Bombastisches Konzert von Take That in Düsseldorf

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Robbie Williams beim Take-That-Konzert in Düsseldorf ▪

Von Frank Zöllner ▪ DÜSSELDORF– Es ist eine Tournee, die gleichzeitig Comeback und Höhepunkt der Band-Karriere ist. Es ist auf jeden Fall ein denkwürdiger Auftritt, den Take That am Montagabend vor knapp 43 000 Zuschauern in der nicht ganz ausverkauften Esprit-Arena in Düsseldorf abliefern.

Die werden Zeugen einer fesselnden, kurzweiligen Show, die in zweieinhalb Stunden so etwas wie das Maß der Dinge darstellt, an dem sich künftige Stadionkonzerte zu orientieren haben (inszeniert von Kim Gavin, der die Abschlussfeier für Olympia 2012 in London choreografieren wird). Schon bei der Vorband, den legendären Pet Shop Boys, ist das überdachte Stadion fast komplett gefüllt. Die Elektro-Popper haben Spaß an ihrer ungewohnten Rolle des Anheizers.

Dann kommen unter lautem Gekreische Take That auf die Bühne. Gary Barlow, Mark Owen, Jason Orange und Howard Donald eröffnen mit „Rule The World“ das zweite von drei Deutschland-Konzerten im Rahmen der „Progress“-Welttournee. Es folgt die Ansage „Vielen Dank, dass ihr immer an uns geglaubt habt“ auf Deutsch und vier weitere Lieder, die nach dem Comeback 2005 ohne Robbie Williams entstanden. Dabei liefert das Quartett zu „Shine“ eine grandiose Bühnenshow. Eine riesige Raupe, als Schmetterlinge und weiße Hasen verkleidete Tänzer erinnern an „Alice Im Wunderland“.

Nach dieser ersten halben Stunde hat Robbie Williams seinen großen Aufritt – solo. Der Jubel und das Gekreische sind ungleich lauter als bei seinen Kollegen – Robbie war früher in Deutschland größer als Take That ohne ihn. Vermutlich wurde mit Hilfe zahlreicher Anwälte und Manager dieser paritätische Konzertverlauf ausgehandelt.

Williams, der 1995 aus der Band ausstieg, gibt sich ebenso testosteron-geschwängert („Alles fit im Schritt?“) wie in seinen erfolgreichen Tagen als Alleinunterhalter. Da diese aber lange vorbei sind und Flopp-Alben folgten, muss er ein buntes Best Of-Programm mit „Let Me Entertain You“, „Come Undone“ präsentieren. Exzessiv wird es bei „Rock DJ“, als Fahnen schwingende Rollschuh-Fahrerinnen den Sänger im römischen Streitwagen über die Bühne ziehen, schmalzig-dramatisch bei „Angels“.

Nach einer Stunde gibt es dann die Wiedervereinigung der ehemaligen Boyband. Zelebriert wird dies zu „The Flood“ – die Überwältigungsmaschinerie geht nahtlos weiter. Zwei Dutzend Akrobaten turnen an der wie ein Staudamm wirkenden Bühnen-Rückseite und formen das Cover des aktuellen Albums „Progress“ – dazu stürzen Wassermassen auf sie nieder.

Später zeigen Jason Orange und Howard Donald Breakdance-Einlagen, zu denen Robbie Williams rappt. Ohnehin waren die beiden seit der Bandgründung vor 21 Jahren hauptsächlich als Tänzer dabei – und Williams zeigt einmal mehr, dass er sich nicht mehr auf sein Gespür für große Pop-Momente verlassen kann.

Selbstironisch nach dem Motto „Weißt du noch?“ wird eine Art Kaminabend inszeniert. Songwriter Gary Barlow – Williams’ großer Widerpart – sitzt am Klavier und stimmt Weisen aus den Anfangstagen an („Could It Be Magic“). Dazu reicht er Jason und Howard und sich ein Glas Rotwein, für die Süchtigen (Mark Owen und Williams) gibt’s Milch.

Mit „Back For Good“ und „Pray“ wird das Finale zu einer Greatest Hits-Revue, und mit der Hymne „Never Forget“ lassen sich Take That von einem 25 Tonnen schweren und 20 Meter hohen Roboter durch das Stadion tragen. Mit der Zugabe „Relight My Fire“ werden Feuerbälle in die Luft geschleudert, ein Feuerwerk steigt an die Stadiondecke.

Die Begeisterung im Publikum ist ungebrochen, aber das Kreischen der meist weiblichen Fans hat nachgelassen. Schließlich sind fast alle hier mit der Band gealtert. Und nicht nur bei den Fans sollten sich Take That mit dieser fulminanten Tour die längst fällige Anerkennung erarbeitet haben. Wie es danach mit der Band weiter geht, wird sich zeigen.

Quelle: wa.de

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