosets („RoboCop“) entwickelt. Modelle sind zu sehen, wie das Raumschiff Enterprise von Gene Roddenberry. Aber vor allem werden Filmfotos, Storyboards, Filmausschnitte und Zeichnungen präsentiert. Matte-Paintings zum Beispiel waren gemalte Illusionsbilder, die für Hintergründe in Filmen gebraucht wurden.

Im Zeitalter der Atombombe und des Vietnamkriegs versank das Stadtbild im Defätismus. „Clockwork Orange“ (1971) zeigt Orte in London, verwahrlost und kriminalisiert. „Die Klapperschlange“ (1981) und „Batman“ (1989) fügen weitere düstere Orte hinzu. Auch Stadtbilder aus „Cloud Atlas“ (2012) und „Elysium“ (2013) sind in Düsseldorf zu sehen. Sie belegen, dass die Stadt immer ein Sujet für Zukunft im Film bleiben wird – digital und in 3D.

Filmreihe im Kino Black Box, Filmmuseums, Tel. 0211/8992232, Schulstr. 4; www.duesseldorf.de/filmmuseum/blackbox

Die Ausstellung

Eine Filmausstellung, die tatsächlich filmische Atmosphären schafft. Insgesamt bleibt es aber bei Materialien und Filmausschnitten zum Stadtbild im Film.

Visionen und Alpträume – Die Stadt der Zukunft im Film, NRW-Forum Düsseldorf.

Bis 10. August; di-so 11 bis 18 Uhr, fr bis 20 Uhr.; Karfreitag und Osterfeiertage geöffnet; www.

duesseldorf.de/filmmuseum

Quelle: wa.de

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