Dortmunder Philharmoniker feiern 125. Geburtstag

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Blumen für den Chef: Jac van Steen und die Philharmoniker beim Konzert in Dortmund. ▪

DORTMUND–Um Geburtstagsklassiker haben die Dortmunder einen Bogen gemacht, weder Beethoven noch Brindisi gab‘s zum Jubiläumskonzert. Statt dessen trumpften die Philharmoniker auf: Das Galakonzert zum 125-jährigen Bestehen des Orchesters wurde mit Strauss und Bartók bestritten.

Dazwischen gab es Mozarts 27. Klavierkonzert mit dem wunderbar subtil spielenden Ronald Brautigam. Gefeiert wurde aber am Tag der Deutschen Einheit im Konzerthaus Dortmund nicht nur der Klangkörper, sondern auch der Klang, den die Chefdirigenten der vergangenen Jahre herausgearbeitet haben.

Die Dortmunder Philharmoniker wurden 1887 als Hüttnersche Kapelle gegründet; der Name leitet sich von dem ersten Dirigenten, Georg Hüttner, ab. Den Chefposten hat noch bis 2013 Jac van Steen inne, der seine Philharmoniker vorführen ließ, was die Stadt an ihnen hat. Den Strauss‘schen „Zarathustra“ nutzte er, um die Bandbreite an Klangpracht zu demonstrieren, vor allem in den Streichergruppen, die einen üppigen, goldenen „wienerischen“ Ton trafen, um ihn zu überzeichnen: haarscharf an der Parodie vorbei. Die Dortmunder Philharmoniker können intensiv spielen, dunkel glühenden, üppigen Klang bieten; man hört in dem Strauss Violinpassagen wie mit dem Sandpapier bearbeitet, die Bläser haben Biss. Jac van Steen bewies die Qualität seiner Strukturarbeit, baute das Stück systematisch auf und dirigierte auf die Generalpause zu wie auf ein Herzschlagfinale. Abstimmungsschwächen zwischen den Streichern an ein, zwei Stellen ließen sich gut und gerne überhören.

Was für ein Auftrumpfen, und was für ein Wechsel zum „Konzert für Orchester“ von Bartók: wieder ein prachtvoller, üppiger Klang, der etwas dick werden kann. Dazu kamen aber, noch deutlicher als im „Zarathustra“, strukturelle Klarheit und ein überlegter Aufbau. Es wurde hörbar, wie sehr das Orchester von van Steens intensiver Beschäftigung mit Neuer Musik profitiert hat. Im zweiten Satz wurde das Tanzthema vorsichtig entwickelt, klang sogar ein wenig puppenhaft. Das Schlagwerk hatte einen ganz hervorragenden Einsatz. Der Ländler, der derb dazwischen fährt, war ausgesprochen heiß temperiert. Hörenswert war auch, wie van Steen die Schlusssteigerung im letzten Satz entwickelt: Die Kraft war schon spürbar, die Lautstärke bliebt noch gedrosselt.

Ronald Brautigam ist ein Spezialist für historisch informierte Aufführungspraxis und ein Virtuose auch am Hammerklavier. Die klanglich an der Spätromantik orientierten Dortmunder Philharmoniker näherten sich einem luftigen, beredten Mozart-Klang an.

Lobesworte gab es an diesem Abend für das Orchester und für seinen Chef – aber kein Wort zu seinem Weggang. Den Dortmundern wird er fehlen.

Das Orchester spielt in seiner Jubiläumsspielzeit ein Repertoire von Brahms bis Britten. Am 23. Oktober wird die achte Sinfonie von Bruckner aufgeführt.

Von Edda Breski

Quelle: wa.de

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