Beseelter Axel Bosse begeistert in Münster

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Axel Bosse in Münster.

Münster – Ein Shant, der sonst nur im Fußballstadion gesungen wird – die schallen Axel Bosse gleich mehrfach und lautstark entgegen an diesem Samstagabend in der proppevollen Halle Münsterland.

 „Und das genau mit meinem Lieblings-Fußballlied“, erzählt Axel „Aki“ Bosse ergriffen und wischt sich eine Träne aus dem Auge. Weit über zwei Stunden lang präsentiert der als Songwriter angefangene Künstler seine Musik auch im elektronischen und druckvollen Gewand und seine Sicht der Dinge auf gleichweise unprätentiöse wie einnehmende Weise – und lässt seine Fans so fassungslos glücklich wie beseelt zurück.

 Er geht schon gleich im dritten Song „Du federst“ in die musikalische Tiefe mit seinem ihm begleitenden Septett. Der Trompeter Martin Beck verwandelt durch ein Solo den Song in eine Reggae- und Ska-Nummer, der Gitarrist spielt ein Solo. So etwas würden nur nur noch Leute kennen, „die in den 80ern groß geworden sind“, meint Bosse. 

Und der ebenfalls früh gespielte Song „Alles ist jetzt“ los – gleichzeitig namensgebend für sein aktuelles siebtes Album (und sein zweite Nummer eins-Platzierung in Folge) ist durchaus programmatisch zu verstehen. Es ist die perfekte Beschreibung des furiosen Abends mit einer Aneinanderreihung großartigster Momente. So findet man Axel Bosse mitten in dem um ihm herum knieenden Publikum und den Song „Kraniche“ singend. 

Er zeigt sich ergriffen von der Menge in der großen Halle. „Vor ein paar Jahren haben wir hier im Jovel vor 80 Leuten gespielt“, zieht er einen Vergleich. Der Sänger trägt sein Herz auf der Zunge und entblößt sich immer wieder in biografischen Beschreibungen und feinsten Beobachtungen wie in dem Akustik-Song „Istanbul“, einer vertonten Liebeserklärung an die Bosporus-Metropole. 

Vor dem Duett „Ich bereue nichts“ mit der Background-Sängerin Valentine erzählt der 39-Jährige, dass er den ihm plötzlich in den Sinn gekommenen Text nach einem Familienfest am Hamburger Hafen mit seiner Familie betrunken an Valerie geschickt habe – und am nächsten Morgen war von ihr eine Melodie darüber gelegt. Die Zeilen wurden nie geändert.

Gastbesuch von "Deichkind" 

Später kommt noch der Musiker „Spiegelei“ von den Deutsch-Rappern Deichkind für zwei Lieder als gefeierter Duett-Partner auf die Bühne. Eine feine Milieu-Studie ist der Song „Robert de Niro“, in der er mit präzisem Blick von Claire als Kellnerin auf dem „Latte-macchiato-Strich“ erzählt, die viel zu viel Zeit ihres Lebens im „Soja-Gefängnis“ der Szenecafés dieser Republik verbracht hat und mit dem er ein politisches Statement abgibt: „Hass kommt von sozialer Ungerechtigkeit/Vielleicht von fehlendem IQ/Aber das da ist einfach nur Nazi-Scheiß/Die aller schlimmste, unmenschlichste Wut“, schrieb er mit Blick auf die ersten Pegida-Demonstrationen.

 In „3 Millionen“ geht es darum, den einen besonderen Menschen zu finden. Den fand Bosse in seiner Frau – „und plötzlich hatte meine Musik eine Richtung“. Nicht nur so wird deutlich, warum Bosse eine Bereicherung für die deutsche Musikszene ist, die sich häufig in Selbstergriffenheit und -bezogenheit verliert. Bei Axel Bosse ist eine Tiefe und Ehrlichkeit zu spüren, die nichts mit Kalkül und behaupteten Gefühlen zu tun hat. Das wird in den Hits wie „Augen zu, Musik an“, der Jugenderinnerung „Schönste Zeit“ und auch der aktuellen Single „Ich warte auf dich“ mit ihren Rio-Reiser-Reminiszenzen deutlich. 

Diesen spielt Bosse gleich zweimal – zum Ende akustisch als Rausschmeißer-Ballade – „denn wir haben ja noch nicht so viele Lieder“, wie er kokettiert – und ihm die Herzen zufliegen.

Quelle: wa.de

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