„Der Name der Rose“ am Landestheater Castrop-Rauxel

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Spurensuche: William (Burghard Braun, rechts) und Adson (Björn Klein) in Castrop-Rauxel. ▪

Von Tim Griese ▪ CASTROP-RAUXEL–Wieder hat William von Baskerville (Burghard Braun) ein Puzzlestück zur Lösung der geheimnisvollen Mordfälle durch hartnäckiges Fragen zusammengetragen und schon winkt er den Novizen Adson, seinen Begleiter, zu sich her, um ihn an seinen Überlegungen teihaben zu lassen. Mit nachdenklicher Miene kratzt er sich am Kinn, gestikuliert dann wild mit den Armen und geht auf und ab. William gefällt sich darin, den Verbrechen in allen Einzelheiten auf die Spur zu kommen. Er ist ein Enthusiast.

Regisseur Reinhardt Friese legt bei der Premiere der Bühnenversion von Umberto Ecos „Der Name der Rose“ in Castrop-Rauxel die Figur des William immer wieder auf diese Gesten fest. Der Mönch wird am Westfälischen Landestheater ein hibbeliger und bisweilen aufgedrehter Detektiv – ganz anders als Sean Connery im Bernd-Eichinger-Film.

Dabei hat sich Friese bei der Inszenierung offensichtlich von der Filmadaption des historischen Kriminalromans inspirieren lassen, in dem ein Franziskaner die Morde an Mönchen in einer Abtei klären soll, und überträgt seine geisterhafte und unwirtliche Stimmung auf die karge Bühne. Nebelschwaden ziehen durch die Kulisse und erzeugen eine beklemmende Kälte. Nur fade Lichter erhellen die Szenerie. Vieles spielt sich im Dunkel ab, genauso wie die Hintergründe der grausigen Zwischenfälle lange Zeit verborgen bleiben. Ein fester Magen ist dennoch von Vorteil: Explizit wird es, wenn der von Schweineblut durchtränkte Leichnam des Venantius auf die Bühne gezogen wird, oder wenn der Bibliothekar Malachias vergiftet und weißen Schleim in einer hohen Fontäne speiend in die Szene torkelt.

So überzeugend wie die Ausstattung ist auch das Ensemble. Als Novize Adson von Melk macht Björn Klein eine sehr gute Figur und stellt seinen Charakter als naiven und ungefestigten Jüngling dar, der viele Zweifel hat. Klein und Braun erscheinen im Zusammenspiel immer wieder als mittelalterliche Versionen des britischen Detektivduos Holmes und Watson, die auch mal für einige Lacher gut sind.

Gar nicht zum Schmunzeln ist Bernado Gui (Igor Schwab). Arrogant und überheblich will der Inquisitor das Rätsel um die Morde auf seine Art lösen. Am wenigsten aber will der Zuschauer etwas mit Bruder Jorge (Vesna Buljevic) zu tun haben. Wie ein Gespenst taucht er immer wieder auf, schleppt sich mit totenbleichem Gesicht über die Bühne und kündet mit zittriger Stimme von der Apokalypse, die schon bald über die Welt hereinbrechen soll.

„Der Name der Rose“ ist spannend und hält dieses Niveau während der rund zweistündigen Spieldauer. Die geheimnisvolle und schauderhafte Stimmung, die über der Abtei liegt, wird mit einfachen Mitteln umgesetzt, unterstützt von unheilvoller Musik und den von Tankred Schleinstock einstudierten Chören. Frieses Inszenierung will unterhalten und eine dunkle Kriminalgeschichte erzählen. Und das gelingt.

15. 10. Stadttheater Herford, 21. 10. Kurhaus Hamm, 28. 10. Theater Hagen

Quelle: wa.de

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