Benedikt Birckenbachs Skulpturen in Iserlohn

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„Rondo“ (2005) nennt Benedikt Birkenbach seine Skulptur, zu sehen in Iserlohn.

Von Marion Gay ISERLOHN - Aufgereiht warten die Glocken auf ihren Einsatz. Manche wirken intakt, andere liegen deformiert auf der Seite. Der Kunstverein Villa Wessel in Iserlohn präsentiert rund 30 Skulpturen und Zeichnungen aus den letzten zehn Jahren von Benedikt Birckenbach, die sich mit dem Thema „Glocke“ auseinandersetzen. Der Titel der Ausstellung „If I were a bell/Wenn ich eine Glocke wäre“ stammt von einem Song aus dem Broadway-Musical „Guys and Dolls“, bekannt wurde vor allem die Interpretation von Jazz-Trompeter Miles Davis.

Die Glockenformen des Bonner Bildhauers sind aus Holz. Sie haben keinen Klang, dennoch drücken sie schwingende Energie aus. „Über allen Wipfeln ist ruh“ (2006) hat die klassische Form einer Glocke, genauso wie „Intervall 2“ (2006). Beide Skulpturen sind aus Esche, die eine geschwärzt, die andere geweißt. Beide wirken archaisch, mit Spuren des Werkprozesses.

Der 1965 in Düsseldorf geborene Künstler setzt sich mit seinem Thema seit 10 Jahren auseinander, inspiriert durch die Tempelanlagen von Borobudur in Indonesien. Auf den Terrassen des pyramidenförmigen Gebäudes aus dem 9. Jahrhundert stehen glockenartige Steinaufbauten, sogenannte Stupas. In ihnen befinden sich Buddha-Figuren.

Die Idee der innewohnenden Energie überträgt Birckenbach auf sein Werk, indem er seine Formen aushöhlt und zum Beispiel mit netzartigen Strukturen füllt. Andere können der Energie nicht standhalten und lösen sich in Spiralen. So wie „Rondo“ (2005) aus geweißtem Platanenholz. Hier ist die Glockenform nur noch angedeutet, die Skulptur erinnert an ein Schriftzeichen. Erstmalig zeigt Birckenbach auch Bronzeskulpturen. „If I were a bell 1“ (2014) hat einen monumentalen ovalen Kopf mit spiralförmigem Hals. In Anlehnung an eine Klangwelle breitet sich die Form im Raum aus. Mit ähnlichen Formenvariationen spielen auch die kleinformatigen Schwarz-weiß-Zeichnungen.

Während Glocken in Asien bereits vor 5000 Jahren bekannt waren, etablierten sie sich in Europa erst mit Einrichtung der christlichen Klostergemeinschaften. Neben den christlichen Traditionen und Funktionen der Glocke verweist Birckenbach auch auf die Zerstörung vieler Glocken im Zweiten Weltkrieg durch Bombardierung oder Einschmelzung. So haben viele seiner Skulpturen Verletzungen wie Narben, Risse oder Brüche. „Nachhall 1“ (2007) etwa hat an einer Seite Aussparungen, das Innere ist grob mit der Kettensäge bearbeitet und wirkt wie zerfetzt. Die Ahornskulptur „Vertigo 1“ (2004) erinnert dagegen kaum noch an eine Glocke. Die Form krümmt sich in gewundenen Streifen, verformt wie unter dem Einfluss großer Hitze.

Bis 11. Mai; di-fr 15 bis 19 Uhr, sa 12 bis 16 Uhr, so 11 bis 17 Uhr; Tel. 02371/14238

www.villa-wessel.de

Quelle: wa.de

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