Filmkritik: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, Teil 1“

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Der Jungmagier in Nöten: Szene aus „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ mit Daniel Radcliffe. ▪

Von Katja Lenz ▪ Es ist nirgendwo sicher. Harry, Hermine und Ron irren umher, immer auf der Flucht. Die Angst vor Voldemort und seinen Häschern ist ihr ständiger Begleiter. Am Ende werden sich Harry und Voldemort als Gut und Böse unerbittlich gegenüberstehen. Aber noch nicht in „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, Teil 1“. Dieser Film ist nur der Anfang vom Ende. Der siebte Schmöker von Joanne K. Rowling, der den Schluss der Harry-Potter-Saga markiert, ist von Regisseur David Yates in zwei Teilen inszeniert worden.

Die Atmosphäre ist düster und grau. Harry (Daniel Radcliffe) hat durch den Tod von Professor Dumbledore (am Ende von Teil 6) seinen größten Beschützer verloren. Jetzt muss er alleine mit seinen Freunden Hermine (Emma Watson) und Ron (Rupert Grint) Horkruxe finden und zerstören, denn in jedem Horkrux steckt ein Teil von Voldemorts Seele. Der Film hält sich nicht mit Rückblicken auf, man muss die Geschichte und die Figuren parat haben.

Alles Handeln ist geprägt von Furcht und Schrecken, auch bei den Todessern, den treuesten Gefolgsleuten von Voldemort (Ralph Fiennes). Der residiert jetzt im Haus der Malfoys. Hausherr Lucius (Jason Isaacs) zittert erbärmlich, als ihm der Zauberstab abgenommen wird. Sein Sohn Draco (Tom Felton) weiß vor lauter Horror nicht, wo er hingucken soll: zu einer Zauberlehrerin, die blutend über dem Tisch baumelt, zu seiner irren Tante Bellatrix (Helena Bonham Carter), zu Snape (Alan Rickman), der Dumbledore getötet hat, oder zu der riesigen Schlange Nagini, die gerade noch von Voldemorts blassen Fingern gestreichelt wird, aber gleich über die Lehrerin herfällt. Ein Film für Kinder ist das jedenfalls nicht mehr.

Hogwarts spielt in der Ouvertüre zum letzten großen Kampf gar keine Rolle. Die Zauberschule, die im sechsten Teil noch eine heimelige Kulisse für Liebeleien zwischen den Teenagern abgab, ist passé. Und damit leider das mit hervorragenden Schauspielern gespickte Lehrerkollegium. Diesen Film müssen die drei Hauptdarsteller allein tragen. Das gelingt ihnen einigermaßen, sie sind nach fast zehn Jahren im Harry-Potter-Universum erwachsen geworden – genauso wie ihre Fans, die auch „Die Heiligtümer des Todes“ mögen können. Trotzdem sehnt man sich in das vertraute und angenehm geheimnisvolle Gemäuer zurück. Jetzt ist alles nur noch dunkel, grausam und tödlich.

Harry, Hermine und Ron campieren mit ihrem Zauberzelt in Wäldern und auf Klippen. Sie liefern eine Art Kammerspiel über die Facetten der Angst, über Eifersucht und Schicksal. Die drei streiten sich, trennen sich und finden sich wieder. Harry kümmert sich um die tieftraurige Hermine. Inmitten der Verzweiflung tanzen die beiden im Zelt zur Musik aus einem knarzenden Kofferradio. Eine sehr anrührende Szene, aber leider gibt es davon nur wenige. Und Rupert Grint macht mit seinen gequält wirkenden Witzchen nicht immer eine gute Figur. Der Film verliert sich zeitweise in den Panoramabildern der öden Landschaft – und in der Breite der Buchvorlage. Leicht gestrafft wird Kapitel für Kapitel abgehakt. Das ist man ja inzwischen gewohnt: Es war das sechste Harry-Potter-Drehbuch für Autor Steve Kloves und die dritte Regie für David Yates. Überraschende Neuigkeiten wollten den beiden offenbar nicht einfallen.

Auf der Suche nach einem Horkrux-Medaillon brechen Harry, Ron und Hermine ins Zaubereiministerium ein. Dort herrschen inzwischen Voldemorts Getreue unter dem Motto „Magie ist Macht“ in einer totalitären Diktatur. Die „reinblütigen“ Verfechter der schwarzen Magie drangsalieren andere oder lassen sie gleich verschwinden. Ausgerechnet der regierungskritische und selbst für einen Zauberer recht esoterische Xenophilius Lovegood (Rhys Ifans) verrät später die drei Freunde – natürlich aus Angst – an die Todesser. Aber er erklärt ihnen vorher noch die drei „Heiligtümer des Todes“. Die will Voldemort auch noch haben, weil sie ihn zum Bezwinger des Todes machen sollen.

Harry, Hermine und Ron werden nach einer wilden Hatz durch den Wald gefangen genommen, Hermine im Haus der Malfoys von Bellatrix gefoltert. Wenig später endet der Film abrupt. Also bleiben für den letzten Teil: noch etwa 250 Buchseiten, einige Horkruxe, die Heiligtümer und das alles entscheidende Duell zwischen Harry und Voldemort in Hogwarts. Für episches Herumirren wird da zum Glück keine Zeit mehr sein. Der allerallerletzte Harry-Potter-Film soll im Juli 2011 starten.

Quelle: wa.de

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