Christian Brey inszeniert in Bochum das Monty-Python-Musical „Spamalot“

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Das Holzschwert Excalibur weist den Weg zum Gral: Szene aus „Spamalot“ in Bochum mit Ronny Miersch (Patsy, links) und Matthias Redlhammer (König Artus).

Bochum - Aus dem Fernseher auf der Bühne tönt die bekannte, etwas schellack-leierige Ouvertüre des Flying Circus. Der bebrillte Historiker im grauen Anzug zieht sorgsam einen Schuh aus, rollt die Socke ab, stakst einen Storchenschritt in den Apparat. Stille. Fehlt noch die Ansage: And now for something completely different.

Aber auch ohne das sind die Besucher im Schauspielhaus Bochum nun auf den Sinnfrei-Modus von Monty Python eingestimmt. Es kann losgehen mit der Saga von König Artus und seiner Tafelrunde, wie sie vorher niemand erzählt hat. „Spamalot“ ist das Musical, das die britische Komikertruppe um Eric Idle nach ihrem Film „Die Ritter der Kokosnuss“ schrieb. Einige Lieder kamen dazu, unter anderem der Klassiker „Always Look On The Bright Side Of Life“, der schon den gekreuzigten Titelhelden in „Das Leben des Brian“ aufmunterte. „Spamalot“ lief bislang international als kommerzielle Produktion, zum Beispiel im Kölner Musical Dome. Nun inszeniert in Bochum Christian Brey. Das Schauspielhaus hat nicht die Ressourcen einer Musicalbühne, aber aufwändig ist es schon, mit 24 Akteuren auf der Bühne, die sich gefühlt hunderte von Rollen teilen.

Diese Artus-Parodie lebte schon im Film von ihrem Trash-Charakter. Und den zelebriert man in Bochum kongenial. Wenn Matthias Redlhammer als Artus über die Bühne tänzelt, gefolgt von Ronny Miersch als seinem treuen Diener Patsy, der mit zwei Kokosschalen den Hufschlag des edlen Rosses zelebriert, wenn Artus noch Grundschritte der Dressur ausführt, Trab, Traversale, und Miersch den Takt präzise anpasst, ist man gleich im Stoff. Der anarcho-syndikalistische Landkommunarde Dennis (Dennis Herrmann) will gar nicht Artus’ Gefolgsmann werden. Dass die „Fee aus dem See“ dem König ein Schwert und eine Mission gab, leuchtet ihm nicht ein („Tussis ersetzen nicht das demokratische Wahlverfahren“). Aber irgendwie kriegt Artus seine Ritter doch zusammen, und der Wahnsinn mit maskierten Raubrittern, einem schwulen Prinzen, einem fliegenden Zauberer und einem Killerkaninchen kann seinen Lauf nehmen.

Ein wenig Verstärkung braucht ein Stadttheater, um die Nummer zu bewältigen. Zum Beispiel Kira Primke als stimmgewaltige Fee aus dem See, die in einer Silbe von Belcanto auf schwitzigen Soul umschalten kann, die auch an die veralberten Songparodien von „Spamalot“ alle Sorgfalt wendet, so dass sogar das selbstreferentielle „Lied, das kommen muss“ glamourös klingt. Und bei alledem setzt sie noch mit Gummimimik urkomische Akzente.

Und die acht Hupfdohlen, die so prachtvoll tanzen (Choreografie: Kati Farkas), den Chor geben und all die Nebenrollen ausfüllen, ohne die diese Bühne verdammt leer aussähe: Mönche, Finnen, Hoffräuleins, Wachleute. Und die acht Musiker, die unter Leitung von Tobias Cosler einen fetten orchestralen Sound hinkriegen. Und dann hilft auch noch der Ruheständler Harald Schmidt aus und leiht dem Herrgott seine süffisante Stimme.

Aber die Hauptlast tragen die Bochumer Schauspieler, die im Minutentakt Rollen wechseln, mal als blutrünstige Ritter über die Bühne stolzieren, dann als französische Wachmänner mit unnachahmlich blödem Akzent Schimpfkaskaden von den Pappzinnen einer uneinnehmbaren Burg feuern. Bis die Geheimwaffe kommt, an klafterlangem Tau auf die Bühne gezogen: der trojanische Hase. Die Ausstattung von Anette Hachmann erst mit Bäumen, Bauten, Felsen im billigen Papplook, liebevollst der Optik mittelalterlicher Chroniken abgeschaut!

All die Ritterei ist ja nur Vorwand für lustvollen Quatsch, und so lugt kurz Helene Fischer aus dem Burgfenster und Grönemeyers „Bochum“-Hymne klingt an. So geht rund um den wunderbar stoischen Redlhammer die Post ab mit einem schwulen Früchtchen-Ballett und einer Songeinlage von Michael Kamp, der das Klavier mit allen möglichen Körperteilen bedient, dem hinreißend schmachtenden schwulen Prinzen Daniel Stock. Und weil die Rechte an Lloyd-Webber-Songs zu teuer waren, treten die Katze, das Phantom und der Hippie nur pantomimisch auf, und den Gesang steuern die bestens aufgelegten Zuschauer bei. Bei dem Jubel: Erfolg garantiert!

20., 24.9., 3., 17., 21., 28.10., 12., 22.11., 4., 12., 22., 28.12., Tel. 0234/ 33 33 55 55, www.schauspielhausbochum.de

Quelle: wa.de

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