Dortmunder Ballett mit umjubelter 29. Internationaler Gala im Opernhaus

Im Sprung: Ksenia Ovsyanick auf der Internationalen Ballettgala in der Dortmunder Oper. Foto: theater dortmund

Dortmund – Die Ballerina kann sich von ihrer Handtasche nicht trennen. Verliebt klemmt sie das kleine Ding zwischen die Zähne und macht ein paar Odette-Developpés auf Spitze. Ihr Prinz versucht, sie von dem Ding fernzuhalten, und sie zum Tanzen anzuhalten, aber vergeblich: Sie zieht ihn während der Arabesque am Spielbein. Er schleift sie über die Bühne. Der „Grand Pas de Deux“ von Christian Spuck veralbert zu Musik aus Rossinis „Diebischer Elster“ klassische Ballettposen. Nicht bloß Show, sondern hochwitzig, wenn man mit klassischen Pas de deux vertraut ist. Elisa Badenes vom Stuttgarter Ballett setzt ein Nerdlächeln auf, ihr Partner Alexander Jones vom Ballett Zürich, wo Spuck derzeit arbeitet, gibt den derangierten danseur noble. Ein großer Spaß, exakt getanzt und liebenswürdig gespielt am Theater Dortmund, wo das Dortmunder Ballett am Wochenende Gäste zur Ballettgala empfing.

Die Gala läuft in ihrem 29. Jahr. Jeweils zu Saisonende und zu Beginn der Spielzeit kommen Gäste wie Alina Cojocaru. Dieses Mal tanzte sie mit ihrem Partner Francesco Gabriele Frola vom English National Ballet den Grand Pas de Deux aus Dornröschen, quasi als Original zu Spucks Faxen.

Diese Gala war abwechslungsreich. Komik traf auf klassischen Ernst, Show begegnete Bach. Aus dem Turniertanz kommen die Ukrainer Antonina Stobina und Denys Drozdyuk. Ihr Paso doble war eine Art menschliche Doppelexplosion. Der Saal jubelte. Später kamen die beiden mit einem Jive zu Tina Turners „Proud Mary“, komplett mit Glitzer, Federboa und Rock’n’Roll-Überschlägen.

Begeistert war das Publikum auch von Sergio Bernal vom Ballet Nacional de Espana. Er zeigte eine Flamenco-Variante, die Virtuosität in streng geometrische Raumwege band, mit Spannung im Leib wie eine aufgezogene Feder. Bernal kam noch einmal wieder im Duett mit Joaquin de Luz, eine Eigenkreation der beiden. De Luz nahm im Herbst 2018 seinen Abschied als Principal vom New York City Ballet. Somit war er einer der Stargäste der Gala. Das Duett mit Bernal war teils Ballett, teils höfischer Tanz: ein formvollendetes Gockeln zu zweit. Die Choreografie lässt beide Tänzer aufeinander reagieren wie zwei Stimmen in der Musik: ein Wettstreit mit präzisen kleinen Sprüngen und Kombinationen aus doppelten tours en l’air und Pirouetten mit tadellosem Timing. Solo tanzte de Luz „Five Variations on a theme“ zu Bach: Präzision und Timing und Showmanship in einem. Den einzigen wirklich modernen Beitrag leisteten Veronika Kornova und Huy Tien Tran zu „Hallelujah“ in der Version von Jeff Buckley: die Geschichte zweier Liebender, die nicht zusammen, nicht ohneeinander können.

Das Ballett Dortmund zeigte selbst das neoklassische „Moto Perpetuo“ von Jacopo Goldoni aus dem aktuellen Dreierprogramm „Visionen“. Zu Recht bejubelt wurden die Herren des NRW-Juniorballetts für „Im Wald“ von Xin Peng Wang: Eine Sechsergruppe bewegte sich wie ungezähmte Wesen, halb Tier, halb ungebändigter Mensch.

Drei Uraufführungen hatte die Gala zu bieten. Alexander Abdulkarimov vom Berliner Staatsballett hat ein Duett für sich und Ksenia Ovsyanick geschaffen. „Deus ex machina“ ist bilderreich und originell, wirkt aber etwas unentschlossen. Das Paar tanzt an einer hängenden Barre, als suche es Stütze. Hinter ihnen flimmern Bilder: Einstein, Wissenschaft, kurz ein Hakenkreuz. Geht es um Haltsuche in der Bewegung, durch die Sprache der Körper?

Evan McKie vom National Ballet of Canada tanzte „In time we trust“ von Juliano Nunes, ein Solo zu harter, repetitiver Klaviermusik von Kirill Richter, das melancholisch und mit seinen gehaltenen Posen akademisch kühl wirkte. Mit seiner Partnerin Svetlana Lunkina tanzte McKie „Allegretto Apassionato“ von Nicholas Rose: eine romantische Paarbegegnung. Lunkina gab dann den Freunden des rein klassischen Ballett noch etwas zu schwärmen als „sterbender Schwan“. Da seufzte sogar der Moderator, Kammersänger Hannes Brock: „Hach! Das muss man sich auch mal geben.“

Edda Breski

Quelle: wa.de

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