Brauereimuseum dokumentiert die Beziehung von Bier und Festkultur

Was den Reiz einer Stadt ausmacht: Die Postkarte „Gruß aus der Bierstadt Dortmund“ (1903) ist in Dortmund zu sehen. Foto: Museum

Dortmund – Die Reste des Vogels hält Josef Cremer noch in der Hand, rechts neben ihm strahlt ein weiterer Schützenkönig in die Kamera. Die Stimmung ist bestens, das zeigt das Foto vom Schützenfest des Dortmunder Bürgerschützenvereins von 1388 aus dem Jahr 1960. Cremer errang die Königswürde – und alle hatten etwas davon. Denn der neue König war Eigentümer der Thier-Brauerei. Die Aussichten auf reichlich Freibier waren gut.

Das Bild ist im Brauerei-Museum Dortmund zu sehen. Das Haus zeigt passend zu Jahreszeit und Wetter die Ausstellung „Bier und Brauerei auf Volksfesten Westfalens“. Mit einer Fülle historischer Fotos aus dem Bestand des Hauses, aber auch aus Privatsammlungen und mit raren Objekten belegt die Schau, wie eng vom 19. Jahrhundert an das öffentliche Feiern und die Brauwirtschaft verzahnt waren. Manchmal in der Schau könnte man denken, Schützenfest, Karnevalsumzug, Kirmes wären reine PR-Aktionen der Bierproduzenten zur Absatzsteigerung.

Museumsleiter Heinrich Tappe greift zurück bis in die Vorgeschichte. Schon vor 10 000 Jahren, als die Menschen noch nicht sesshaft waren, hatten sie aus Wildgräsern Bier gebraut und damit offenbar rituelle Feste gefeiert. Darauf deuten jedenfalls archäologische Funde hin. Anlass für ihn, einmal mit dem Material seines Hauses die Verbindung von berauschenden Getränken und der Festkultur in Dortmund und Westfalen darzustellen.

Am Anfang der Schau stehen einige historische Kostbarkeiten. So liegt in einer Vitrine die Königsplakette von Wilhelm von Hövel aus dem Jahr 1841. Wilhelm von Hövel entstammte nicht nur einem der ältesten Dortmunder Geschlechter. Er war auch einer der Gründer der Thier-Brauerei. Ohne die Brauereien, erläutert Tappe, wären die Volksfeste nicht möglich gewesen, die besonders parallel zur Industrialisierung im 19. Jahrhundert eine Blütezeit erlebten. Sie stellten sozusagen die Infrastruktur bereit, karrten die Fässer erst mit Pferdekutschen, später mit Lkw heran, stellten Bierstände auf – und sorgten dafür, dass die Namen der Brauereien immer ins Bild gerieten. So sieht man auf dem Foto vom Empfang im „Freischütz“ (1925) die Fahnen der Stifts-Brauerei. Und der maskierte Schutzheilige reichte 1952 dem König der Hörder Schützen den „Gambrinustrunk“ – eine PR-Aktion der Stifts-Brauerei. Kein Wunder, dass in den Vorständen lange Jahre immer ein führender Brauer saß.

Ein besonderes Schmuckstück ist der prunkvoll-kitschige Pokal zum 17. Deutschen Bundesschießen in Frankfurt 1912, zu dem mehr als 5000 Schützen kamen. Das aufwendig verzierte Kunstschmiedestück war vom Frankfurter Brauhaus gestiftet worden, und mit eingelegten Glassteinen, Gravuren und dem obenauf röhrenden Hirsch machte der Pott richtig was her. In den 1930er Jahren wurde das Brauhaus von der Dortmunder Union-Brauerei übernommen – und mit ihm der Pokal.

Wenn sich Anfang des 20. Jahrhunderts die bessere Gesellschaft der Stadt in der „Kronenburg“ vergnügte, dann waren Park und Gastronomie ein Angebot der Brauerei Heinrich Wenker Kronenburg (DortmunderKronen). Beim 1889/90 errichteten Fredenbaum Saalbau im Dortmunder Norden freilich konnte Tappe nicht ermitteln, ob dieses „Wunder von Westfalen“ von einer Brauerei getragen wurde. Mit 1400 Quadratmetern war er jedenfalls der größte Saal Deutschlands.

Die Schau blickt aber auch auf andere Festformen, zum Beispiel die ebenfalls sehr beliebten Kirmesse und Jahrmärkte. Hier bietet die Schau nicht nur alte Postkarten und Fotos von Bratwurstbuden. Auch ein hölzerner Indianer (1930/50er Jahre) ist zu sehen, eine Leihgabe des Schausteller-Museums Essen, wie sie auf großen Volksfesten den Eingangsbereich von Völkerschauen schmückten.

Man hat Impressionen vom Karneval in Dortmund wie das Foto einer „Acht-Stufen-Rakete“ aus den 50er Jahren, mit der sich die Karnevalisten über die Wiederaufrüstung lustig machten. Bestückt war das Geschoss mit Fässern der Dortmunder Brauereien. Und natürlich feierte der BVB die Fußballmeisterschaft 1956 mit Gerstensaft des Sponsors, der Union-Brauerei. Den Pokalsieg 1965 feierte man mit einem Autokorso, zu dem die Hansa-Brauerei die Lkw bereitstellte.

Bis 31.12., di – so 10 – 17, do bis 20, sa 12 – 17 Uhr,

Tel. 0231/ 8400 200,

www.brauereimuseum. dortmund.de

Quelle: wa.de

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