David Bowie im Martin Gropius Bau Berlin

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David Bowie trägt den gestreiften Anzug für die Aladdin Sane Tour, 1973. Entworfen von Kansai Yamamoto. Fotografiert von Masayoshi Sukita, zu sehen in Berlin.

Von Jörn Funke -  BERLIN Hauptstraße 155, Berlin-Schöneberg. Ein großes, graues Mietshaus aus der Kaiserzeit, im Erdgeschoss gibt es eine Fahrschule und ein Tatoo-Studio, darüber eine Zahnarztpraxis. Die Haustürschlüssel des unscheinbaren Baus hängen ein paar Kilometer weiter nördlich, hinter Glas im Martin-Gropius-Bau.

Dort wird David Bowie eine opulente Ausstellung gewidmet – nicht zuletzt, weil der Popstar entscheidende Jahre in Berlin verbrachte, in jenem unscheinbaren Haus in Schöneberg.

„David Bowie Is“ lautet der Originaltitel der Ausstellung, die 2013 für das Victoria & Albert Museum in London konzipiert wurde. Und David Bowie ist tatsächlich einiges. Der Brite gilt mit Millionen verkaufter Alben als einer der erfolg- und einflussreichsten Pop- und Rockmusiker überhaupt. Bowie erkannte als einer der ersten die Bedeutung des Visuellen für die Popmusik. Immer wieder nahm er Trends auf und erschloss sie für den Massengeschmack, und nie ließ er sich auf einen Stil festlegen.

Die Ausstellung begegnet Bowie mit unverhohlener Bewunderung. Der Lebensweg des David Robert Jones, der sich 1966 den Künstlernamen David Bowie gab, wird mit zahlreichen Memorabilia nachgezeichnet. Das Spektrum reicht vom Straßenschild des Londoner Elternhauses bis zum Briefwechsel mit Marlene Dietrich, die nie Zeit für ein Treffen mit ihrem Bewunderer Bowie hatte. Natürlich gibt es jede Menge Schallplatten-Cover, Konzertplakate, Musikinstrumente und Bühnenkostüme. Dazu kommen kleine Ergänzungen, wie Spielzeugraumschiffe aus der Mondlandungsepoche – Bowie hatten seinen Durchbruch 1969 mit „Space Oddity“.

Multimedial ist die Schau auf neuestem Stand: Bewegte Bilder laufen über zahlreiche Schirme, Fernsehauftritte, Interviews, Konzertmitschnitte und Musikvideos sind zu sehen. Der passende Ton wird automatisch auf den Kopfhörer übertragen. Doch dominierendes Element der Berliner Schau sind die Kostüme, die Bowie in Videos und auf der Bühne trug. Schrill und bunt geht es da zu; gerade in den frühen 1970er Jahren war der exzentrische Auftritt Bowies Markenzeichen. Der Japaner Kansai Yamamoto versorgte Bowie mit den entsprechenden Outfits – wie einem Anzug im Schallplatten-Design aus Vinyl.

Seine Kunstfigur Ziggy Stardust, ein außerirdischer Rockmusiker, war in feminin anmutende Roben gewandet. Make-up und hohe Absätze taten ein Übriges, um Geschlechterrollen durcheinanderzubringen und ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit zu bekommen. Es funktionierte: So etwas Seltsames wolle man sich doch mal ansehen, sagen in einem Video-Einspieler einige britische Seniorinnen vor dem Besuch eines frühen Bowie-Konzerts.

Bowies Kunstinteresse und Zitierfreude zeigt vor allem der Berlin-Teil der Ausstellung. Von 1976 bis 1978 zog der Künstler sich in die geteilte Stadt zurück, um dort ein etwas ruhigeres Leben zu führen – dass er sich die großzügige Schöneberger Altbauwohnung mit Punkrocker Iggy Pop teilte, mutet da paradox an. Bowie gelangen in seiner Berliner Phase mit „Low“ und „Heroes“ seine beiden wohl wichtigtsten Alben, inspiriert von deutschem Avantgarde-Rock à la Kraftwerk. Und neu in Berlin: Die Ausstellung versucht das „einfache“ Leben des Popstars an der Spree nachzuzeichnen, mit Haustürschlüssel und S-Bahn-Netzplan.

Fasziniert vom Expressionismus besuchte Bowie damals das Brücke-Museum. „Roquairol“, ein Ölgemälde Erich Heckels (1917), wurde zur Inspiration für das Album-Cover von „Heroes“. Die Ausstellung erlaubt den Vergleich an Originalen. Gezeigt wird auch der Textentwurf des berühmtesten Bowie-Songs, eine Liebesgeschichte im Schatten der Mauer, notiert auf Millimeterpapier.

Doch lässt sich David Bowie mit so einer Schau wirklich ergründen? Oder: Passt eine Ausstellung zu einem Künstler, der sich immer avantgardistisch gab und den Blick nach vorne propagierte? Bowie hat nicht nur seine Tonbänder, sondern auch seine Kostüme sorgfältig aufgehoben. Für die Schau habe man zum ersten Mal Zugriff auf das David-Bowie-Archiv gehabt, heißt es bei den Ausstellungsmachern. Die opulente Inszenierung der eigenen Vergangenheit ist so gesehen typisch Bowie.

Die Schau

Opulente Show über ein Pop-Phänomen mit Berlin-Bezug.

David Bowie im Martin-Gropius-Bau Berlin.

Bis 10. August, geöffnet täglich 10-20 Uhr (Kassenschluss 18.30 Uhr), Katalog 34 Euro (Buchhandelsausgabe 49,90 Euro);

Telefon 030/48493151, www.davidbowie-berlin.de

Quelle: wa.de

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