In Bochum wird bei der Ruhrtriennale Jonathan Harveys „Glasgow Trilogy“ aufgeführt

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Ilan Volkov leitete die deutsche Erstaufführung von Jonathan Harveys „Glasgow Trilogy“ in Bochum.

Von Edda Breski BOCHUM -  Der Klang rutscht durch den Raum. Eine Violinphrase fängt an, man beobachtet die Bögen der ersten Geigen, dann hebt der Klang ab und fällt hinter den Zuhörer, wo ein Lautsprecher ihn nahtlos übernommen hat. Der Brite Jonathan Harvey stellt in seiner „Glasgow Trilogy“ Klangtechnik in den Dienst buddhistischer Ideen. Das dreiteilige Werk (2005 – 2008) ist eine Reflexion über menschliche Entwicklung und die Möglichkeit der Überwindung von Leid. In der Jahrhunderthalle in Bochum besorgte bei der Ruhrtriennale das WDR-Sinfonieorchester unter Ilan Volkow die deutsche Erstaufführung.

Harvey, der 2012 starb, hat mit den Klangerforschern des Pariser IRCAM zusammengearbeitet. Das Internationale Zentrum für die Erforschung und Koordination Akustik/Musik wurde 1977 von Pierre Boulez mitgegründet. Harvey vertiefte dort seine Techniken zur Klangerkundung und Klangverblendung. Der letzte Teil der „Trilogy“, „...towards a pure land“, entstand zuerst. Schlagwerk und Glockenarten, Klangschalen und Rasseln setzen Impulse, die sich durch das Orchester fortsetzen. Harvey arbeitete am Grenzbereich zwischen Klang und Geräusch, blieb aber melodisch orientiert. Seine Musik oszilliert zwischen Wort, Klang und Bedeutung. Sie ist auch an den Grenzen dessen verortet, was der westlich geschulte Hörer als vertraut wahrnimmt, etwa als Glocken und Posaune parallel geführt sich zu einer Art majestätischer Tempelmusik steigern. Das ist im zweiten Teil zu erleben. In „Speakings“ übersetzte Harvey dynamische Prinzipien von Sprachrhythmus und Bewegung. Er arbeitete aber auch konkret. Die Holzbläser sprechen in ihre Instrumente. Melodielinien werden mit live über Computer eingespielten Sprachphrasen und Babygeplapper verblendet. Man sieht einen Cellisten spielen und hört seine Phrase plötzlich verstärkt von hinten (Liveelektronik: Thomas Goepfer). Der Klang fasst einen persönlich an, der Hörer ist eingebettet, erlebt Impulse, die von allen Seiten kommen.

Am traditionellsten funktioniert „Body Mandala“, der erste Teil, in dem Harvey Ideen von Körperbewegung auf schillernde Klangflächen überträgt, die von wunderlichen Effekten durchbrochen wird, etwa Gläser, die in Wasserbecken getaucht werden. Ilan Volkow und das WDR-Orchester falten die exotischen Prächtigkeiten der Musik auf und setzen die Klangimpulse sorgfältig in den Raum.

Der „Glasgow Trilogy“ vorangegangen war eine Aufführung von Alban Bergs Violinkonzert. Volkov fuhr die Bruchlinien der Musik nach, während Alina Ibragimova mit dem Solopart fast rang, harte, kratzige Töne setzte und ihren Part wie aus der Ferne bis in das intensiv leuchtende Finale holte.

Quelle: wa.de

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