Filmkomponist Ennio Morricone präsentiert in Oberhausen eigene Werke

+
Eleganter Interpret des eigenen umfangreichen Schaffens: Ennio Morricone dirigiert in Oberhausen.

Von Tim Griese OBERHAUSEN - Ennio Morricone ist einer der wichtigsten Filmkomponisten der Gegenwart, wenn nicht sogar der bedeutendste. Berühmte Kollegen der Branche, Hans Zimmer etwa, bezeichnen den Italiener als Vorbild. Einen Querschnitt seines Schaffens hat Morricone bei einem Konzert in der Arena in Oberhausen präsentiert.

Die angekündigte Veranstaltung, wie auch einige Termine mehr, schienen sich schon zu einer niemals enden wollenden Angelegenheit zu entwickeln. Zwei Mal machte eine Rücken-Erkrankung des 86-jährigen Komponisten den Auftritten einen Strich durch die Rechnung. Im dritten Anlauf aber klappt alles, der Maestro schwingt tatsächlich den Taktstock – und das mit eindrucksvoller Eleganz.

Morricone ist ein kleiner schmächtiger Mann und dennoch eine imposante Erscheinung. Sein Blick ist fest, die mächtige Brille auf der Nase streng. Ein Lächeln huscht erst ganz am Schluss über sein Gesicht. Ansonsten blickt er ernst und konzentriert drein, verbeugt sich mit kantiger Bewegung und versprüht dabei Stolz und Demut gleichermaßen.

Auf der Bühne versammelt hat der Oscar-Preisträger rund 80 Sänger des ungarischen Kodály-Chors und ebenso viele Musiker des Czech National Symphony Orchestra. Morricone selbst nimmt auf einem Stuhl Platz. Er entlastet ihn beim Dirigieren. Ansonsten scheint der Italiener fit zu sein. Die Hände schweben förmlich in sanften Bewegungen vor den Augen der Musikler, der Taktstock tänzelt dazu. Seite für Seite blättert sich Ennio Morricone durch einen ausgewählten Querschnitt seines Oeuvres fürs Filmgeschäft.

Für mehr als 500 Filme und Serien hat er den Soundtrack beigesteuert. Legendär sind seine Beiträge für den Italo-Western geworden. Vor allem mit den Werken von Regisseur Sergio Leone sind Morricones Arbeiten heute untrennbar verknüpft. Einer von sechs Blöcken befasst sich deshalb auch mit Leones Kino. Die Titelmelodie zu „Zwei glorreiche Halunken“ gleicht einem wilden Ritt durch die Prärie.

„The Ecstasy of Gold“ untermalt eine vom Wahnsinn getriebene Hatz nach einem Grab, das Reichtum verspricht. Der Chor unterstreicht die Verzweiflung des Suchenden mit dramatischen Klängen. Das Titellied von „Spiel mir das Lied vom Tod“ dagegen lebt vom elegischen Gesang der Sopranistin Susanna Rigacci und ist an Eindringlichkeit nicht zu überbieten. Das geht unter die Haut. Zuvor hat es bereits Beiträge aus Leones Gangster-Epos „Es war einmal in Amerika“ gegeben. „Deborah’s Theme“ etwa treibt schon zu Beginn die Tränen in die Augen ergriffener Besucher. Der Titelsong aus „Der Clan der Sizilianer“ entfaltet dank seiner einfachen Gitarrenmelodie und des pointierten Einsatzes von Streichern und Querflöte eine geheimnisumwitterte Stimmung.

„Chi Mai“ aus „Der Profi“ mit Jean-Paul Belmondo eröffnet den zweiten Teil des Konzerts mit flirrendem Violinspiel. Das sehnsuchtsvolle Titelstück aus Giuseppe Tornatores Werk „Cinema Paradiso“ bietet eine wunderschöne Klaviermelodie. Ebenso träumerisch gestaltet sich das „Love Theme“ aus demselben Film. Beim Titelsong des Films „Schlacht um Algier“ hat Ennio Morricone allerhand zu tun. Unruhe und latente Gefahr vermittelt die Komposition mit forschem Trommelspiel, das punktgenau dirigiert sein will.

Den Abschluss des regulären Sets bilden drei Beiträge zu „Mission“. Roland Joffés Abenteuerfilm über das Leben und Wirken spanischer Jesuiten in Südamerika gewinnt durch die musikalische Ausarbeitung Morricones an Dramatik. „Gabriel’s Oboe“ ist ein träumerisches Meisterwerk, „Falls“ macht die unberührten Naturgewalten einer fremden Welt erspürbar, und bei „On Earth as It Is in Heaven“ versammelt Ennio Morricone zum Höhepunkt hin noch einmal Orchester und Chor zu einem eindrucksvollen Ganzen. Stehende Ovationen sind ihm sicher. Bravo, Maestro!

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare