Datenschützer beobachten Streaming-Dienst Spotify

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Musik „sozial“ erleben: Bei der Internet-Plattform Spotify soll‘s möglich sein – aber nur mit Facebook-Account. ▪

Die Online-Plattform Spotify will den deutschen Musikmarkt mit sozialem Musikstreaming erobern. Vorher muss allerdings eine Enigung mit der Gema erzielt werden. Datenschützer warnen sogar vor Spotify.

Über 16 Millionen Titel stehen bei Spotify zur Auswahl, die gestreamt, also direkt über das Internet abgespielt werden können. Die schwedische Online-Plattform liegt damit gleichauf mit dem deutschen Streaming-Dienst Simfy. Weitere Online-Plattformen wie Napster (15 Millionen) und Deezer (13 Millionen) haben weniger Titel im Angebot.

Zusätzlich zu zwei kostenpflichtigen Abo-Varianten mit diversen Extras bietet Spotify auch einen kostenlosen Zugang an. Ob die Gratis-Nutzung – wie in den anderen zwölf Ländern, in den Spotify auf dem Markt ist – in Deutschland nach einem halben Jahr mit einem monatliches Stundenlimit versehen wird, ist noch offen, sagt Axel Bringeus, Direktor für internationales Wachstum bei Spotify. Das kostenlose Abspielen von Musik ist bei Simfy nach zwei Monaten auf fünf Stunden pro Monat beschränkt.

Kritik am Facebook-Zwang

Allerdings: Wer Spotify nutzen will, muss über einen Facebook-Account verfügen oder sich in dem sozialen Netzwerk registrieren. Datenschützer kritisieren die Vorgabe, da Facebook sich nicht an Datenschutzrichtlinien halte. Daher riet der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix kürzlich von der Nutzung Spotifys ab. Konkurrent Simfy hat sein Angebot an die Datenschutzrichtlinien angepasst, auch ein Facebook-Zugang ist nicht nötig.

„Wir unterziehen die Geschäftsbedingungen von Spotify einer kritischen Prüfung“, sagt Anja-Maria Gardain. Darüber hinaus, so die Pressesprecherin von Peter Dix weiter, könnten bei Verstößen gegen das Bundesdatenschutzgesetz „Bußgelder gegen Online-Plattformen verhängt werden, solange diese ihren Sitz in Deutschland haben“.

Im Gegensatz zu Facebook mit Sitz im US-Bundesstaat Kalifornien könnte Spotify unter Umständen rechtlich belangt werden, denn das Unternehmen ist in Berlin ansässig. Die Kritik lässt die für Deutschland zuständigen Betreiber von Spotify kalt. „Wir nehmen diese Hinweise zur Kenntnis, aber wir können versichern, dass wir uns an den jeweiligen Vorgaben der Länder orientieren“, sagt Axel Bringeus.

Strategische Partnerschaft

Die Kooperation mit Facebook sei darüber hinaus wohlüberlegte Strategie. „Einer unserer Eckpfeiler ist der soziale Aspekt der Musik.“ Daher, so Bringeus, biete sich die Partnerschaft mit dem weltweißt größten und beliebtesten sozialen Netzwerk an, das im Januar 2012 knapp 845 Millionen Nutzer hatte. „Die Leute können in Echtzeit Musik teilen und gemeinsam erleben.“.

Auch die Musik-Industrie könne Bringeus zufolge von Streaming-Angeboten profitieren – in doppelter Hinsicht: Zum einen werde Internetpiraterie überflüssig, weil Nutzer jederzeit legal auf Musik zugreifen könnten. Zum anderen muss Spotify Abgaben an nationale Verwerter von Musikrechten abführen. Die Verhandlungen mit der Gema laufen, für den 26. März ist eine letzte Gesprächsrunde anberaumt.

Während sich Spotify zum Stand der Verhandlungen nicht äußern will, ließ Gema-Vorstandschef Harald Heker kürzlich verlauten, er sei „optimistisch, dass wir hier zusammenkommen“. Unter anderem gilt es noch, die Höhe des Tarifs für das Musik-Streaming pro abgespieltem Song zu regeln.

Seit dem Start von Spotify 2008 habe das Unternehmen der Musikindustrie rund 200 Millionen Euro an Lizenzgebühren überwiesen, erklärte Spotify-Gründer Daniel Ek unlängst.

Quelle: wa.de

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