Bilder von Max Ackermann in der Städtischen Galerie Schloss Neuhaus

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Kreise, Dreiecke, Bögen: Max Ackermann zeichnete „Frau und Segelboot“ 1937. ▪

Von Ralf Stiftel ▪ PADERBORN–Max Ackermann (1887–1975) gehörte einmal zu den berühmten deutschen Malern. In der Nachkriegszeit zählte er zu den modernen Vertretern der Abstraktion, neben Willi Baumeister, Ernst Wilhelm Nay, Emil Schumacher und Fritz Winter. Er schuf starkfarbige Kompositionen, mal eher geometrisch, mal mehr organisch geprägt, die an Miró erinnerten, an Kandinsky und Paul Klee. Inzwischen kennen ihn noch die Spezialisten. Grund genug, sein Werk neu auf den Prüfstand zu stellen. Die Städtische Galerie in der Reithalle Schloss Neuhaus in Paderborn zeigt seine Werke – und überrascht.

Zunächst, weil unter den mehr als 90 Werken nur acht Gemälde sind. Die Schau schwelgt gerade nicht in Farbe, sondern konzentriert sich auf Leihgaben des Kunstmuseums Bayreuth, das über rund 100 Zeichnungen und Papierarbeiten Ackermanns verfügt. Hier sieht Galerieleiterin Andrea Wandschneider aber auch die Stärken des Künstlers, hier habe er seine überzeugendsten Leistungen vorgelegt.

Dann staunt man, weil man einen Jahrhundertkünstler erlebt. Der gebürtige Berliner hatte bei Franz von Stuck, Henry van de Velde und Richard Müller studiert, prägend wurde allerdings 1912 in Stuttgart die Begegnung mit Adolf Hölzel, einem Pionier der Abstraktion. Unter der Herrschaft des Nationalsozialismus gelten seine Bilder als „entartete Kunst“, er erhält Lehrverbot und zieht sich in die „innere Emigration“ zurück. Seine Karriere begann Ackermann mit den Expressionisten der „Brücke“, und er blieb stets auf der Höhe der aktuellen Entwicklungen. Die extrem hochformatigen Zeichnungen „In der Manege“ (um 1917) zum Beispiel verbinden kubistische Momente mit den Formen Max Beckmanns. In den 20er Jahren zeichnet und malt er neusachlich, wie die sportliche junge Frau mit Kurzhaarschnitt und Brille, die sich zum Betrachter umwendet (um 1919). Man könnte ihm dafür Eklektizismus vorwerfen, denn oft geht es einem vor seinen Werken so, dass man rufen möchte: Das sieht ja aus wie ... Aber das wäre ungerecht. Bei aller Nähe zum Zeitgeist setzte er eigene Akzente. Seine Zeichnung „Prothese II“ (um 1918-20) erinnert an Arbeiten von Grosz und Dix. Aber bei ihm fehlt die grelle Übertreibung, das Moment von Karikatur. Der Kriegsversehrte sitzt ruhig am Tisch, seine Beinprothese ist im Vordergrund.

Die Paderborner Ausstellung versteht die Fülle der Stile und Formen, die Ackermann über fast sieben Jahrzehnte entwickelte, als Qualität. „Wann ist eigentlich ein Bild gut?“ lautet eine Frage, die Ackermann umtrieb. Genau das ist in der Galerie zu studieren. Zeitgleich entstehen in den 30er Jahren abstrakte und gegenständliche Arbeiten. Ein Titel „Figurenzerlegung“ (1939) verrät seine Methode: Prägend ist der Bildaufbau, das Spiel von Fläche, Linie und Rhythmus, und dafür spielt es keine Rolle, ob er am Bodensee „Frau und Segelboot“ zeichnet und das Motiv in eine Fülle von geometrischen Details zerlegt, oder ob er eine abstrakte „Hymne an Albert Einstein“ (1949) malt.

Er malt lange und findet immer neue Formen. Das Gemälde „Grünes Zentrum“ (1960) erinnert mit seiner kleinteiligen Gitterstruktur an Mark Tobey und den abstrakten Expressionismus in den USA. In den 60er Jahren zeichnet er mit Filzstiften und nutzt deren grelle Farbigkeit zu Effekten, die an Pop Art erinnern. Späte Pastellarbeiten wirken wieder ausgeglichener, und Titel wie „Heiterkeitskapelle“ (1974) sind programmatisch.

Bis 9.10., di – so 10 – 18 Uhr, Tel. 05251/ 88 10 76, http://www.paderborn.de/kultur, Katalog 20 Euro

Quelle: wa.de

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