Beth Ditto mit knackig-kurzem Konzert in Köln

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[Update, 14.56 Uhr] Köln - Sie ist schrill, sie polarisiert, und sie ist stimmgewaltig: Beth Ditto ist schon so etwas wie ein Paradiesvogel. Ein ziemlich talentierter, um genau zu sein. Ihre Band Gossip ist mittlerweile Geschichte. Die Sängerin wandelt nun auf Solopfaden. Oder besser gesagt: tanzt und wirbelt. Auf ihrer Tour macht sie einen kurzen Stopp in Köln. Ditto findet den Namen lustig. Köööln, wiederholt sie mehrfach. Runder kann man einen Mund nicht formen.

Im bunten Paillettenkleid kommt die 36-jährige US-Amerikanerin zuvor auf die Bühne des E-Werks und grinst breit. Sie ist gut drauf und zwischendurch ordentlich aufgedreht. Deutschland sei ihr Lieblingsland, kichert sie. Sie plappert viel auf Deutsch. Von ihrer zweiten Familie hier und ihrem „deutschen Vater“ Walter, dem sie eifrig zuwinkt. Auch einige Fans in den ersten Reihen erkennt sie. „Schön, dass Ihr da seid“, ruft sie und legt los.

Konzert von Beth Ditto in Köln

Die Soloplatte bestimmt den recht kurzen Abend. Der Songfundus ist noch übersichtlich. Fette Beats dominieren. Die 1,58 Meter kleine Frau legt dazu ganz viel Soul in ihre einnehmende Stimme. „Oo La La“ ist so ein Song, dazu autobiografisch und recht persönlich. Ditto bezeichnet sich selbst als „Knochenbrecherin“ und „Seelenfresserin“, aber auch als „harte Arbeiterin“.

Die Ballade „Lover“ über eine auseinander driftende Liebe ist mit flirrenden Gitarren angereichert, der Refrain der Pop-Hymne „We Could Run“ ganz für das gigantische Organ der Sängerin gemacht. „Ich bin ein bisschen krank“, sagt sie im Laufe des Konzerts entschuldigend und schnäuzt in ein Handtuch, wiegelt aber gleich ab: „Kein Problem.“ Hätte sie es nicht erwähnt, es wäre auch niemandem aufgefallen.

Selbstverständlich gibt's am Abend auch was von Gossip zu hören. Natürlich nur das Beste davon. Logo, dass "Heavy Cross" dabei ist, der berühmteste Song des im vergangenen Jahr aufgelösten Trios. Als die ersten Töne erklingen, recken die Zuhörer ihre Handys in die Höhe, um den Moment in Bild und Ton festzuhalten. Auch "Love Long Distance" und „Standing in the Way of Control“ donnern aus den Boxen.

Bei letztgenanntem Song bindet sich Ditto eine Regenbogenfahne um den Hals und schwirrt zum Disco-Rocker als bunte Superwoman über die Bühne. Überhaupt, Beth Ditto zeigt klare Kante in Köln: Die Sängerin, seit 2013 mit ihrer langjährigen Partnerin Kristin Ogata verheiratet, ist nicht nur Künstlerin, sondern auch Sprachrohr und Kämpferin für die LGBT-Szene. Als Statement singt sie das Lied „A Little Respect“ des britischen Elektroduos „Erasure“. An anderer Stelle stimmt sie „I Got a Woman“ von Ray Charles an und sprüht dabei nur so über voll Energie. Ihren Mund lässt sich Beth Ditto nicht verbieten – auch nicht, wenn es um Politik geht. „Eine dicke Entschuldigung an die Welt für die USA“, ruft sie. „Wirklich!“ Dann öffnet sie den Brief eines Fans auf pinker Pappe. „Der ist bestimmt von Angela Merkel“, witzelt sie. Der Anhänger wünscht sich „Rebel Girl“. Als überzeugte Feministin lässt sich Ditto nicht lange bitten und singt den Song der Riot-Grrrl-Band.

Nach rund 70 Minuten verbeugen sich Ditto und ihre vierköpfige Begleitband. Die Sängerin strahlt noch immer über beide Ohren, eingehüllt in die Fahne, und stimmt "We Are the Champions" an. Die Fans singen mit, genauso wie sie es schon während des knackig-kurzen Konzerts getan haben. Beth Ditto hat sie glücklich gemacht.

Quelle: wa.de

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