Bilder von Paco Knöller in der Villa Wessel Iserlohn

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Angedeutete Motive, intensive Farben: Paco Knöllers Bild „H 314“ (2010). ▪

Von Marion Gay ▪ ISERLOHN–Der Kopf balanciert auf den Händen, vorsichtig halten ihn die Fingerspitzen. Nervöse Linien verraten die Bewegung, ein leichtes Schwingen, Vibrieren. Kräftig leuchten die Umrisse vor dem flirrend hellen Hintergrund. Das Bild „H 303“ (2010) von Paco Knöller fasziniert in seiner luftigen Transparenz.

Unter dem Titel „Hölzer und Schnitte“ präsentiert die Villa Wessel in Iserlohn rund 25 aktuelle Bilder des Künstlers. Es sind Gemälde auf Holzplatten, die trotz der schweren, beinah klobigen Materialität wunderbar leicht wirken.

Knöller bearbeitet seine kastenartigen Malgründe in mehreren Arbeitsgängen. Zunächst grundiert er die Hölzer mit farbigen Kreiden, die er mit Fingern und Handballen verreibt, sie knetet und einarbeitet. Es sind pure Pigmente, mit Öl vermischt. Schicht für Schicht setzt der Künstler die Farben übereinander, bis unregelmäßige, manchmal verschwommene Strukturen entstehen. So klafft zum Beispiel im Bild „H 335“ (2011) das Blau-Türkis auf und lässt die darunterliegenden Rottöne aufleuchten. Auch ein knalliges Orange bahnt sich seinen Weg, mal vage als Sprenkel, mal als größere geometrische Fläche. Zuletzt schabt und gräbt Knöller mit dem Messer Linien ein, die sich schwungvoll über die Farbräume ziehen und an anatomische Formen erinnern. Vielleicht ist es der Umriss eines Armes, eines Beines, eines Knochens?

Knöllers Bilder sind abstrakt, aber menschliche Figuren deuten sich an. Im Bild „H 314“ (2010) ist es eine Hand, die eine in den Untergrund geritzte, rote Linie umreißt. Eine vibrierende Spur, die der Künstler über andere, horizontal verlaufende Linien legt. Das Bild scheint aus zwei Teilen zu bestehen: einem kühlen, türkisblauen Rechteck und einem warmen, rosafarbenen darüber.

Der 1950 in Overmarchtal/ Baden-Württemberg geborene Künstler erzählt keine Geschichten. Manchmal finden sich Wörter auf den Arbeiten, geheimnisvolle Botschaften wie etwa „Blutsperre“ im Bild „H 257“ (2009). Daneben krümmen sich auf grünem Grund rote und schwarze Linien, wie ein Netz miteinander verflochten. Oft sind die Buchstaben unleserlich, ineinander verschoben, überkritzelt, so dass beispielsweise nur noch „Schmer…“ zu entschlüsseln ist.

Der Künstler, der bei Joseph Beuys studierte und als Professor an der Hochschule für Künste in Bremen lehrt, tastet sich vorsichtig an die Farben heran, die trotz ihrer Intensität niemals schrill wirken. Viele der wie Bildkästen wirkenden Arbeiten scheinen von innen heraus zu leuchten und erinnern an Glas. Klar leuchten die Farben. Auch wenn sie sich miteinander vermischen, verlieren sie nichts von ihrer Reinheit und Leichtigkeit.

Bis 1.4., di – fr 15 – 19, sa 12 – 16, so 11 – 17 Uhr;

Tel. 02371/14238

http://www.villa-wessel.de

Quelle: wa.de

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