Ken Bruens Kriminalroman „Jack Taylor liegt falsch“

Von Ralf Stiftel–Jack Taylor ist zurück in Galway. Nachdem der erste Fall des irischen Privatdetektivs in einem Desaster geendet hatte, war er nach London geflohen. Nun aber kehrt er in seine Heimatstadt zurück. Polizist, gefeuert, weil er einem Ministerialdirigenten aufs Maul gehauen hatte. Bewusster Trinker: „Wenn ich bei Bewusstsein war, trank ich.“ Und prompt wieder mit einem Fall befasst, in dem seine Ex-Kollegen nicht ermitteln wollen: Ein Tinker, ein Landfahrer, erklärt: „Man bringt unsere Leute um.“

Ken Bruens neuer Roman „Jack Taylor liegt falsch“ knüpft nahtlos an, wo „Jack Taylor fliegt raus“ endete. Wieder erleben wir einen Mann, der im Vollrausch durch seine Stadt torkelt. Seine Ansichten sind dabei bemerkenswert klar. Über den Hafen von Galway urteilt er in zwei Sätzen: „Luxus-Apartments, neue Hotels, Sprachschulen und das Freizeitgewerbe hatten das Areal übernommen. Das mag Fortschritt gewesen sein, eine Verbesserung war es nicht.“ Sting mag er nicht, und seit er hörte, dass Lady Di Dire Straits als Lieblingsband bezeichnete, sind die bei ihm auch unten durch. Wobei Taylor nüchtern nach London gefahren war. Zurückgekehrt ist er mit einem Ledermantel und einer Kokainsucht.

Wer kaum gerade gehen, geschweige denn denken kann, tut sich schwer mit einem Kriminalfall. Taylor bekommt zusätzliche Schwierigkeiten. Die braven Iren mögen die Tinkers nicht sehr, und wenn jemand denen hilft, mögen sie den Jemand auch nicht. Taylor bekommt Prügel und braucht ein neues Gebiss. Was ihn nicht abhält, an dem Fall weiterzuarbeiten. Sein Freund Jeff und seine Freundin Cathy bekommen eine Tochter mit Down-Syndrom. Die Welt, und besonders Galway, ist nüchtern kaum zu ertragen.

Der Rausch ist das eine. Die Bücher kommen dazu. Taylor lebt mit Büchern und braucht sie wohl noch mehr als den Alkohol und das Koks. Bruens Roman ist durchtränkt mit Literatur von William S. Burroughs bis zu Raymond Chandler. Man kann Taylor nicht so sehr betäuben, dass ihm nicht noch ein Zitat einfiele. „Er trank, nicht wegen der Dunkelheit in ihm selbst, sondern wegen der Dunkelheit in anderen.“ Und sein Humor ist unerschütterlich: „Die ganze Shop Street entlang lächelte ich, damit meine neuen Zähne mal an die Luft kamen.“ Ein großartiges Buch, von Harry Rowohlt mit viel Gefühl für Nuancen übersetzt.

Ken Bruen: Jack Taylor liegt falsch. Atrium Verlag, Zürich. 240 S., 16 Euro

Quelle: wa.de

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