Düsseldorfs Kunstpalast hält eine Geburtstagsschau für Heinz Mack bereit: Ein Visionär der Lichtkunst

Gespiegelt vom eigenen Werk: Heinz Mack steht im Düsseldorfer Museum Kunstpalast vor „Modell der Arbeit Ohne Titel“ (2016). Im Hintergrund ist noch seine Malerei „Ikonostasis für Lichtfarben“ (2007) zu sehen. Der ZERO-Künstler wird am Montag 90 Jahre alt.
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Gespiegelt vom eigenen Werk: Heinz Mack steht im Düsseldorfer Museum Kunstpalast vor „Modell der Arbeit Ohne Titel“ (2016). Im Hintergrund ist noch seine Malerei „Ikonostasis für Lichtfarben“ (2007) zu sehen. Der ZERO-Künstler wird am Montag 90 Jahre alt.

Eigentlich hängen bei „Rondo“ nur einige Elemente aus Stahl, Aluminium, Holz, Acrylglas an Fäden. Doch Heinz Mack schuf mit seiner Installation einen Zauberraum. Motoren lassen den runden Spiegel und die mit einem Raster überzogene Scheibe rotieren.

Düsseldorf – Im Halbdunkel blitzen Reflexe auf, mischen sich mit den über die Wand tanzenden Schatten. In dem Werk von 1963/64 komponierte Mack Lichtmusik. Aus strengen geometrischen Elementen entsteht eine heitere Gaukelei, der man lange zuschauen könnte.

Die Schönheiten der Lichtstelen, der kinetischen Kästen und frühen Gemälde können Besucher von Mittwoch an im Kunstpalast in Düsseldorf erleben – unter strengen Auflagen, so müssen vorab Tickets für Zeitfenster gebucht werden (über die Website). Die Ausstellung „Heinz Mack“ ist seit Wochen aufgebaut. Anlass ist der 90. Geburtstag, den der Künstler am Montag feiert. Dann wird die Schau auch um 19 Uhr digital eröffnet. Der Schwerpunkt der 100 Exponate liegt zwischen 1950 und 1980. Aber weil Kuratorin Heike van den Valentyn sowohl früheste Fotoarbeiten aufnahm als auch aktuelle Gemälde und Skulpturen aus den 2000er Jahren, begegnet man dem ganzen Mack in retrospektivem Umfang. Ein starker Auftritt für den Mann, der mit Otto Piene 1958 die Gruppe Zero gründete, der zweimal auf der documenta in Kassel vertreten war und 1970 bei der Biennale von Venedig.

Dabei frappiert besonders, wie früh Mack bestimmte Grundlinien seiner Kunst entdeckte und wie konsequent er sie verfolgte, bei allen Neuerungen. Noch als Schüler fotografierte er mit einer Leica-Kamera die Natur um Lollar, das hessische Dorf, in dem er geboren wurde. Dabei sucht er nicht das spektakuläre Motiv, etwa Maschinen im nahen Sägewerk, sondern blickt auf Strukturen wie Ackerfurchen oder die Jahreslinien eines gefällten Baumstamms, die eine Rotation suggerieren. Von hier führt ein kurzer Weg zu Holzarbeiten wie dem „Großen Wiesenstück“ (1954). An der Düsseldorfer Kunstakademie hatte Mack in der Bildhauerklasse von Ewald Mataré die Formsprache einer milden Moderne kennen gelernt. Mack nennt in einem Interview im Katalog auch die Malerei von Henri Rousseau als Inspiration. Erkennbar sucht der junge Künstler seinen Weg. Das Gemälde „Die Struktur des Waldes“ (1957) benennt sein Thema deutlich, in vertikalen Linien hallt das frühe Foto eines Waldrandes mit vielen hohen Nadelbaumstämmen nach.

Zugleich greift der Farbauftrag die damals vorherrschende gestisch-abstrakte Malerei auf, die Mack aber eigentlich ablehnt. Ihn interessiert eher das Licht an sich, Momente wie die Bewegung. Er wollte das visuelle Erlebnis von der Materie lösen. Schon als Kind spielte er Klavier, und musikalische Motive wie Rhythmus und Bewegung prägen immer wieder seine Kunst. Manche Zeichnungen wirken wie Partituren. 1954 schuf er „Melodie und Rhythmus“, eine Holzstele, die an der einen Seite große, an der anderen feine Einkerbungen hat. Im „Wandrelief für ein Musikzimmer“ (1955) verbindet er formale Strenge mit Ironie: Auf eine Holzplatte sind Schallplatten montiert.

Ebenfalls eine Kindheitserfahrung ist Macks Faszination für die Wüste, zunächst in Bildern aus dem Brockhaus-Lexikon. 1955 fuhr er mit dem VW Käfer von Düsseldorf in die Sahara. Dort entstand die Idee eines Kunstprojekts. 1959 formulierte er das „Sahara-Projekt“ aus für einen Artikel für die Zeitschrift „Zero“. Die neun Din-A4-Seiten sind in der Ausstellung wie Grafik präsentiert. Mack beschreibt die „Lichtstelen“ und die „Spiegelmauer“ und die „künstlichen Sonnen“, mit denen er eben nicht in der artifiziellen Spielfläche des Museums, sondern in monumentalen Naturräumen wie der Wüste oder der Arktis Kunst schaffen wollte. Der Künstler weist hier voraus auf Kunstströmungen wie die Land Art. Gerade heute, im Kontext von Umweltdebatten und der globalen Erwärmung, erweist sich Macks Perspektive als visionär. Schon 1958 schuf Mack ein „Sandbild mit Silber-Rotation“. Von 1962 an installierte er in der Wüste Kunstgärten mit Lichtkunstobjekten. Und er führte Kunstperformances aus, zum Beispiel, indem er lange Bahnen aus Metallfolie schwenkte. Fotos dokumentieren in Düsseldorf diese Aktionen. Außerdem ist der Film „Tele-Mack“ zu sehen, für den 1968 ein Fernsehteam mit Mack in die Wüste fuhr.

Aber Mack malte nicht nur, schuf Skulpturen und bewegliche Objekte. Die Schau dokumentiert auch seine angewandten Arbeiten, Kunst am Bau wie eine Reliefwand für die Mathildenhofschule in Leverkusen. Für ein Krankenhaus in Diourbel (Senegal) schuf er 1965 zwei Bauelemente, die seine Formsprache der strukturierten Oberfläche aufgreifen. Zugleich hatten sie einen praktischen Zweck: Wasser lief über sie und schuf für wartende Patienten ein angenehmes Raumklima.

Auch für das Theater arbeitete Mack. Seine Reflektorwände boten imposante Hintergründe für Tanzaufführungen. Und für eine Freilichtinszenierung von Wagners „Tristan und Isolde“ im Amphitheater Orange setzte er monumentale Schattenprojektionen ein.

Am Ende des Rundgangs schließt sich auch ein künstlerischer Kreis: Ein frühes weißes Relief versah Mack einst mit einem Rand in den Spektralfarben („Farbstufen“, 1955/57) links und Graustufen rechts. Dieses Spiel mit Farbtönen und Überlagerungen hat er in den letzten Jahren wieder entdeckt, zu sehen unter anderem im drei Meter breiten Gemälde „Ikonostasis für Lichtfarben (Chromatische Konstellation)“ von 2007.

digitale Eröffnung Montag, 19 Uhr, mit dem Künstler; 10.3. – 30.5., di – so 10 – 19, do bis 21 Uhr; Tel. 0211/ 566 42 100, www.kunstpalast.de; Katalog, Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König, 29,80 Euro

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