Depeche Mode mit Dave Gahan in Düsseldorf

DÜSSELDORF ▪ Die wichtigste Nachricht überbrachte Martin Gore. „Das Feuer brennt noch immer“, heißt es in „Insight“, einer von drei Liedern, die der Haupttexter von Depeche Mode in der ausverkauften Esprit-Arena in Düsseldorf am Freitag nur in Begleitung von Keyboarder Andrew Fletcher singt. Von Frank Zöllner

Es lässt die Fans hoffen auf eine Wiederkehr – irgendwann – in einem häufig umjubelten Auftritt. Mit den zwei Konzerten am Freitag und Samstag beendeten die Synthie-Pop-Band ihre „Tour Of The Universe“ um die ganze Welt. Es ist ein würdiger Abschluss vor 100 000 Fans.

Depeche Mode wollten im Sommer 2009 bereits in Düsseldorf auftreten, doch durch die Krebsdiagnose bei Sänger Dave Gahan mussten diese Auftritte neben vielen anderen verschoben werden. Dem 47-Jährigen ist durchaus anzumerken, dass er gesundheitlich angeschlagen ist. Seine Stimme ist längst nicht so kraftvoll wie etwa 2006 an gleicher Stelle und die Bewegungen fallen deutlich reduzierter aus. Den Weg zum Publikum über den Bühnensteg sucht Gahan nur selten, und auch die Pausen zwischen den Liedern, in denen es um Spiritualität, Sehnsucht und Sünde geht, fallen länger aus.

Das zweistündige Konzert beginnt, nachdem die Fans ihre Vorfreude mit La-Ola-Wellen durch das Stadion ausdrückten, mit „In Chains“ und dem düsteren „Wrong“, zwei kraftvollen, elektronisch geprägten Liedern des aktuellen Albums. Dann wird es aber wieder schnell zu einem Best-Of-Set, den Depeche Mode nun seit Jahren mit leicht veränderten Inhalten vortragen. Die erneut vom Weggefährten Anton Corbijn entworfene Bühnenshow beinhaltet zwar auch symbolhafte Bilder wie etwa von schnell alternden Menschen, wirkt aber nicht überladen. Es dominieren Schattenspiele der Musiker, Blicke in ihre Gesichter, und später kommt es bei „Policy Of Truth“ zu einem wie bei den Flaming Lips abgeschauten Kindergeburtstag mit von der Decke fallenden Luftballons.

Martin Gore hält sich meist zurück. Seine Spur Exzentrik lebt er zu Beginn mit einem silbernen Jackett und sternenförmiger Gitarre aus. Später wird er bei „Home“ nur von Andrew Flechter am Keyboard begeleitet, der wie immer im selbstgewählten Hintergrund bleibt. Dann schwingt sich Gore zum Dirigent der Massen auf und variiert mit Handzeichen die Tonlagen. Das euphorische Publikum singt mit. Auf den Tribünen hält es nicht viele auf ihren Sitzen.

Die Depeche Mode-Fans sind ein Phänomen. Sie pilgern zu den Konzerten um so viele Aufritte wie möglich zu sehen. Zu „Never Let Me Down Again“ verwandeln sie das Stadion in ein wogendes Meer aus schnell hin und her schnellenden Händen – ein fantastisches Bild.

Mit „I Feel You“ schlägt die Band eine härtere Gangart an und verstärkt sich durch einen Drummer und einen weiteren Keyboarder. „Enjoy The Silence“ wird in einer erstaunlichen und gut funktionierenden Trance-Version überführt. Nach Gores Solo „Dresses In Black“ steht zum Finale wieder Gahan im Mittelpunkt. „Personal Jesus“ startet schleppend und steigert sich dann immer weiter. Gahan steht nun mit ausgebreiteten Armen am Bühnenrand, er gibt den Messias der Massen. Das macht er nun schon seit fast 30 Jahren, inklusive Drogensucht, Bandkonflikte und Emanzipation. Und eine Frage nach seiner schweren Krankheit lautet: Für wie lange noch?

Quelle: wa.de

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