Bob Dylan: Unveröffentlichtes Material auf „1970 (50th Anniversary Collection)“ - ein Hörtest

Tipp: Bob Dylan - 1970 (50th Anniversary Collection)
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Bob Dylan - 1970 (50th Anniversary Collection)

1970 schockte Bob Dylan seine Fans mit dem Album „Self Portrait“, auf dem er überwiegend Folk-Klassiker und Covers von fremdem Material präsentierte.

Viele hassten seine Hinwendung zu Pop und Country, aber das Werk verkaufte sich gut. Kurz darauf versöhnte er auch Kritiker wieder mit dem Folgealbum „New Morning“. Auf drei CDs macht sein Label nun bislang unveröffentlichtes Material aus den damaligen Studio-Sessions zugänglich. Die mehr als 60 Tracks bieten einen Zugang zu Dylans Probenarbeit. Manche Tracks sind gerade eine Minute lang oder gar nur eine halbe. Da sagt er: „Let‘s try this“ und singt den „Universal Soldier“ von Buffy St. Marie an. Bei Popmaterial wie Sam Cookes „Cupid“ und „Can‘t Help Falling in Love“ von Elvis hört man, was für ein technisch schlechter Sänger Dylan sein konnte: Er nölt und quengelt, verpasst Einsätze und trifft die Töne nicht. Er nimmt sich auch den Beatles-Hit „Yesterday“ vor. Dass George Harrison dabei Gitarre spielt und mitsingt, zeigt, wie sehr die beiden befreundet waren. Gut die Hälfte des Materials ist nur für beinharte Fans von St. Bob erträglich.

Anderes hört man heute mit Interesse. Eigene Songs wie „If Not For You“ und „Sign On The Window“ erarbeitete er in vielen Takes, mal im Country-Stil, mal als Rock. Er konnte es ja auch als Sänger besser, „Spanish Is The Loving Tongue“, eines seiner Lieblingslieder, trägt er hier mit schönem Ton und innig vor. Er greift eigene Titel aus seiner Folkphase neu auf, sein „Song to Woody“ wird zum entspannten Country-Waltz. Und besonders der erste Take von „Tomorrow Is a Long Time“ ist prägnant vorgetragener Rock. Da wird der Interpret Dylan endlich dem genialen Songwriter Dylan gerecht.

Bob Dylan: 1970 (50th Anniversary Collection) (Columbia/Sony).

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