Felicita Zellers „Gespräch mit Astronauten“ am Theater Münster

Trubel im Bällchenbad: Szene aus „Gespräche mit Astronauten“ mit Regine Andratschke und Rose Lohmann. Foto: Berg

Münster - Im einen Moment sitzt Regine Andratschke noch auf dem Drehstuhl, schwingt Minihanteln zum häuslichen Work-Out und sinniert darüber, dass sie ihrer Maschka doch eine Chance gebe, hier im Westen. Nur Augenblicke später quengelt sie im etwas unterhalb liegenden Bällchenbad als Tochter darüber, dass Olga nicht so mit ihr spielen will, wie sie will. Lang. Ausdauernd. Wie das nur Kinder können.

Felicia Zellers Stück „Gespräche mit Astronauten“ bietet jede Menge feinstes Futter für Schauspielerinnen, und das kostet Gregor Turecek in seiner Inszenierung am Theater Münster voll aus. Astronauten kommen darin eigentlich gar nicht vor. Einmal schwebt Benedikt Thönes im Kleinen Haus schwerelos von der Decke, im weißen Weltraumanzug, als Thomas, Freund der Managerin. Aber er könnte genausogut Professor oder Minister sein, Hauptsache, weit weg. Es geht um Familien des gehobenen Bürgertums, die sich das Leben erleichtern, indem sie Au-pairs aus Osteuropa als billige Arbeitskräfte zu sich holen. Den allein erziehenden oder von den im Weltraum schwebenden Gatten allein gelassenen Karrierefrauen wäre es ja gar nicht möglich, sich zu verwirklichen, wenn ihnen nicht jemand daheim den Rücken frei hielte. Billige Arbeitskräfte, mit denen die Gastgeber recht ruppig umgehen.

Zeller sammelte ihr Material bei wirklichen Au-pairs. Das Stück setzt viele kleine Szenen in schnellem Wechsel zu einem bissigen Mosaik aus einem deutschen Milieu zusammen. Da regt sich die überzeugt vegetarisch lebende Hausfrau über den Fett- und Fleischgeruch auf, den das Mädchen ins Haus bringt. Mama möchte mit dem Kind ein wenig „Qualitätszeit“ verbringen. Aber der kleine Sudoku möchte doch lieber weiter mit Olanka spielen, mit der er sowieso viel mehr Zeit verbringt. Sowieso hat Constanze den Verdacht, dass Olankas Freund von ihrem Schnaps nascht und stellt eine „Dienstmädchenfalle“, markiert den Pegelstand in der Flasche. Ein wenig albern sind die verfremdeten Ländernamen: Knautschland, Rostland, Schlapfarei, das ist kindisch genug, zumal wenn daran Wortspiele verbunden werden.

Das ist temporeich inszeniert, funktioniert sehr unterhaltsam vor allem, weil sich Andratschke, Carola von Seckendorff, Andrea Spicher, Rose Lohmann und Benedikt Thönes auch mit vollem Körpereinsatz einbringen. Wenn Seckendorff die Rampe wieder und wieder hochkrabbelt und Rose Lohmann als Au-pair sie kurz vor dem Abgrund an den Füßen packt und zurück nach unten schleift, wenn sie zu Disco-Beats über die Rampe stolzieren wie Models, wenn sie den Internet-Hit „Scary Time for Boys“ singen, das hält das Interesse hoch.

Die Schattenseite wird durchaus auch gezeigt: Dass die wütende Managerin ihrer Mascha die Hand verbrüht, weil die nicht verhinderte, dass Peter sich die Hand am Bügeleisen verbrannte. Dass als Freizeitvergnügen nur das Treffen mit der besten Au-pair-Freundin im Burger-Restaurant bleibt. Die missglückte Abtreibung beim Heimaturlaub. Einsamkeit, Gewalt, Willkür. Insgesamt ein unterhaltsamer Abend.

19., 20., 25., 26., 28.3., 2., 3., 10., 13.4.,

Tel. 0251/ 5909 100, www. theater-muenster.com

Quelle: wa.de

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