Elisabeth Leonskaja spielt Beethoven in Hamm

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Elisabeth Leonskaja (vorne) mit dem Württembergischen Kammerorchster Heilbronn in Hamm. ▪

HAMM ▪ Das Instrument für diesen Abend hat sie einst selbst ausgesucht: Der Flügel des Hammer Kurhauses wurde mit der Beratung der georgischen Starpianistin Elisabeth Leonskaja gekauft. Am Samstag bespielte sie ihn erstmals in einem Konzert. Mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn unter Ruben Gazarian spielte sie im ausverkauften Hammer Kurhaus ein reines Beethoven-Programm: das Klavierkonzert Nummer 5, flankiert von der Sinfonie Nummer 3 „Eroica“. Von Edda Breski

Leonskaja macht es ihrem Publikum nicht leicht – nicht umsonst wird sie als Zugabe den dritten Satz von Beethovens „Sturmsonate“ wählen, anstelle eines leichten Da-Capo-Stückes. Auch das Emperor-Konzert trägt eine subjektive Handschrift: Temporückungen, stark ausgeprägte dynamische Schwankungen in den heroischen Passagen des ersten Satzes; eine Introspektion im zweiten Satz, die sich auf die Mittelpassage des dritten überträgt. Leonskaja akzentuiert scharf, kontrastiert dies durch verinnerlichte Passagen – eine eigenwillige Verbindung aus Härte und Weichheit. Den heldenhaften Tonfall des Kopfsatzes lässt sie nicht unkommentiert: Sie zieht sich zurück, behandelt abseits des Hauptthemas ihren Part zurückhaltend, überlässt dem Orchester das Wort. Sie hinterfragt. Den zweiten Satz beginnt sie mit täuschender Schlichtheit, lässt das Thema singen und folgt ihm versonnen durch die Ausarbeitungen. Ein lichter, liebevoller Satz. Ein wenig von seiner Nachdenklichkeit spiegelt sich im dritten: Leonskaja lässt es im Hauptthema krachen, zieht sich aber wieder zurück. Eine prima inter pares, wenn auch das Orchester, das den Abend mit bewundernswertem Elan bestreitet, nicht immer auf Augenhöhe spielt: Kiekser im Holz im zweiten Satz, zu laute Einsätze in den Hörnern und im Fagott trüben ein wenig das Bild.

Mit der „Eroica“ wetzen die Musiker und Ruben Gazarian die Scharte wieder aus: auf einen reichlich schwerfällig gespielten Kopfsatz folgt ein Trauermarsch, der sich von heldischem Pathos zu schwarzer Tragik steigert. Scherzo und Finalsatz folgen, zwei dichte Sätze, in denen das Orchester sich in die Spielfreude steigert. Gazarian spornt sie immer weiter an – eine schöne Interpretation, konventionell in der Haltung, dabei frisch gespielt.

Quelle: wa.de

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