Eine Film-WG mit Jane Fonda, Pierre Richard und Geraldine Chapline: „Und wenn wir alle zusammenziehen“

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Jean (Guy Bedos, von links), Albert (Pierre Richard), Jeanne (Jane Fonda), Claude (Claude Rich) und Annie (Geraldine Chaplin) gründen eine Wohngemeinschaft. ▪

Von Achim Lettmann ▪ Albert ist vergesslich. Ein alter Herr mit weißen Locken und faltiger Haut, dem man nichts krumm nehmen kann. Dann plätschert sein Badewasser durch die Decke und übers Parkett. Ein Malheur? Eine Katastrophe? Wie man will. Die deutsch-französische Koproduktion „Und wenn wir alle zusammenziehen?“ schwankt zwischen solchen Extrema. Aber nicht lange, denn Stéphane Robelins Komödie über das Altern und Sterben bourgeoiser Freunde ist vor allem wohlmeinend und warmherzig. So bleibt es bei Alberts Vergesslichkeit, die eben nicht zum Alzheimer- Drama hochgespielt wird. Pierre Richard, einstige Ulknudel, gibt den Bonvivant nett und formvollendet.

Zwei Pärchen und ein Schürzenjäger tun es. Sie gründen eine Alters-WG, um dem Pflegenotstand zu entgehen. Claude ist der Auslöser. Er wird aus einem Altenheim gerettet, wo eine Insassin ihre dritten Zähne partout in seinem Zimmer suchte. Alle ziehen in Annies Haus, und fortan sind Claudes Herzbeschwerden vergessen. Stéphane Robelin (Drehbuch) lenkt die Aufmerksamkeit auf seine Figuren. Das ist gut so, denn das Altwerden bietet keinen neuen Dreh. Vielmehr wird das eingelöst, was schon immer zentrales Thema im französischen Kino war: die Liebe.

Was Albert eben nicht mehr umtreibt, ist für den Weltverbesserer und Ex-Rebellen Jean (Guy Bedos) ganz wichtig. Hatte seine Frau Annie mit Claude ein Verhältnis – vor 40 Jahren? Der Film baut zur Lösung dieser Frage keinen großen Spannungsbogen auf. Dies und das wird angeschnitten und behandelt – comme ci, comme ca. Wer will sich noch aufregen, wenn die letzten Jahre angezählt sind. Bei gutem Essen, in einem herrlichen Haus und mit viel Rotwein und Champagner lässt sich vieles lösen. So ist auch Jeans Wut und sein Griff zum Messer bald vergessen.

Die Komödie wird nie oberflächlich, weil die Stars eine Schau sind. Neben Pierre Richard glänzt Claude Rich als unverbesserlicher Gockel Claude. Er spielte schon in den 50er Jahren in Filmen von René Clair mit, der den poetischen Realismus neben Jean Renoir und Marcel Carné entwickelt hatte. US-Schauspielerin Jane Fonda mimt die Philosophieprofessorin Jeanne, die nicht alles verrät, aber würdevolle Strategien für die letzten Jahre entwickelt. Sehr vital füllt Geraldine Chapline ihre Rolle als Annie aus. In jugendlichen Chucks wirbelt sie durchs Haus und lässt einen Pool in den Garten setzen, damit die Enkelkinder zu Besuch kommen.

Etwas konstruiert ist die Rolle von Daniel Brühl, der als Dirk erst den Hund von Albert ausführt und später mit dessen Frau Jeanne über Sexualität spricht. Der deutsche Student der Ethnologie kann noch einige Lektionen lernen. Für deutsche Grausamkeiten aus Weltkriegszeiten ist er nicht mehr verantwortlich. Auch dieses Thema wird auf eine zwischenmenschliche Weise beruhigt.

Der Film schafft ein Gemeinschaftsgefühl der Generationen, das über jedes Happyend erhaben ist.

Quelle: wa.de

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