Bilder von Conrad Westpfahl in der Villa Wessel Iserlohn

Lichtes Spätwerk: Conrad Westpfahls Bild „Flug nach oben“ (1975) ist in Iserlohn zu sehen. ▪

Von Marion Gay ▪ ISERLOHN–Wie Schriftzeichen prangen die schwarzen Formen auf dem Blau, das sich wässrig auf dem Papier ausbreitet. Weiß und helles Gelb umfangen das dunkle Gebilde, geben ihm Leichtigkeit. Das Bild „Hochzeitliches mit Gelb“ (1972) gehört zur Ausstellung mit Papierarbeiten des Künstlers Conrad Westpfahl, zu sehen in der Villa Wessel in Iserlohn. Die rund 25 Werke entstanden zwischen 1952 und 1976 und kommen aus der Münchner Galerie Maulberger.

Der in Berlin geborene Westpfahl (1891–1976) gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der deutschen informellen Kunst. Neben der Malerei veröffentlichte er Kritiken und Aufsätze in Kunstzeitschriften und trug in der Nachkriegszeit zum Wiederanschluss deutscher Künstler an die internationale Kunstszene bei.

Von Beginn an spielt die Linie in Westpfahls Werk eine wichtige Rolle. Ab 1907 hatte er an der Lehranstalt des Berliner Kunstgewerbemuseums bei dem Jugendstilmaler Emil Orlik studiert, 1913 reiste er zum ersten Mal nach Paris, um an der privaten Akademie Ranson Unterricht bei Félix Vallotton zu nehmen. Nach dem ersten Weltkrieg richtete sich Westpfahl ein Atelier in Dresden ein, reiste aber oft nach Paris, wo ihm Begegnungen mit Braque und Léger neue Horizonte eröffneten. 1932 begann Westpfahl, sich ganz der abstrakten Malerei zu widmen.

Die Ausstellung zeigt drei Bilder aus den 50er-Jahren, die von dunklen Linien bestimmt werden. Schwarze Gitterstrukturen liegen über rotgelben Flächen, die Formen sind klar umgrenzt. Zu dieser Zeit zählt er bereits zu den wichtigsten deutschen Malern der Abstrakte, doch er selbst sieht seine Suche nach der Form erst 1958 mit den ersten informellen Arbeiten vollendet. Zu sehen sind die hellen, lichtdurchschienenen Bilder der 60er, zum Beispiel „Kleinasiatische Küste“ (1965): Feine Linien deuten Berge und Felsen an, Straffuren weisen in verschiedene Richtungen, geben der abstrakten Landschaft einen vibrierenden Rhythmus. Erdige Farben dominieren, zwischen Ocker und anderen Brauntönen schimmert manchmal eine Spur Rot. Die Bilder aus dieser Zeit ähneln sich. Pudrige Farbschichten lassen Linien wie Adern durchscheinen, behutsam setzt Westpfahl Farben und zarte Schraffuren nebeneinander. Inspiriert wurden die hingehauchten Landschaften vor allem durch Aufenthalte in Griechenland und Italien, wo Westpfahl etwa als Ehrengast in der römischen Villa Massimo arbeiten durfte.

In seinem Spätwerk vereint Westpfahl schließlich die strenge Formensprache der 50er-Jahre mit der transparenten Malweise der 60er. Seine Bilder halten die Balance zwischen Schwere und Leichtigkeit, zwischen Dunkelheit und Licht. Noch immer sind die Linien von großer Bedeutung. „Flug nach oben“ (1975), entstanden einem Jahr vor seinem Tod, zeigt eine flirrende Farbenvielfalt, die trotz greller Rottöne Ruhe ausstrahlt. Gelöst steigen die Formen gen Himmel, Wolken geraten ins Trudeln, die Bäume scheinen zu tanzen.

Bis 9.1.2010, di – fr 15 – 19, sa 12 – 16, so 11 – 17 Uhr

Tel. 02371/14238

http://www.villa-wessel.de

Quelle: wa.de

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