Expressionisten und mehr: Was NRW-Museen 2012 planen

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André Derains Bild „Zwei Lastkähne“ kommt aus dem Pariser Centre Pompidou ins Essener Museum Folkwang ▪

Von Ralf Stiftel ▪ HAMM–Der Expressionismus liefert einen roten Faden für das Ausstellungsjahr 2012 im Land.

Vor genau 100 Jahren gab in Köln die Sonderbundausstellung ein Startsignal: In einer großen Ausstellung wurden die internationalen Meister wie van Gogh, Cézanne, Gauguin, Munch, Picasso im Dialog mit den Werken junger deutscher Künstler von der „Brücke“ und dem „Blauen Reiter“ gezeigt. In der Rückschau erscheint das wie eine Über-documenta. Und wie passend, im Jahr der 13. documenta in Kassel (9.6.–16.9.) versucht das Kölner Wallraf Richartz Museum eine Rekonstruktion der damaligen Ausstellung. Es ist nicht die einzige Präsentation im Land, die sich dem Expressionismus widmet. Hier eine Übersicht:

Höhepunkt im Programm des Gustav-Lübcke-Museums Hamm ist die Ausstellung „Menschenbilder des Expressionismus“ im Herbst, die vor allem aus dem Besitz des Museums Werke von Morgner, Rohlffs, Böckstiegel und Nolde bietet.

Das Kunstmuseum Ahlen bietet ebenfalls Expressionistisches in der Schau „Treffpunkt und Topos. Schloss Dilborn 1911–1931“ mit Arbeiten des Künstlerpaars Heinrich Nauen und Marie von Malachowski und ihrer Gäste. Parallel sind unter dem Titel „Wie gemalt“ zeitgenössische Formen von Bildgestaltung zu sehen (26.2.–3.6.).

Bevor das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster wegen des Umbaus teilweise geschlossen wird, verwandelt es sich zur Schatzkiste: Die Schau „Goldene Pracht“ vermittelt die Leistungen westfälischer Goldschmiedekunst im Spätmittelalter mit Kostbarkeiten wie dem Cappenberger Barbarossa-Kopf, dem Borghorster Reliquienkreuz und dem Schrein der Prudentia aus Beckum (26.2.–28.5.). Das Picasso-Museum Münster stellt in „Marc Chagall und die Bibel“ umfassend das religiös geprägte Schaffend es Künstlers vor (5.10.– 15.1.2013).

Das Marta in Herford zeigt ebenfalls Kostbarkeiten: Unter dem Titel „Asche und Gold“ sind Werke u.a. von Pawel Althamer, Joseph Beuys, Rebecca Horn, Sigmar Polke und Andy Warhol zu sehen, die sich der so verschiedenen, aber gleichermaßen symbolbeladenen Materialien bedienen (28.1.–22.4.).

Die Kunsthall Bielefeld erinnert an Carl Strüwe (1898–1988), der mit seinen „Formen des Mikrokosmos“, die von 1926 bis 1959 entstanden, zu den Pionieren der künstlerischen Mikrofotografie gehört (5.2.–13.5.).

Das Museum Ostwall in Dortmund hat nach seinem Umzug ins U nicht allzu viele Chancen gehabt, sich mit Ausstellungen zu profilieren. Das soll 2012 anders werden: In wenigen Tagen eröffnet das Haus eine Werkschau des US-Pop-Malers Alex Katz (21.1.–9.4.), es folgt eine große Schau mit dem Träger des Dortmunder Kunstpreises, dem Lichtkünstler und Mitgründer der Gruppe Zero, Heinz Mack (6.5.–29.7.).

Das Karl Ernst Osthaus Museum in Hagen zeigt unter anderem eine Ausstellung mit Berliner Malern wie Johannes Grützke und Michael Sowa (26.2.–22.4.). Später widmet es noch dem Düsseldorfer Künstler Markus Lüpertz eine Einzelschau (4.5.–29.7.).

Das Museum für Archäologie in Herne zeigt die Ausstellung „Schädelkult“, die zur Zeit in Mannheim Furore macht. Darin geht es um die symbolische und mythische Bedeutung des Schädels von der frühen Menschheitsgeschichte bis heute, und es sind echte Schädel in vielerlei Gestaltung zu sehen (17.11.– 14.4.2013).

Das Museum Folkwang in Essen hat den Sponsor gewechselt, kann aber weiterhin opulente Ausstellungen zeigen: „Im Farbenrausch. Munch, Matisse und die Expressionisten“ spürt ebenfalls den Quellen des Expressionismus nach, die bei den französischen Fauves und dem Norweger Munch verortet werden (29.9.– 13.1.2013).

Das Von-der-Heydt-Museum in Wuppertal hat in den letzten Jahren vor allem mit Impressionismus geglänzt. Nun widmet es sich auch dem Expressionismus. Die Schau „Der Sturm“ ist der Galerie und Zeitschrift von Herwarth Walden gewidmet, die von 1912 an zum Forum der Avantgarde wurde (13.3.–10.6.). Als Kontrast steht ein Meister des flämischen Barock auf dem Programm: Eine Schau widmet sich Peter Paul Rubens (16.10.– 28.2.2013).

Das Wallraf Richartz Museum Köln zeigt seine Schau „1912 – Mission Moderne“, die nur einen Bruchteil der damals ausgestellten Werke bieten kann und trotzdem ein Großunternehmen ist (31.8.–30.12.). Die 650 ursprünglichen Exponate (darunter allein 130 van Goghs) sind heute über die Welt zerstreut. Kasper König feiert seine Abschied als Direktor des Museums Ludwig mit Ausstellungen zu den Pop-Künstlern Claes Oldenburg (23.6.–30.9.) und David Hockney (27.10.– 3.2.2013). Und seine Bilanzausstellung klingt knorrig: „Ein Wunsch bleibt immer übrig“ (2.6.–4.11.).

Nebenan in Düsseldorf steht ein alter Meister auf dem Programm: Das Museum Kunstpalast zeigt den spanischen Manieristen El Greco mit rund 100 Bildern von Künstlern der Moderne von Cézanne über Picasso und Delaunay bis zu Beckmann, Macke und Marc (28.4.–12.8.).

Quelle: wa.de

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