David Jablonowskis „Blue Greens“ in Münster

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Die Pflanzen schauen zu: Blick auf David Jablonowskis „Blue Greens“ im Botanischen Garten Münster. ▪

Von Marion Gay ▪ MÜNSTER–Weiße Aluminiumschienen schweben über der scheinbar urwüchsigen Landschaft. Wie Autobahnbrücken lassen sie die darunterliegende Natur unberührt, nehmen vermeintlich Rücksicht auf Pflanzen und Tiere. Die architektonische Installation „Volume I–III“ (2012) ist eine von fünf Arbeiten des in Amsterdam lebenden Künstlers David Jablonowski, die der Westfälische Kunstverein Münster im Botanischen Garten präsentiert, inmitten von Beeten, unter Bäumen und in Gewächshäusern.

Der Ausstellungstitel „Blue Greens“ bezieht sich auf einen Begriff aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum, der Interessengruppen bezeichnet, die ökologische Fragen aus unternehmerischer Perspektive betrachten. Gleichzeitig möchte der 1982 in Bochum geborene Künstler mit dem Titel auf den Ursprung Botanischer Gärten verweisen, die seit dem 15. Jahrhundert der wissenschaftlichen Erforschung der Pflanzenwelt dienen und somit eine Art Vorläufer eines nutzenorientiertem Naturverständnisses sind. Jablonowski entlarvt in seinen Arbeiten unter anderem die Strukturen ökologischer Rhetorik. So in den Videoinstallationen, die im dichten Gewirr tropischer Pflanzen kaum zu sehen sind. Der Sound allerdings hämmert sich ein: Optimismus verbreitende Musik, die aus dem Besucherzentrum der Detroiter Fordwerke stammt. Lugt man zwischen den Blättern hindurch, entdeckt man die Bildschirme. Der neunminütige Animationsloop „Put your money to work“ (2011) stammt aus den 60ern, das Material fand Jablonowski im Internet. Mit einfachen, naiv wirkenden Schaubildern soll erklärt werden, wie man erfolgreich Investitionen tätigt. Das bekommt etwas sehr Beklemmendes, stellt man sich dazu die Bilder der heutigen Industriebrachen in Detroit vor.

Ähnlich absurd vermitteln die drei Werbefilme im Viktoriahaus unerschütterlichen Fortschrittsglauben. Eine Autowerbung zeigt in der Wüste fahrende, Treibstoff verschwendende Geländewagen. Andere Filme dokumentieren vermeintlich umweltfreundliche Fertigungsprozesse. Werbestimmen erzählen von Ressourcenschonung durch erneuerbare Energien und Biosprit. Die Flachbildschirme sind in eine Installation aus Aluminiumleisten und Gipsformen eingebunden, die an moderne Produktionsstätten erinnern.

Bizarr wirkt auch die skulpturale Installation „Volumes – Hard Copy“ (2012). Sie besteht aus Aluminiumleisten und drei großen, Sarkophag-ähnlichen Styroporkuben. Auf der ökologisch wertvollen Mähwiese platziert, gaukeln die Objekte Bedeutsamkeit vor. Sie erinnern an historische Grabfelder und stören in ihrer dominanten Industriematerialität den Blick auf die Natur.

Bis 18.11.; Botanischer Garten, tägl. 10-16 Uhr;

Tel. 0251/46157; www. westfaelischer -kunstverein.de

Katalog in Vorbereitung

Quelle: wa.de

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