„Don Giovanni“ ist Stadtoper in Soest

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Don Giovanni (Geord Gädker) versucht Donna Anna (Sarah Längle) zu verführen.

Soest - Wenn die Solisten vorne im stimmschönen Quartett singen „Traue dem glatten Heuchler nicht“, vergessen die Zuschauer, dass es hinten durch die Plane zieht. Und wenn auf der improvisierten Bühne wonnevoll die Nebel wallen, vermisst niemand Logen und Polstersitze.

Im sozio-kulturellen Bürgerzentrum, dem früheren Schlachthof, führen Profis und Laien die „Oper aller Opern“ auf – Mozarts „Don Giovanni“ als fünfte „Soester Stadtoper“ in zehn Jahren.

Friedrich von Mansberg kennt sich aus mit der ambitionierten Reihe. Der Theatermann aus Lüneburg ist zum vierten Mal dabei. Zuerst sang er als Tenor zweimal Hauptrollen – 2005 den Tamino in der Mozarts „Zauberflöte“, 2010 den Gabriel von Eisenstein in Strauß’ „Die Fledermaus“ –, jetzt führt er zum zweiten Mal nach „Cosi fan tutte“ (2013) Regie.

Seine Inszenierung verzichtet auf spektakuläre Ideen oder kühne Interpretationen. Auf dem engen Raum müssen vier wandlungsfähige Spiegel als Kulisse reichen.

Von Mansberg stellt Musik und Profi-Solisten in den Mittelpunkt, wandelt nur das mystifizierende Ende des Werks auf plausible Weise ab.

Der hünenhafte Bariton Georg Gädker beherrscht als Lebemann und Lüstling Don Giovanni buchstäblich die Szene, findet aber im Profi-Ensemble mit Cornelia Fisch (Donna Elvira), Sarah Längle (Donna Anna), der temperamentvollen Pamela Heuvelmasn (Zerlina), Philipp Ott (Don Ottavio) und Gonzalo Simonetti (Leporello) durchaus adäquate Entsprechung.

Michael Busch, Initiator und musikalischer Leiter der Stadtopern-Reihe, hat die 300-seitige Partitur auf handliches Kammermusik-Format gebracht. Das zehnköpfige Ensemble aus Musikschul-Dozenten und ihren Freunden klingt nicht so opulent wie ein Opernorchester, bringt aber alle changierenden Stimmungen zum Klingen. Der Soester Don Giovanni wäre keine Stadtoper, wirkten nicht wieder viele Soester mit: als Chorsänger, Statisten, Kulissenschieber, hinter der Bühne als Helfer und vor der Aufführung in Kunst- und Philosophie-Projekten. Nur zu schneidern brauchten die Soester diesmal nicht selber: Die Kostüme sind aus Lüneburg geliehen.

Begeisterung für die Sache, originelle Ideen und bürgerschaftliches Engagement überwinden seit der ersten Produktion – „Die Zauberflöte“ in der Thomäkirche – Hürden, stopfen finanzielle Löcher und machen das Prinzip Stadtoper aus. Öffentliche Gelder gibt’s nämlich kaum. Wer Mozarts Musik mag und den Reiz von Off-Produktionen zu schätzen weiß, ist bei Don Giovanni im Soester „Schlachthof“ richtig.

heute und Freitag, jeweils um 19.30 Uhr; Sonntag, 21. Juni, um 17 Uhr. Eine halbe Stunde zuvor beginnt ein Einführungsvortrag von Francis Fisch; Karten-Telefon 02921/31101

Quelle: wa.de

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