Tour-Ende vor 90.000 in Düsseldorf

"Ende eines Kapitels": Tote Hosen feiern rauschendes Finale

+
Heimspiel für Campino in Düsseldorf.

Düsseldorf -  Sie sind seit 36 Jahren unterwegs und haben jetzt ihr vorerst letztes Kapitel geschlossen. Die Toten Hosen haben in Düsseldorf vor 90.000 Menschen ihre Tournee "Laune der Natour" beendet. Viel kann eigentlich nicht mehr kommen. Eigentlich.

Das ganze Stadion singt mit. Kein Wunder, nach 36 Jahren. Obwohl viele nicht so lange dabei sind, denn bei der Gründung der Toten Hosen 1982 waren sie noch nicht geboren. Inzwischen sind es mehrere Generationen, die zu den Konzerten pilgern. 1,3 Millionen waren es in den vergangenen eineinhalb Jahren. 56 Auftritte. Nun war das Finale, das "Ende eines Kapitals", angesagt, der "Abrissbirnen-Tag", die Party vor Freunden und Familien, bei der man sich tunlichst nicht blamieren sollte.

"Ich muss mir das Gerede ja wieder ein Jahr anhören, wenn es schlecht war. Das will ich unbedingt verhindern", hatte Campino (56) versprochen. Er hängt sich nicht mehr kopfüber ins Gestänge des Bühnendachs, klettert nicht mehr auf Lichtmasten, und auch den Sprung in die Menge verkneift er sich. Aber ansonsten ist Campino scheinbar unverwüstlich. Er rennt, springt und singt - fast drei Stunden lang. Das Rostkehlchen bittet zum Tanz und Zehntausende hüpfen.

Seit 36 Jahren mit den Toten Hosen unterwegs: Campino.

90.000 strömten am Wochenende in die Düsseldorfer Arena zu den Schlussakkorden vor heimischer Kulisse. Ihre Tournee "Laune der Natour" ist nun Geschichte. "Wir wissen alle, dass solche Dinge nicht ewig gehen. Man muss uns nur näher ins Gesicht gucken, dann weiß man, dass die Uhr schon lange gelaufen ist", sagt Campino. Und dann spielen sie wieder ihre Hymnen - schnell, druckvoll, laut, unterstützt von Broilers-Sänger Sammy Amara, Beatsteaks-Frontmann Arnim Teutoburg-Weiß - und einem Streich-Quartett.

Ein Hörsturz von Sänger Campino zwang die Band im Sommer zu einer fünfwöchigen Pause, ansonsten lief die Maschine wie geschmiert. Schon vor 16 Jahren sagten die Fünf über sich, dass sie "schweinealt" seien. Ihr Spätwerk beschert den Düsseldorfer Rockern nun ungeahnten Erfolg: "Wir sind noch nie so oft im Radio gespielt worden wie in den vergangenen eineinhalb Jahren", sagt Band-Manager Patrick Orth. Dreifachen Gold-Status hat das im vergangenen Jahr erschienene Album "Laune der Natur" eingespielt.

90.000 kamen, um die Toten Hosen zu sehen.

Achterbahn, Auswärtsspiel, Liebeslied: Zwei Mal unterbricht der Zeremonienmeister das Inferno im kochenden Innenraum, damit die Fans ihre Gliedmaßen neu sortieren können. Das Desaster des 1000. Konzerts darf sich nicht wiederholen, als im Gedränge vor der Bühne an selber Stelle 1997 ein niederländisches Mädchen starb. Ihr ist nun das Stück "Nur zu Besuch" gewidmet. Der Musiker Thees Ullmann sagt über die Hosen: "Es bewegt mich immer noch sehr, wenn sie Konzerte spielen. Es bedeutet den Leuten etwas. Sie haben meiner Meinung nach eine Verpflichtung, nicht damit aufzuhören."

Die Band scheint das auch so zu sehen: Man nähere sich zwar der Verlängerung, sagt Campino, aber: Das Ende steht nicht unmittelbar bevor. "Wir sehen das wie im Veteranensport: So lange die Knochen halten und der Arbeitgeber uns einen neuen Vertrag anbietet, spielen wir. Der Arbeitgeber, das ist in unserem Fall das Publikum. Zur Zeit läufts noch super." - dpa/lnw

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare