Die Fantastischen Vier in Münster: „Für dich immer noch Fanta Sie“-Tour

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Immer in Bewegung: Thomas D. von den Fantastischen Vier in Münster. ▪

Von Tim Griese ▪ MÜNSTER–Mit „Die da“ wurden sie über Nacht berühmt. Rund zwanzig Jahre später haben die Fantastischen Vier zwar ihren Humor nicht verloren, sind aber längst erwachsen geworden. Konsequenterweise fehlt der Spaß-Rap über die Frau, die freitags nicht kann, beim Auftakt der „Für dich immer noch Fanta Sie“-Tour in der Münsteraner Messehalle dann auch. Aus nostalgischen Gründen ist das ein wenig schade. Die Fülle an Single-Hits, die das Quartett vor allem in der zweiten Konzerthälfte aneinanderreiht, macht das aber wett.

Den „Picknicker“ gibt es schon recht früh, und „Sie ist weg“ lässt auch nicht lange auf sich warten. Später kommen die Fans dann mit „Was geht“ so richtig in Fahrt. Das Publikum ist bunt gemischt, sogar Eltern mit ihren Kindern wuseln durch die Menge. Plötzlich aber sind auch die wieder armwippende Teenies. „MfG“ und das relativ frische „Gebt uns ruhig die Schuld“ folgen. Bei „Einfach sein“, das im Original mit Grönemeyer eingespielt wurde, ist Herberts Note auch in Abwesenheit herauszuhören. Als Zugaben gibt es mit „Ernten was wir säen“, den Hüpfmarathon „Populär“ und „Troy“ noch ein eingängiges Hit-Trio. Richtig ernst wird es ausgerechnet bei „Frohes Fest“, einem sozialkritischen Weihnachtssong aus der Frühzeit der Combo.

Schön vielfältig gestalten die Fantastischen Vier den Abend. Das bietet sich bei der fünfköpfigen Live-Band auch an, die den einen oder anderen Song in einen echten Rockstampfer verwandelt – „Bring It Back“ etwa oder „Love Sucks“, das am Ende an Megavier-Zeiten erinnert oder auch „Dann mach doch mal“. Bei „Ichisichisichisich“ greift Michi Beck gleich selbst zur Gitarre, während ein Salt-n-Pepa-Sample in die Halle dröhnt. In „Smudo in Zukunft“ ernennen die Fantastischen Vier das Publikum kurzerhand zum „größten westfälischen Gospelchor“. „Der Körper muss schwingen“, ruft das titelgebende Bandmitglied und kreist im Laufschritt über die Bühne, ehe sich der Song in den Electropunk von The Prodigy verwandelt. Weitaus relaxter geht es bei „Tag am Meer“ zu. Mit „Displays, please“ werden die Fans aufgefordert, ihre Handys in die Luft zu recken, um zum Wellenrauschen aus den Boxen das passende Lichtermeer zu liefern.

Sphärisch geht es bei „Krieger“ zu. Thomas D., alleine und oberkörperfrei unter einer riesigen Discokugel, die schummrige Lichtflecken wirft, trägt den Track Spoken-Word-ähnlich vor. Da fehlt eigentlich nur noch der Enigma-Refrain und der Ethno-Hit wäre perfekt. Zum Schluss steigert sich der Song zum ordentlichen Rocker, bei dem auch wieder die drei Kollegen und die restlichen Musiker auf der Bühne sind.

Sie alle immer im Auge zu haben ist schwer. Die mit ihren Lichtarmen wie eine Krake in die Hallenmitte gepflanzte wuchtige Bühne sorgt für Zuhörer rundherum. Eine solche 360-Grad-Konstruktion, so stylisch sie auch sein mag, erfordert beim Verfolgen der Show aber viel Glück und beschert einem, je nach Standort, noch mehr Rücken. So gut wie nie ist das Quartett gemeinsam zu sehen. Während And.Ypsilon in der Bühnenmitte den Fels in der Brandung gibt, sind die drei übrigen Rapper redlich bemüht, einzeln immer irgendwo präsent zu sein, damit jeder Fan ein Häppchen Fanta4 erwischt. Sie haben Spaß dabei, die Stimmung leidet trotzdem.

Musikalisch geht in Sachen Deutschrap nichts an den Fantastischen Vier vorbei. Vor allem live ist das Quartett noch stärker als aus der Konserve. Was die Präsentation angeht, ist weniger aber manchmal mehr. Zeit, das in Zukunft für die Fans zu ändern, werden die Wortartisten genug haben. Denn was rufen sie kurz vor Schluss? – „Wir haben die besten Jahre noch vor uns!“

Quelle: wa.de

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