Bob Dylan und Mark Knopfler in Oberhausen

+
Der britische Musiker Mark Knopfler spielt in Oberhausen. ▪

Von Jörn Funke ▪ OBERHAUSEN–Vor 32 Jahren haben Bob Dylan und Mark Knopfler gemeinsam ein Album aufgenommen. „Slow Train Coming“ gehört zu Dylans besten Werken; deshalb war das Interesse groß, als beide eine gemeinsame Tournee ankündigten. Allerdings erlebte das Publikum in der Oberhausener Arena am Sonntag, wie zwei Großmeister aneinander vorbei spielten.

Dylan gefällt sich seit Jahren, wenn nicht gar seit Jahrzehnten, in der Rolle des großen Rätsels der Popmusikgeschichte. Als „Stimme einer Generation“ gefeiert, und so auch in der Oberhausener Arena angekündigt, stand er für den Zeitgeist der 60er Jahre, für Protest und Gegenkultur. Inzwischen singt der Dauerkandidat für den Literatur-Nobelpreis genauso für den Papst wie für die Luxus-Unterwäsche von „Victoria‘s Secret“. Bei manchem traditionellen Fan kam das nicht gut an.

Mit 70 Jahren bleibt Dylan sich in der Enttäuschung von Erwartungen treu. Das legendäre „Slow-Train-Coming“-Album spielt in der Eineinhalb-Stunden Show keine Rolle, das vier Jahre später von Knopfler produzierte „Infidels“-Album auch nicht. Aus der Zusammenarbeit der beiden wird nur die Geschichte von „Blind Willie McTell“ neu aufgelegt.

Knopfler steht bei den ersten vier Songs des Dylan-Auftritts auf der Bühne. Seine perfekt perlenden Gitarrenklänge passen vorzüglich in Dylans gefälligen Country-Rock-Sound. Doch als der „Dire-Straits“-Star dann plötzlich verschwindet, bleibt keine Lücke. Die 10500 Zuschauer merken es erst gar nicht.

Dafür liegt die Herausforderung des Abends an anderer Stelle: Dylan steht im dunklen Anzug hinter einer quiekenden Elektroorgel und murmelt im Sprechgesang ins Mikrofon. Der Wiedererkennungswert von Welthits ist da begrenzt – manches Mal geben ein, zwei Worte einen Hinweis, ob da gerade „Leopard-Skin Pillbox Hat“ oder „It Ain‘t Me, Babe“ läuft. Ein begnadeter Sänger war Dylan noch nie, aber zu Beginn der Show ist er praktisch unverständlich.

Immerhin, der Sänger steigert sich. Es gibt dynamische Versionen von „Highway 61 Revisited“ und „Ballad of a Thin Man“. Und zum Schluss die Gassenhauer „All Along the Watchtower“ und „Like a Rolling Stone“, an denen Dylan offenbar viel Spaß hat. Zum Publikum gesprochen hat er bis dahin zwar nicht, aber er winkt.

Zahlreiche Zuschauer haben die Halle da aber bereits verlassen. Es sind Fans von Mark Knopfler, die vor Dylans Set eineinviertel Stunden gediegene Unterhaltung bekommen haben. Mit einer siebenköpfigen Band spielt der 62-Jährige sich größtenteils durch seine Solowerke. Begeisterung brandet auf, als Knopfler die „Dire-Straits“-Hymnen „Brothers in Arms“ und „So Far Away“ anstimmt. Sonst bleibt es in der komplett bestuhlten Halle eher ruhig.

Weitere Auftritte: Heute, Dienstag, Mannheim; 26. Oktober München; 27. Oktober Leipzig; 29. Oktober Berlin; 31. Oktober Hamburg; 6. November Hannover; 7. November Nürnberg; 19.-21. November London.

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare