Kleine Pink-Floyd-Show mit David Gilmour in Oberhausen

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Die eleganten Soli beherrscht er noch perfekt: Gitarrist David Gilmour in Oberhausen.

OBERHAUSEN - Morgens um fünf ist die Welt noch in Ordnung. Jedenfalls für David Gilmour. „5 A. M.“ heißt das erste Stück seines neuen Albums „Rattle that Lock“, das er – einen Tag nach der Veröffentlichung – mit einem Konzert in Oberhausen vorgestellt hat.

Vögel zwitschern da vom Band, blauer Nebel wabert über die Bühne, Gilmour streicht ebenso elegant wie entspannt über die Saiten. Das klingt – wenig verwunderlich – sehr nach Pink Floyd.

Und deshalb sind die 10.000 Besucher ja auch in die Oberhausener Arena gekommen, zum bundesweit einzigen Auftritt des mittlerweile 69-jährigen Gitarristen. Gilmour hat mit Pink Floyd Millionen Alben verkauft, sporadisch Solowerke veröffentlicht und kann sich inzwischen aussuchen, wo er spielen will. Bei der aktuellen Europa-Tournee sind das antike Theater im Mittelmeerraum und Londons ehrwürdige Royal Albert Hall. Die Multifunktionsarena im Ruhrgebiet fällt da etwas aus dem Rahmen.

Der Stimmung tut das keinen Abbruch. Gilmour zeigt sich auf der Bühne gut gelaunt, tänzelt sogar ein wenig hin und her und verspricht neue und natürlich auch ältere, „bekanntere“ Stücke zu spielen. „Wish You Were Here“, einer der größten Pink-Floyd-Hit, kommt schon nach einer Viertelstunde, zumindest damit hat er die Fans überrascht. Der weitere Ablauf des Abends ist dagegen vorhersehbar. Gilmour und seine achtköpfige Band verbreiten Nostalgie, wenn sie vertraute Melodien aus den Über-Alben „The Dark Side of the Moon“, „Wish You Were Here“ und „The Wall“ anstimmen. Das Publikum jubelt.

Für Gilmours Solowerke gibt es wohlwollenden Applaus – dazu gehören auch die Auszüge aus dem Pink-Floyd-Spätwerk, die der Gitarrist in die Show eingebaut hat. Über der Bühne hängt ein kreisrunder Schirm, auf dem zu Songs wie „High Hopes“ die Videos zu sehen sind, die schon bei den letzten Pink-Floyd-Shows 1994 abgespielt wurden. Die neuen Werken werden von hübschen Animationsfilmen begleitet; musikalisch geht es dabei eher unspektakulär zu, vielleicht abgesehen von den Bar-Jazz-Klängen in „The Girl in the Yellow Dress“.

Neue Töne sind Gilmours Sache nicht. Der ungewöhnlichste Einfluss von außen für das neue Album war, wenn man ihm glauben darf, ein Jingle, das die Bahnhofsansagen der französischen Staatsbahn einleitet. In seinem musikalischen Paralleluniversum lebt Gilmour sehr komfortabel. Denn sein Markenzeichen, die unvergleichlich eleganten Soli, beherrscht er immer noch perfekt. Als nach mehr als zweieinhalb Stunden Konzert „Comfortably Numb“ ausklingt und das Licht im Saal angeht, ist die Welt des David Gilmour immer noch in Ordnung.

Quelle: wa.de

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