Bushido rappt in Hamm vor 700 Fans

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Bushido in der Hammer Alfred-Fischer-Halle. ▪

Von Carmen Möller-Sendler ▪ HAMM–Kein guter Tag für Bushido: Mittags schlossen seine Anwälte in Berlin einen Vergleich mit Big-Brother-Bewohnerin Ingrid Pavic, die er vor einem Jahr im Netz so derbe schikaniert hat, dass sie Schmerzensgeld verlangt. Abends dann der Tourauftakt – vor gerade mal 1000 Besuchern in Paderborn.

Einen Tag später, am Freitag, kann der 33-Jährige schon wieder Witze reißen: „Ich musste gestern 12 000 Euro für die Reinigung zahlen. Ich bin zwar älter, aber nicht klüger geworden“, verpackt er die Niederlage für die auch nur wieder rund 700 Fans in Hamm. Wobei das, was Bushido da veranstaltet mit seinen Kumpels Elmo und DJ Ramon weniger Konzert ist als vielmehr ein launiger, gechillter Abend unter Freunden, so ein Gang-Ding halt. Auch wenn die einen auf der Bühne stehen – in Trainingsklamotten, das Handtuch lässig über die Schulter geworfen, als säßen sie daheim auf dem Sofa – und die anderen gut anderthalb Meter tiefer in bester Rapper-Manier im Takt die Hände heben. Im Hintergrund laufen optisch verfremdete Straßenszenen, die Beleuchtung ist unspektakulär.

Locker palavern die Drei mit ihrem Publikum, ziehen sich gegenseitig auf und nehmen natürlich auch ihre Zuhörer auf die Schippe: Das ist die Show. „Hamm heißt auf arabisch ‚sich Sorgen machen‘“, verrät Rapper Elmo. „Müssen wir uns Sorgen machen?“ Nö, müssen sie nicht. Die Fans in der noch nicht mal zu einem Viertel gefüllten Halle lachen auch über Sprüche wie „Alles fit im Schritt?“ Und finden es klasse, dass DJ Ramon jetzt Limbo tanzen muss, weil er die Saalwette verloren hat: Hamms Frauen schreien lauter als die Männer.

Die wenigen Songs, die Bushido in dem zweistündigen Konzert spielt, wirken fast wie Werbepausen in einer Talk-Show. Umso ausgiebiger unterhält er sich mit „seinen Leuten“. Holt sich Emily und Joschka zum Mitrappen aus dem Publikum auf die Bühne, ermahnt väterlich Silvana, die ihm ein rosa Käppi mit der Aufschrift „Alles verloren“ auf die Bühne geworfen hat: „Klar spielen wir deinen Song. Aber nur, wenn du in Zukunft ,verloren‘ nicht mehr mit h schreibst.“

Er scheint ruhiger geworden: Mehr wohlmeinender großer Bruder, weniger das Skandal-Vorbild. „Jetzt weißt du, warum ich damals soviel Ärger bekommen hab – wegen der ganzen Schimpfworte und so“, erklärt er Elmo nach dem Titel „Berlin“ (2003). Prozesse wegen Körperverletzung und Urheberrechtsdelikten, indizierte Alben, dazwischen Echo-Verleihungen, Platin-Album, Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste für seine Biografie und schließlich 2011 der Protest von Stars wie Heino und Peter Maffay wegen der „Bambi“-Verleihung – Bushido ist ein Phänomen voller Widersprüche.

Sein zehntes Studio-Album „Jenseits von Gut und Böse“ (2011) wird von der Kritik gelobt: Bushido ist angekommen, produziert neuerdings zusammen mit Xavier Naidoo, das Straßen-Ding ist nicht mehr so wichtig. Noch immer singt er von Liebe und Schmerz, vom Durchhalten und Wieder-Aufstehen. In „Wie ein Löwe“ heißt es aber auch: „Deutscher Rap lebt wieder und ich hab jetzt Lust ihn zu killen.“ Nein, zahnlos wird der Löwe Bushido trotz Bandscheiben-OP so schnell noch nicht sein.

Quelle: wa.de

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