Ausverkaufte Westfalenhalle

Casper bietet denkwürdigen Abend in Dortmund

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Casper in der ausverkauften Dortmunder Westfalenhalle.

DORTMUND - Es war denkwürdig, was der Deutschrapper Casper am Samstag im Rahmen seiner „Hinterland"-Tour in der ausverkauften Dortmunder Westfalenhalle ablieferte.

Von Frank Zöllner

Wie junge Hunde warten Casper und seine sechsköpfige Begleitband darauf, endlich die Bühne zu betreten zu können. Im Licht tausender Smartphones ertönt dazu Coldplays Bombastsong "Fix You" aus den Lautsprechern. Den Pathos rettet der Deutsch-Rapper gleich beim Erscheinen auf die Bühne mit dem Opener "Im Ascheregen".

Was dann folgt, ist eine fast zweistündige Show, die nicht nur für den Shooting-Star aus Bielefeld mit den vielen Tattos und den fusseligen Bart herausragend wird.

Erstmals entert Casper die Bühne mitten im Set der Vorband Portugal. The Man. Zu Nirvanas "Smells Like Teen Spirit" wird viel Sekt versprüht - ein ironischer Hinweis darauf, dass es wohl größere Songs gibt, als die von der mit großer Reputation angereisten Independent-Band aus den Vereinigten Staaten (die Casper übrigens mit einem T-Shirt feiert und promoted).

Die Revanche folgt vor dem eigentlich pompös geplanten Zugabenteil, der wie gewohnt mit einem Abgang der Band zelebriert werden sollte. Plötzlich okkupieren die vier Musiker der Vorband auf zu den programmatischen Klängen von Beastie Boys "Sabotage" die Bühne, bauen einen Tisch mit Stühlen vorne auf der Bühne auf und trinken mit ihren Gastgebern Whiskey.

11.000 Fans darf Casper im Rahmen seiner "Hinterland"-Tour in der ausverkauften Dortmunder Westfalenhalle begrüßen. Und so wie die Wahl der Einheizmusik zwischen Coldplay und Kraftklub die Bandbreite auslotet, gibt es keine Grenzen zwischen den Genres. Breitwandiger Gitarrenrock trifft auf harten Rap, der am Anfang von Caspers seiner musikalischen Ausdrucksform stand.

Erstmals ist Casper, der mit den zwei Alben "XOXO" und "Hinterland" den Aufstieg in die erste Liga der deutschsprachigen Musiker schaffte, in einem so großen Rahmen zu sehen - und alle sind nur wegen des stets heiser klingenden Wortkünstlers da.

Casper live in Dortmund

Der 32-Jährige erzählt mit immer noch staunendem Gestus aus seiner Jugend: "Als ich mit 14, 15 Jahren da oben auf der Tribüne saß, habe ich mich gefragt, wie es wohl ist, da unten zu stehen". Etwa 90 Minuten später zum Ende des Konzertes hat er sich das selbst beantwortet: "Ich bin sehr überwältigt. Das ist einer der schönsten Abende meines Lebens", sagt Casper.

Es hört sich an wie die üblichen Attitüden von Musikern - doch es ist zu spüren, dass darin ein großer Kern an Wahrhaftigkeit steckt, etwa wenn er verlegen dasteht, als ihn die Menge plötzlich mit Sprechchören feiert.

Wahrhaftig, ungeschönt und ungefiltert sind auch die Songs des hyperaktiv umher tanzenden Rappers. Casper singt vom Elend des Alltags ("Blut sehen"), der viel zu kleinen ersten gemeinsamen Wohnung ("20 qm"), die sämtliche Träume erstickt, dem Scheitern an Erwartungen, aber auch von Dingen, für die es sich zu kämpfen lohnt.

So sind The Smiths genauso Bezugsgröße wie etwa Bruce Springsteen - nur hat Casper als Rapper andere Ausdrucksformen gefunden für die gleiche Themen seiner weltberühmten Vorbilder. Und auch seine musikalische Vorliebe für Kollaborationen schlendert durch die Stile.

So ertönt zum melancholischen "Lux Lisbon" die Stimme von Tom Smith von den Editors aus den Lautsprechen und bei "XOXO" arbeitete er mit Thees Uhlmann zusammen. Auch alle Hits wie "Hinterland", "Alles endet (aber nie die Musik)", "So Perfekt" und das mit Trompete unterstützte "Jambalaya" finden sich im Set, genau wie die rebellische Geste in "Der Druck steigt" zu Bildern von brennende Molotow-Cocktails auf den riesigen Leinwänden.

In der zweiten Zugabe feiert der Rapper Oasis als "gößte Band aller Zeiten" mit dem Coversong "Don't look back in anger". Er hoffe, dass dies nicht peinlich wird und deswegen sollten alle mitsingen. Das machten alle und peinlich war es wirklich nicht, sondern wurde eher zu einem unvergesslichen Gemeinschaftserlebnis.

Weiterer NRW-Termin: 3. April, Lanxess-Arena, Köln.

Die Setlist:

Im Ascheregen

Alles endet (aber nie die Musik)

Auf und davon

Casper! Bumaye

Ganz schön okay

20qm

Lux Lisbon

Blut sehen (Die Vergessenen Pt.2)

Nie genug Medley (Halbe Mille/Cas in Paris/Mittelfinger hoch)

XOXO

Ariel

Die letzte Gang der Stadt

Das Grizzly Lied

Lilablau

So Perfekt

Hinterland

Zugabe:

Der Druck steigt (Die Vergessenen Pt. 1)

Michael X

Endlich angekommen

Jambalaya

Don't Look Back in Anger

Quelle: wa.de

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