Black Sabbath spielen in Dortmund Klassiker und aktuelle Songs

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Gut gelaunt in Dortmund: Black-Sabbath-Frontmann Ozzy Osbourne.

Von Sabine Fischer DORTMUND - Mit kleinen, wedelnden Gesten bedeutet er der ausverkauften Dortmunder Westfalenhalle: „Mehr davon, hoch mit euch – ihr seid willkommen“. Die Handinnenflächen nach oben gerichtet, empfängt er den Jubel, lässt die im Takt gereckten Arme auf sich wirken. Entzückt führt er die Hände zum Gesicht, lächelt.

Fast kindlich wirkt diese Freude über einen gelingenden Auftritt. Als wäre es der erste Gig mit seiner Kultband „Black Sabbath“ und das Publikum heute das beste, das er je hatte. Mehrmals lässt er sich auf die Knie nieder, um seinen Fans zu danken. Das fällt Ozzy Osbourne mittlerweile nicht mehr ganz so leicht: Seit mehr als 45 Jahren ist er im Musikgeschäft, morgen feiert er seinen 65. Geburtstag. Doch auch wenn sich der Meister weniger hurtig bewegt, als man es von ihm gewohnt ist, so vermittelt er doch das Gefühl, dass er auf der Bühne alles gibt, was er in genau diesem Moment vermag. Vermutlich sogar noch ein bisschen mehr. Und genau diese Authentizität ist es, die seine Fans stürmisch lieben. Innerhalb von nur einer Woche war das Konzert in Dortmund ausverkauft. Vier weitere Konzerte in Deutschland sollen 2014 folgen .

„Ich kann euch nicht hören! Ich will euch hören!“ ruft der Meister noch bevor die Show beginnt. Die Halle tobt, der Vorhang wabert in Rot, darauf zeichnet sich ein Schatten ab. Wie ein Priester, der die Masse segnet, wirkt die Figur. Gefügelte Teufelchen und Kreuze zwinkern auf, wirken heute weniger satanisch als spielerisch. Ein in Kunstfels gerahmtes Triptychon für Videoeinspielungen dominiert die Bühne; auf der dazu passenden felsigen Predella thront das Schlagzeug hinter dem der vollbärtige und langmähnige Tommy Clufetos mit nacktem Oberkörper wütet wie ein diabolischer Jesus. Gerüchten zufolge soll Original-Schlagzeuger Bill Ward ausgemustert worden sein, weil er für die Tour ein wenig zu muckelig und zu wenig fit erschien.

Tatsächliche leisten Black Sabbath Großes: Ozzy, Bassist Geezer Butler und Gitarrist Tony Iommi schonen sich nicht. Lediglich für die Dauer eines Schlagzeug-Solos verschnaufen sie, nur um danach noch einen Zahn zuzulegen. Ozzy springt, hält sich am Mikro fest, während er wie ein Flummy hüpft. Er ist gut drauf, spült mit Wasser durch und nach, spielt Pumpenmännchen, indem er am Ohrläppchen zieht, während er Wasserschauer speit. Er lacht, scherzt und ruft „Kuckuck“ – will wissen, wie es dem Publikum geht und ob es sich gut amüsiert. Neben den Klassikern wie „War Pigs“, „Paranoid“ oder „Children of the Grave“ gibt es einige neue Songs vom Album „13“ zu hören. Die Klassiker werden selbst auf den Sitzplatz-Rängen stehend gefeiert. Aber auch das neue Material hat seine Berechtigung, kommt sehr gut an und fügt sich nahtlos in die Abfolge der alten Klassiker ein.

Die Projektionsflächen des Triptychons werden für vielfältige Provokationen genutzt: Oft dominiert die Wiedergabe des Bühnengeschehens den mittleren, größten Part, während über die Seitenflächen nur bedingt jugendfreie Bilder und Ausschnitte aus thematisch passenden, teils alten Filmen flimmern – viel nackte Haut und dicke Brüste sind bei „Dirty Women“ zu sehen; Lack und Leder begleiten „Fairies wear Boots“; Ex-Papst Ratzinger, Exorzismus- und Kreuzigungsszenen tummeln sich „Under the Sun“ und Bomben fliegen zu „War Pigs“; viel weißes Pulver wird zu „Snow Blind“ geschnupft, und zu „Behind the wall of Sleep“ geistert eine weiße Frau mit zugenähtem Mund durch Wälder und alte Gemäuer. Das Konzert als in sich stimmig komponierte Collage, in der auch alte Black-Sabbath-Schlagzeilen nicht fehlen dürfen, funktioniert ausgezeichnet. Zumal die Bilderflut an den entscheidenden Stellen abebbt, etwa bei dem Song „Black Sabbath“, der so seine herrlich psychedelische Wirkung voll entfaltet.

Gefragt, wie er sich fühle, wenn er heute die Bühne betrete, hatte Osbourne in Dortmund gesagt: Er sei einfach nicht mehr stoned, trinke nicht mehr und der Auftritt selbst sei somit pures Vergnügen und Erleben. Wer ihn in Dortmund gesehen hat, glaubt das.

Quelle: wa.de

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