Edita Gruberova singt in Dortmund

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Edita Gruberova singt im Dortmunder Konzerthaus und wird begleitet.

Von Edda Breski -  DORTMUND Alle vier Jahre zeichnet die Kulturstiftung Dortmund eine Musikerin oder einen Musiker für das Lebenswerk aus. In diesem Jahr fiel die Wahl auf Edita Gruberova. Die Slowakin hat eine 46 Jahre dauernde Opernkarriere hinter sich, nach bisherigem Stand. Sie hat in diesen höheren Jahren eine bemerkenswerte Karriere gemacht. Gruberova erarbeitet immer noch neues Repertoire, legt Einspielungen vor, ist Teil des Opernbetriebs. In zwei Wochen wird sie 68 Jahre alt.

Bei ihrem Auftritt am Freitag im Dortmunder Konzerthaus wurde Gruberova mit Ovationen gefeiert, wie es einer Diva gebührt, einer der letzten ihrer Art. Heutige Stars funktionieren anders. Von ihnen wird weniger der klassische Divengestus erwartet, Stars wie Anna Netrebko funktionieren in der Außenwirkung eher wie Filmstars, sie müssen, trotz ihres Star-Status, „anfassbarer“ sein. Gruberova hat an der Wiener Staatsoper bis in die 70er Jahre lange auf ihren Durchbruch gewartet. Daran erinnerte der Gründungsintendant des Konzerthauses, Ulrich Andreas Vogt, in seiner Laudatio. Die eigentliche Preisverleihung fand nach dem Konzert ohne Publikum im geschlossenen Kreis statt.

Für ihren Ehrenabend hatte Gruberova Ausschnitte aus Donizettis drei großen Tudor-Opern gewählt. Die Rollen der leidenschaftlichen und leidenden Königinnen sind wie Handschuhe für sie: weich, bestens eingetragen und immer elegant. Ihr Gesang ist kein „method acting“. Sie wechselt durch ein Repertoire angemessener Gefühle, das sie in ihrer Karriere unendlich verfeinert hat. Maria Stuardas wachsende Verzweiflung vor der Hinrichtung, Anna Bolenas träumerischer Eskapismus, Elisabeths majestätischer Zorn, der den Schmerz einer unglücklich liebenden Frau maskiert – in ihnen verbinden sich Porträtkunst und höchste Verzierungstechnik. Gruberova fehlt an vielen Stellen Kraft. Wer ihr durch die Koloraturen folgt, hört, wie sehr sie manchmal um den Ansatz kämpft. Aber mit eiserner Disziplin zwingt sie ihre Linie wieder auf den rechten Kurs. Gruberova singt die Arie der Anna Bolena, „Ah dolce guidami“ mit weichstem Piano, so dass sogar der Einsatz der Oboe zu hart dagegen klingt; vor dem letzten Triller versinkt sie auf dem letzten Bitten um Aufschub, „un giorno sol“, nur ein Tag, in tiefer Resignation. In der folgenden Szene steigert sie sich zu weißglühender Entschlossenheit, kontrastiert durch eine Pianokultur, die die Phrasen wie im Traum enden lässt. Ein Triller kommt verzögert, Gruberova hält in ihn Form. Vor dem letzten Spitzenton verzögert sie wie vor einem Sprung, und richtig, der Ansatz stimmt nicht, der Ton kommt kurz, scharf und angestrengt. Sie muss ihn abbrechen. Gruberova hat mit fast 68 eine Kontrolle, die zur Bewunderung treibt, und einen jungen, manchmal noch mädchenhaften Ton, der, in Verbindung mit ihrer Erfahrung, ihre Interpretation dieser Partien zu einer außergewöhnlichen Erfahrung macht.

Die Dortmunder Philharmoniker begleiteten sie unter dem slovakischen Dirigenten Peter Valentinovic feurig, in den Ouvertüren mit Knalleffekten, aber auch fähig, Gruberovas Stimme in Piano zu betten. Gruberova wurde von Sängern von der Oper Dortmund sekundiert. Katharina Peetz‘ zuverlässige Zofen und Gefährtinnen, Lucian Krasnecs jugendlich-feurige Liebhaber ebenso wie die mitfühlende, etwas statische Darbietung des Gastbassisten Karl-Heinz Lehner spielten eine drittrangige Rolle.

Quelle: wa.de

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