Postkarten der „Brücke“-Expressionisten im Osthaus-Museum

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Gezeichnetes Dankeschön: Erich Heckels „Ananas-Esser“ von 1910.

Von Ralf Stiftel HAGEN - „Der gefragte Besuch sehr willkomen“, kritzelte Karl Schmidt-Rottluff 1910 auf die Postkarte an die Kunsthistorikerin Rose Schapire. Und der Künstler zeichnete ihr gleich noch eine lächelnde Frau dazu, mit schnellen Farbkreideschraffuren. Damit sich die eifrige Unterstützerin der „Brücke“-Künstler auch wirklich eingeladen fühlte.

Von Sonntag an kann man diese persönlichen Momente des Expressionismus im Hagener Karl-Ernst-Osthaus-Museum ansehen. Es zeigt die Ausstellung „Beste Grüße...“ mit Künstlerpostkarten der „Brücke“. Die Schau, konzipiert vom Berliner „Brücke“-Museum, zeigt fast 50 Karten, die zugleich Kunstwerke und kulturhistorische Dokumente sind.

Seit dem späten 19. Jahrhundert war die Postkarte ein ungemein populäres Medium, sozusagen die SMS der Kaiserzeit. Man konnte sich per Postkarte verabreden. In Großstädten wie Berlin wurde die Post schließlich drei bis vier Mal täglich zugestellt. Für die Künstler der „Brücke“, die sich an Minutenzeichnungen versuchten, war die Verlockung groß, auch Bildnachrichten zu verschicken. Und sie konnten es ja.

So findet man auf diesen kleinen Karten die bevorzugten Motive und Themen von Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein, Erich Heckel und Schmidt-Rottluff. Manchmal probierten sie hier Dinge aus, die sie später in einem Gemälde oder einem grafischen Blatt ausführten. Kirchner zum Beispiel setzte die „Badenden am Teich“ (1909) später noch in einem Farbholzschnitt um. Eine andere Karte scheint nach einem Gemälde entstanden zu sein, da wollte der Künstler dem Empfänger wohl einen Eindruck seiner Arbeit vermitteln.

Man sieht Akte, Caféhaus-Szenen, Zirkus-Impressionen, Landschaften. Spontane, überaus lebendige Momentaufnahmen, die überwiegend in der stärksten Zeit der „Brücke“, vor Kriegsbeginn, entstanden sind. Der Witz dieser schnellen Zeichnungen braucht kein großes Format: Erich Heckel hatte 1910 von der Hamburger Sammlerin Luise Schiefler eine Ananas geschickt bekommen. Mäzenatentum für die damals noch alles andere als wohlhabenden Künstler nahm da handfeste Formen an. Heckel bedankte sich mit einem „Selfie“, dem „Ananas-Esser“.

Das Osthaus-Museum hat die Schau mit rund 30 Werken aus eigenem Bestand erweitert, darunter Gemälde wie Kirchners „Badende (Fehmarn)“ von 1912 und Pechsteins „Akrobaten“ (1918/19). So entsteht eine konzentrierte Übersicht über eine der wichtigsten Gruppen des Expressionismus.

Eröffnung Samstag, 16 Uhr, bis 2.11., di – so 11 – 18 Uhr,

Tel. 02331/ 207 3138 ,

www.osthausmuseum.de

Katalog, Hirmer Verlag, München, 14,95 Euro

Quelle: wa.de

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