Brahms‘ „Schöne Magelone“ am prinz regent theater

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Romantik mit Projektionen: Szene aus der „schönen Magelone“ mit Peter Schöne und Stephan Ullrich. ▪

Von Edda Breski ▪ BOCHUM–Wenn einmal keine Frau da ist, reicht ein Herzluftballon. Aufgeblasen und in den Ausschnitt eines Kleides geschnürt, ersetzt er die Angebetete, der Ritter Peter in der Geschichte von der „schönen Magelone“ über Meere und Länder hinweg nachirrt. Am prinz regent theater in Bochum ist das als Kammer-Musiktheater zu sehen. Sybille Broll-Pape inszeniert den Liederzyklus von Johannes Brahms als retrokitschige Zwei-Mann-Show und findet zwischen Glitzerstern und Schäflein viel Gefühl.

Das prinz regent theater hat die „schöne Magelone“ mit den Bochumer Symphonikern in der Kammerorchesterversion von Heribert Breuer realisiert. Dem Stil des Hauses bleibt Broll-Pape mit dieser leichten Inszenierung treu. Wieder holt sie einen Stoff vom Kopf auf die Füße und sucht nach Details statt nach der großen Deutung. Man darf sich gerade im Fall der „Magelone“ fragen, wie man eine Geschichte, die vor romantischen Klischees und Überhöhungen strotzt, aktuell präsentiert. Ironisch? Dekonstruierend? Oder nimmt man ihn doch ernst?

Broll-Pape stellt dem Sänger Peter Schöne den Schauspieler Stephan Ullrich an die Seite. Er liest Zwischentexte, die Martin Walser dem Liedzyklus 2011 hat angedeihen lassen. Deren Altmännerironie steigert Ullrich zu müdem Sarkasmus, etwa wenn er Magelones blanken, bang erbebenden Busen beschreibt, in dem Moment, als seine Besitzerin im Wald aufwacht und ihren auf Irrfahrt befindlichen Peter vermisst. Ullrich verbindet aber nicht allein die Lieder, er wird zum handlungstreibenden Element. Über ein per Video an die Wand geworfenes Bild verändert er Stimmungen, setzt Schäfchen auf eine Wiese, streut Sterne oder malt einen Smiley, der Wind bläst wie Zephire auf Renaissancegemälden. Das ist simpel, aber clever gemacht und gibt eine Menge zu lachen.

Peter Schöne spielt den Ritter Peter, wirft sich zu Boden im Liebesrausch und zappelt vor Wonne mit dem Fuß. Ein Stuhl ist sein Pferd oder sein Boot; ganz im kinderleichten, spielerischen Stil. Kunsttanne und Kunstrasen (Ausstattung: Trixy Royeck) umrahmen das postromantische Idyll. Malerisch liegt da ein ausgestopfter Fuchs, den Peter in Ermangelung seiner Angebeteten streichelt.

„Die schöne Magelone“ macht zwei Stunden lang Spaß, weil sich die Regie selbst nicht so ernst nimmt. Das Stück allerdings ist ernster gemeint, als es wirkt. Es geht, wenn man die Schafe, die Exkursion ins Mohrenland und ähnliche Zutaten abzieht, um Gefühle, die zu entdecken sind; um Liebe, Hoffnung und die Suche nach dem anderen wie nach sich selbst. Das ist schon mal einen vergnügten Abend wert.

Musikalisch sind Abstriche zu machen, weil die Musik der Dynamik der Aufführung unterworfen wird. Peter Schöne, der als eine Art Troubadour beachtlich Violine spielt, bewegt sich in den Liedern zwischen jugendlicher Naivität und stürmischen Ausbrüchen als verliebter, noch reichlich unbedarfter junger Mann. Schließlich ist in der „Magelone“ das Männerbild süß parfümiert. Wer genau hinhört, bemerkt, wie Schöne mit Stil und Ausdruck spielt, mal überschäumend singt und sogar ein bisschen Richtung Rossini schielt, mal volksliednah. Im Schlusslied „Treue Liebe dauert lange“ klingt er wie ein besonders weichgespülter „Don Ottavio“. Allerdings hält Schöne sich stimmlich selbst für den kleinen Rahmen des Theaters zurück.

Zehn Musiker der BoSys unter Harry Curtis finden einen direkten, emotionalen Ton und haben außerdem Spaß beim „Mitspielen“: mit Vogelstimmentrillern und dem „Wind“, der auf Saiten geblasen wird.

8., 9.3., 26., 27.4.;

Tel. 0234/ 77 11 17

http://www.prinzregenttheater.de

Quelle: wa.de

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