Esa-Pekka Salonen dirigiert im Konzerthaus Dortmund

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Vilde Frang und Esa-Pekka Salonen mit dem Mahler Chamber Orchestra im Konzerthaus Dortmund. ▪

Von Elisabeth Elling ▪ DORTMUND–Erst nur eine Harfe mit einer ständig wiederholten Arabeske, dann das Klavier als Verstärkung, die zweite Harfe auch noch. Es werden immer mehr, bis schließlich der gesamte gigantische Orchesterapparat wie im Rausch vibriert und stampft: bratzende Tuben, vier Schlagwerke und E-Bass inklusive. „Dance“ heißt der dritte (und eindrucksvollste Satz) von Esa-Pekka Salonens Komposition „Foreign Bodies“. Erinnerungen an Igor Strawinskis „Sacre du printemps“ sind wohl kein Zufall.

Salonen dirigierte am Samstag im Konzerthaus Dortmund und bestärkte mit dem fabelhaften Mahler Chamber Orchestra (MCO) die Entfesslungen und Entladungen seines Werks. Aufgestockt wurde das Orchester mit Nachwuchsmusikern der MCO-Academy, vor allem Studierenden der vier NRW-Musikhochschulen.

„Foreign Bodies“ ist ein wuchtiger Kraftakt, doch führt der Finne auch hier zwar sehr engagiert, aber vorwiegend in lässigem Einvernehmen mit den MCO-Musikern. Der Klangkörper teilt Salonens Elan, und so wird Jean Sibelius‘ Orchester-Fantasie „Pohjolas Tochter“ (1906) in ständiger Bewegung gehalten. Keine Spur von jenem Pathos, das die Legendenvertonung zuweilen zu düsterer Seelenlandschaftsmalerei verkleistert. Bei aller Energie sind Salonens Lesarten immer analytisch und durchhörbar.

Sein Gespür für unmittelbare Wirkungen wird noch deutlicher im zweiten Sibelius-Werk des Abends, dem d-Moll-Violinkonzert (op. 47) mit Vilde Frang als Solistin. Die Norwegerin strebt in den Kadenzen nach extremen Klangfarben, fällt von einem brüchig-fahlen Ton in rohes Tenuto, teilt jedoch Salonens Vorwärtsdrang. Im furiosen dritten Satz stacheln die Beiden sich regelrecht an. Das Zusammenspiel ist dabei nicht immer so ausgewogen, im zweiten Satz werden die zarten Delikatessen der Solostimme verdeckt vom breiten Klang des Orchesters.

Dass diese satte Streichermacht sich auch zu einem transparenten Strahlen verdünnen lässt, beweisen Salonen und das MCO in Olivier Messiaens‘ „Un sourire“ (Ein Lächeln, 1989). Das Schlagwerk zerschneidet das melancholische Gespinst mit scharfen zwitschernden Einwürfen. Trotzdem bleibt dieses „Lächeln“ gegenüber der Spannkraft von Sibelius‘ Werke und der Körperlichkeit von Salonens „Foreign Bodies“ ein wenig blass und abstrakt.

Esa-Pekka Salonen dirigiert am 10.6. im Konzerthaus Dortmund das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Es erklingen Brahms‘ Klavierkonzert Nr. 2 (Solist: Jefim Bronfman) und Salonens Orchesterstück „Nyx“. Tel. 0231/22696200

Quelle: wa.de

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