„Die Garmisch-Cops“ im ZDF-Vorabendprogramm

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Anton (Thomas Unger) und Claudia Woelk (Franziska Schlattner) haben sich auf ein Glas Saft verabredet. Szene aus „Die Garmisch-Cops“. ▪

Von Elisabeth Elling ▪ Den Stau verursacht eine Kuhherde auf dem Weg von der Alm in den Stall. Auch Zug- und Alpspitz prangen immer wieder vorm weißblauen Himmel. Das ist es aber auch in etwa mit den Bayern-Klischees. „Die Garmisch-Cops“ schlagen einen anderen Ton an als die Kollegen aus Rosenheim, sind weniger krachledern und kauzig. Dabei hat das ZDF die neuen Vorabendkrimis vom Erfolgsformat der „Rosenheim-Cops“ abgenabelt.

Schon die Titelmusik (von Django 3000) sorgt mit lässigen Balkan-Beats statt Blasmusi für etwas andere Folklore. Die Fälle sind hingegen regionaltypisch. In der Auftaktfolge „Finks letzter Flug“ stürzt der Cheftrainer der Garmischer Skispringer ab. Seine Bretter waren manipuliert. Verdächtig sind bald der Liftbetreiber Josef Schnarrer (Martin Feifel), dem der Tote Land zu Wucherpreisen verpachtet hatte, und Co-Trainer Felix Zirberl (Francis Fulton-Smith), der jetzt endlich selbst Cheftrainer werden kann.

Nikolaus Schmidt (Drehbuch) und Holger Gimpelder (Regie) entwickeln die Figurenkonstellation mit bemerkenswerter Beiläufigkeit, ohne Pointen zu dreschen. Im Mittelpunkt stehen Staatsanwältin Claudia Wölk (Franziska Schlattner) und ihr Noch-Gatte, Kriminalhauptkommissar Anton (Thomas Unger). Man hat sich einvernehmlich getrennt, wohnt und arbeitet aber gemeinsam. Robert Bähr (Jan Dose), der neue Kriminalkommissar, ist nicht aus der Gegend und findet noch keinen Anschluss. Dass der Kriminaltechniker (Tim Wilde) sich für den klügsten Kopf hält, wird nicht zum Running Gag aufgeblasen, sondern bloß angetippt. Wichtig macht sich Oberstaatsanwalt Dr. Wetzel (Holger Daemgen): „Ich will über jeden Schritt informiert werden.“ Wie er im Biergarten einen Latte Macchiato bestellt, ist die beste unter den vielen untertriebenen Pointen.

Damit hebt sich die ZDF-Produktion wohltuend von all den Schmunzelkrimis ab, die die ARD seit Monaten gleich im halben Dutzend ins Programm drückt. Während im Ersten bereits die Serientitel („Alles Klara“, „Morden im Norden“) ihre Witzigkeit aufdrängen, lassen es „Die Garmisch-Cops“ entspannt angehen. Wer will, kann sich über die Hauptverdächtigen mokieren, die Feifel und Fulton-Smith ohne großes Aufhebens beisteuern: Feifel grantelt im Walkjanker auf seinem Berghof. Und Fulton-Smith bürstet seine üblichen Schwiegersohn-Rollen („Familie Dr. Kleist“) gegen den Strich: Er gibt mit Seitenscheitel und im blau-weißem Polyester-Blouson einen Schleimer mit gespreiztem Münchner Dialekt.

Dabei werden die Erwartungen an familientaugliche Vorabendware zuverlässig erfüllt: keine Gewalt, keine bösen Worte, kein Alkohol – dafür aufschlussreiche Entdeckungen, Sticheleien unter Kollegen und Apfelsaft.

„Die Garmisch Cops“ gehören zur Reform des ZDF-Vorabends, den ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler vornimmt. Er will für die Werbepausen, die das ZDF bis 20 Uhr machen darf, jüngere Zuschauer finden. Wie die ARD setzt er auf Krimis. Neben den zwei „Cops“-Reihen gibt es „Soko“-Teams mittlerweile in München, Stuttgart, Wismar, Köln, Wien und Kitzbühel. „Landarzt“ und „Forsthaus Falkenau“ laufen hingegen nach je rund 25 Jahren aus. Die neuen Heimatserien sind weniger betulich: Das gilt für „Die Garmisch Cops“ ebenso wie für „Schafkopf“ (ab 23. November im ZDF): Hier spielt Sandra Koch eine Anwältin, die Kriminalfälle löst.

ZDF, 19.25 Uhr

Das Vorbild

„Die Rosenheim-Cops“ (dienstags) laufen seit 2002 im ZDF. Im November steht die 250. Folge an. Eine Nachricht der Sekretärin – „Es gabat a Leich!“ – leitet meist den neuen Fall ein. An der Seite von Korbinian Hofer (Joseph Hannesschläger) ermittelt ein Kollege aus der Großstadt, der in den Chiemgau zwangsversetzt wurde. Die Folgen haben im Schnitt über vier Millionen Zuschauer (Marktanteil rund 15 Prozent).

Quelle: wa.de

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