Dortmund bietet dem Comic ein Forum und zeigt „Ente süß sauer“

Das Cover zu „The Old Castle’s Secret“ (1948, deutsch: Das Gespenst von Duckenburgh) war das erste Titelblatt, das Carl Barks gezeichnet hat. Foto: Museum/© Disney Enterprises, Inc.

Dortmund – Die explosivste Geschichte um Donald Duck war ein Werbegeschenk. 1946 legte die Firma Cheerios in den USA ihren Frühstücks-Cerealien einen Gutschein bei. Schickte man den ein, bekam man schmale Comichefte. Eins davon erzählt, wie Donald Duck im Heimlabor eine Formel für eine Atombombe entwickelt.

Ein Jahr nach dem Abwurf der Bomben über Hiroshima und Nagasaki traf das nicht gerade die Stimung der Zeit. Die Geschichte verschwand im Giftschrank und wurde erst 1975 vom holländischen Zeichner Daap Jippes neu interpretiert. Erfunden hatte sie allerdings Carl Barks (1901–2000), der legendäre „gute“ Zeichner der Donald-Duck-Geschichten. Ein Exemplar dieses wahrhaft ausgefallenen Werbegeschenks ist zur Zeit in Dortmund zu sehen. Im neuen schauraum: comic + cartoon, direkt gegenüber des Hauptbahnhofs.

Es ist ein Experiment. Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte und die Kulturbetriebe Dortmund wollen in dem Ladenlokal, wo bisher das Tourismusbüro untergebracht war, drei Jahre lang dem populären Medium ein Forum bieten. Ein niedrigschwelliges Angebot: Der Eintritt zu den wechselnden Sonderausstellungen ist frei. Dortmund ist ein gutes Pflaster für Comics: Das Museum hat seit 2000 mehrere erfolgreiche Ausstellungen zum Thema gezeigt, zuletzt 2015 „Going West!“ über Comics zum Wilden Westen.

Der Auftakt ist denkbar spektakulär. In der Ausstellung „Ente süß sauer“ geht es um den berühmtesten Vogel des Comic-Universums, um Donald Duck. Die Ausstellung bietet 35 Originalzeichnungen von einigen der besten Künstler, die Donald je zeichneten, angefangen mit dem Meister, mit Carl Barks. Der hatte zunächst in den Filmstudios von Walt Disney gearbeitet. 1942 aber bewarb er sich als Comic-Zeichner. Damals etablierte sich gerade der Markt für eigenständige Comichefte. Donalds Abenteuer waren bis dahin vor allem in Zeitungen erschienen. Barks‘ Qualitäten wurden erkannt. Nun hatte er 24 Jahre lang weitgehend freie Hand. Er erfand viele Figuren, die heute selbstverständlich für Entenhausen sind, von Dagobert Duck, der reichsten Ente der Welt, bis zum Erfinder Daniel Düsentrieb. Er erfand auch das Format der längeren Abenteuer, bei denen Donald zum Beispiel ins alte Persien oder in die Anden reisten. Er informierte sich genau in Heften von National Geographic und der Encyclopedia Britannica. In der Dortmunder Ausstellung sieht man einige Hefte. Man hat Originalblätter in Tusche, zum Beispiel eine Seite aus der mitreißenden Geschichte, in der Donald sich ausnahmsweise mal erfolgreich betätigt: als Kosmetiker in einem Schönheitssalon. Dazu gibt es einige mit Bleistift skizzierte Geschichten des Fähnleins Fieselschweif. Die Pfadfindertruppe von Donalds Neffen Tick, Trick und Track waren so beliebt, dass sie eigene Abenteuer bekamen. Barks war zu dem Zeitpunkt aber schon Rentner und skizzierte die Geschichten nur, ausgeführt wurden sie von anderen Zeichnern. Die Amerikaner Kay Wright und Larry Mayer erreichen aber in ihrer Version aus den 1980er Jahren nicht die Dynamik und Ausdrucksstärke von Barks. Das gelang erst dem Holländer Daan Jippes, der 2008 die Geschichten noch einmal zeichnete.

Das ist der zweite Schwerpunkt der Schau. Barks ist zwar der König von Entenhausen. Aber es gibt durchaus einige weitere grandiose Künstler, die sich der Ente widmeten, wie der Holländer Daan Jippes, der Italiener Romano Scarpa, der Chilene Vicar sowie die Amerikaner William Van Horn und Don Rosa. Letzterer war nicht der beste Zeichner, aber er schuf zahlreiche Geschichten, in denen er die Lücken im Leben der Enten füllte, zum Beispiel lüftete er das Geheimnis, wie Dagobert Duck zu seinem sagenhaften Reichtum kam. Die Schau bietet zum Beispiel die Gelegenheit, ein Blatt aus der wilden Geschichte „Zorngiebels Rache“ von Van Horn als Bleistiftentwurf, als ausgeführtes schwarz-weißes Tuschblatt und als gedruckt im Comicheft zu vergleichen. Wunderbar das dynamische Bild der Schneelawine, mit der Donald und sein missgünstiger Nachbar auf der Suche nach einem Weihnachtsbaum einen bewaldeten Abhang verwüsten.

Romano Scarpa begann 1953, Donald-Comics zu zeichnen. In Italien gab es schon seit den 1930er Jahren Disney-Comics, und parallel zu den US-Geschichten wurde hier ein eigenständige Stil entwickelt. Die Werke Scarpas sind in Deutschland gut bekannt, erschienen sie doch in den „Lustigen Taschenbüchern“. Gleich im ersten Band 1967 erschien die von ihm gezeichnete Geschichte „Der Kolumbusfalter“.

Man kann im neuen schauraum tief eintauchen in eine Bildwelt, die tief ins kollektive Gedächtnis eingeprägt ist.

Bis 21.9., di – so 10 – 17, do bis 20, sa 12 – 17 Uhr,

Tel. 0231/ 50 25 522

www.mkk.dortmund.de

Katalog 15 Euro

Quelle: wa.de

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