Deutsche Impressionisten im Wallraf Richartz Museum

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Fast nur noch Farbe: Max Liebermanns „Blumenstauden am Gärtnerhäuschen“ (1927). ▪

Von Ralf Stiftel ▪ KÖLN–Ein ganzes Blumenbeet malte sich Max Liebermann zum 80. Geburtstag. In fetter Farbe mischte er blau und weiß, um den lichten Ton der üppig blühenden Stauden zu treffen. Aus der Nähe sieht man nur die beschwingten Pinselstriche des Meisters, gelöst und frei. Der Distanzblick verrät erst das Thema dieses Bildes. Es hängt im Kölner Wallraf Richartz Museum, ein Glanzstück der opulenten Sommerschau „Liebermann, Corinth, Slevogt – die Landschaften“.

Das Institut erkundet die Landschaftsmalerei des deutschen Impressionismus anhand seiner prominentesten Vertreter. Diese Kunstrichtung hat Hochkonjunktur, schloss doch Ende Februar erst die große Übersichtsschau zum deutschen Impressionismus in der Kunsthalle Bielefeld – ein Erfolg bei Kritik und bei Besuchern, mehr als 50 000 kamen. Das Wallraf Richartz Museum arbeitet mit dem Museum of Fine Arts in Houston zusammen, das die Schau im Anschluss übernimmt. Das Haus konzentriert sich auf Max Liebermann (1847–1935), Lovis Corinth (1858–1925) und Max Slevogt (1868–1932), und engt seine Auswahl auf die Landschaften ein. Die Kuratoren Götz Czymmek und Helga Kessler Aurisch finden, dass die Künstler hier, „frei von Aufträgen und Sachzwängen“, ihre Kreativität am freiesten entfalten konnten. Die Landschaft markiert zudem einen Gegenpunkt zur Historienmalerei, die in der akademischen Rangordnung der Zeit am höchsten stand. Vielleicht hat man hier wirklich die Essenz des deutschen Impressionismus. Die Ausstellungsmacher können sich auf eine Äußerung Liebermanns stützen: „An der Landschaft sieht man, was ein Maler als Künstler wert ist. Landschaftsmalerei ist die schwerste Kunst.“ Unter den rund 90 Gemälden sind allerdings auch Genreszenen aus dem Biergarten, Corinths Porträt seines Kollegen Leistikow, Slevogts Szenen vom Trabrennen. Das Haus nimmt es nicht ganz so streng, was dem Sehgenuss allerdings keinen Abbruch tut.

Zumindest merkt man den Bildern an, dass sie in gelöster Stimmung entstanden. Liebermann „lernte“ den Impressionismus nicht in Paris, der Hauptstadt der Bewegung. Er lehnte einige ihrer Hauptthesen ab: „Wissen Sie, das mit den zerlegten Farben, das ist alles Unsinn. Ich habe es jetzt wieder gesehen, die Natur ist einfach und grau.“ Die frühesten Bilder in der Schau entstanden in Holland und zeugen deutlich von der Inspiration durch die Meister des Goldenen Zeitalters. Wie er den „Stevenstift in Leiden“ (1889) malt, das atmet den Geist Vermeers. Aber den gepflasterten Weg, den behandelt er ganz als malerische Fläche, ohne sich um Detailgenauigkeit zu scheren, sucht er Lichtwirkung in einem mit vielen eingelagerten Tönen aufgehellten Grau.

Natürlich erfreut man sich an seinen Strandbildern aus Scheveningen, genießt die Frische des Blicks auf die Dünen von Noordwijk (1908) und bewundert die Radikalität der späten Arbeiten aus dem Wannseegarten, die wie im eingangs erwähnten Werk sich einer freien Abstraktion nähern. Und doch bleibt er Nachzügler, der sich ans 19. Jahrhundert klammert, während gleichzeitig die Avantgarden mit Expressionismus, Kubismus und schwarzem Quadrat voranschreiten. Es ist ein Verdienst dieser Schau (wie auch der vorangegangenen in Bielefeld), zu zeigen, welche Qualität diese späten Bilder trotzdem haben.

Man ahnt es vor Corinths Bild „Waldinneres bei Bernried“ (1892), in dem der Künstler sein Motiv bis an den Rand der Unlesbarkeit auflöst, ein Wirrwarr aus dunklen Grün- und Brauntönen, überzogen mit einem Muster heller Lichtflecken. Dieser impulsive Charakter findet in den letzten Lebensjahren am Walchensee zu einer strahlenden Farbigkeit.

Slevogt überrascht mit den Bildern einer Orientreise, die er am Vorabend des 1. Weltkriegs unternahm. Die Weite der Libyschen Wüste zeigt er als vibrierenden gelben Keil zwischen blauem Himmel und braunem Vordergrund, nur gemildert durch ein liegendes Kamel als Staffagefigur (1914). Die Landschaft seiner rheinpfälzischen Heimat wird ihm zum Refugium nach traumatischen Erfahrungen an der Front, an die er sich freiwillig gemeldet hatte. Blühende Bäume, weitläufige Weinberge, ein hoher Himmel kennzeichnen die Idyllen, die er schuf. Überraschungen sind dabei nicht ausgeschlossen, wie beim „Blick von Neukastel, Spätherbst mit Schnee“ (1923), in dem er die dünne Schneedecke mit kreidigen Strichen setzt und eine herbe Stimmung erzielt.

Liebermann, Corinth, Slevogt - die Landschaften im Wallraf Richartz Museum Köln. Bis 1.8., di – fr 10 – 18, do bis 22, sa, so 11 – 18 Uhr.

Tel. 0221/ 221 211 19

http://www.wallraf.museum.de

Katalog, Arnoldsche Art Publishers, Stuttgart, 29 Euro

Quelle: wa.de

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