Einakter von Tennessee Williams in Münster

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Zwischen Wut und Zärtlichkeit: Dennis Laubenthal und Lilly Gropper im Tennessee-Williams-Abend in Münster.

MÜNSTER - Ein junges Hochzeitspaar gerät auf ein sexuelles Minenfeld. Ein Mann und eine Frau sitzen nebeneinander und reden aneinander vorbei. Ein anonymes Paar erliegt seiner Flucht vor dem Schweigen in ausgehöhlten Ritualen. Drei zermürbende Situationen, drei Einakter von Tennessee Williams.

Von Anke Schwarze

„Grüne Augen“, „Sprich zu mir wie der Regen und ich höre dir zu“, „Ich kann mir ein Morgen nicht vorstellen“:

Frederik Tidén und Kathrin Mädler (Dramaturgie) inszenieren die knappen Bühnenstücke Williams' im U2 am Theater Münster. Vor einem reduzierten und zunehmend desolaten Bühnenbild (Kerstin Bayer) führen sie die Aussichtslosigkeit menschlicher Kommunikation drastisch vor.

Zwei Stellwände markieren ein Zimmer, beklebt mit einer kitschigen Rosentapete. Unter den abgerissenen Stellen überdauert das Alte in Form einer blassen Schmucktapete. Es gibt wenige Requisiten, ein Bett, ein orangefarbenes Telefon, Whisky, Zigaretten. Anfangs ist es ein schäbiges Hotelzimmer in New Orleans. Dann ein undefinierbarer dunkler Raum, schließlich das schummrig beleuchtete Schlafzimmer, in dem eine mittelalte Jungfer ihren einzigen Bekannten empfängt. Manches rückt an eine andere Stelle, nichts verändert sich wirklich.

Auch die Schauspieler bleiben dieselben: Lilly Gropper und Dennis Laubenthal. Zwar beschreibt jeder Einakter eine andere Situation. Doch jedes Mal reibt sich ein Paar auf, im Scheitern am Dialog und damit an der Beziehung. Die Szenen zeigen nur einen Ausschnitt aus dem Leben. Die Grenze zum Absurden bleibt spürbar: Ein Mann erzählt einen Traum – doch wem? Er spricht in ein Mikrophon, adressiert ein „Du“. Die Frau, die wie ein Schatten vor ihm herläuft?

Was sich in dem Zimmer abspielt, es bleibt ein Raum, der einmal ein Hotel war. Anonym also. In den beiden Einaktern, die an anderen Orten spielen, manifestiert sich das Hotel im gesprochen Wort – als Williams’ Metapher für Isolation und Instabilität. Eben der Preis für die Freiheit von menschlichen Beziehungen. Lilly Gropper hämmert dies in einem atemlos geflüsterten Monolog ein: die Vision einer selbst gewählten, jahrzehntelangen Einsamkeit in einer namenlosen Pension. „Sprich zu mir wie der Regen“ heißt dieser Einakter. Genauso monoton rauscht ihre Stimme dahin. Irgendwann fängt es an zu nerven und das soll es auch.

Lilly Gropper und Dennis Laubenthal spielen ohne Rücksicht und holen glaubwürdige Facetten an Emotionen aus sich heraus. Die Enge im U2, die Nähe des Publikums zu den Schauspielern birgt eine beklemmende emotionale Qualität. Zwei Menschen brüllen sich ihren Frust und ihre Verachtung aus dem Leib. Sie provoziert ihn, bis man um ihre Sicherheit fürchtet. Die Aggression ist zum Greifen nahe.

Gut, dass Gropper und Laubenthal auch leise Töne beherrschen: Das Hochzeitspaar liegt auf dem Doppelbett. Sie schmiegt ihren Kopf in seinen Schoß. Ihre Beine sind voller Schrammen und blauer Flecken, Knie und Ellbogen aufgeschürft. Im Zeitlupentempo nähert sich seine Hand ihren Blessuren. Immer wieder beschreiben Gropper und Laubenthal die Leere zwischen ihren Körpern mit Hass und Verachtung. Kaum, dass sie sich ansehen können.

Der Realismus wird zwischendurch klug gebrochen. In weiß gekalkten Clownsgesichtern von „Eins“ und „Zwei“. Oder in gespenstisch beleuchteten Mord- und Selbstmordfantasien.

13., 30.3., 27.4.;

Tel. (0251) 59 09 100

www.theater-muenster.com

Quelle: wa.de

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